Bier ist noch für Brot gut

Hofgeismarer Bäckerei Amthor beteiligt sich an der Rettung von Lebensmitteln

Handarbeit: Marcel Simon formt hier die Bierbrot-Laibe. Die müssen anschließend noch gehen, bevor sie in den Backofen kommen.
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Handarbeit: Marcel Simon formt hier die Bierbrot-Laibe. Die müssen anschließend noch gehen, bevor sie in den Backofen kommen.

Die Coronakrise erfordert Ideen von Unternehmen. So fragte sich Frank Baumann, Getränkehändler aus Trendelburg, was mit Fassbier geschehen solle, das vor dem Verfallsdatum stand.

Hofgeismar - Das erzählte er Marcel Simon, dem Chef der Bäckerei Amthor. Simon hatte schon früher überlegt, ob er ein Bierbrot backen sollte. Bald wurden sie sich einig: Simon und Baumann fanden einen Weg, um das Bier vor der Vernichtung zu bewahren. Schnell waren sich beide einig, dem Slogan „Wir retten Lebensmittel“ zu folgen. Und sie entwickelten die Idee, jetzt Bierbrot zu backen.

Er wolle damit kein großes Geschäft machen, sagte der Amthor-Chef. Gemeinsam wollen Simon und Baumann das Bier so vor der Vernichtung bewahren. Und Baumann macht mit dem Bier keinen Verlust, sondern kann es zum Einkaufspreis abgeben. So sollen aus 2000 Litern Fassbier, deren Verfallsdatum in Kürze abläuft, in den nächsten vier Wochen 12.000 Brote aus Biersauerteig gebacken werden.

Aus der Zapfanlage: Getränkehändler Frank Baumann zapft Bier ab, das anschließend mit Roggenvollkornmehl zum Brotteig verarbeitet wird.

Die Bäckerei Amthor arbeitet noch auf anderen Wegen daran, Lebensmittel nicht vernichten zu müssen. Sie ist seit einigen Wochen Partner der App „Too good to go“. Über diese App werden Lebensmittel, die in einem Geschäft oder auch einem in Restaurant nicht mehr verkauft werden können, kurz vor Ladenschluss zu einem günstigen Preis abgegeben.

Überraschungstüte per App bestellen

Bei Amthor können App-Nutzer sich eine „Überraschungstüte“ zusammenstellen lassen, erklärt Nils Schäfer. Er ist bei Amthor für Marketing und Digitalisierung zuständig. Diese Tüten werden nach Bestellung per App in den beteiligten Filialen abgeholt. Eine halbe Stunde vor Ladenschluss werden sie gepackt. Sie enthalten ein Brot, Brötchen, Teilchen, Kuchen oder auch ein belegtes Brötchen – je nachdem, was übrig geblieben ist. Etwa 350 Kunden kaufen regelmäßig auf diesem Weg ein.

3000 Tüten zum Preis von 3,70 Euro haben die Mitarbeiter bisher gepackt. Sie haben einen Warenwert von jeweils etwa zehn Euro, ergänzt Schäfer. So habe das Unternehmen auch 6,5 Tonnen Kohlendioxid einsparen können, die sonst bei der Vernichtung angefallen wären.

Schäfer verweist darauf, dass trotz der Überraschungstüten nach wie vor die heimische Tafel beliefert wird. Das, was tatsächlich vernichtet werden muss, liefert die Bäckerei an einen Fütterungsbetrieb. Bei Amthor wird „Too good to go“ vor allem in den Kasseler Filialen und den größeren Verkaufsstellen im Raum Hofgeismar genutzt, sagte Schäfer. (Peter Kilian und Bernd Schünemann)

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