„Früher hatte ich Identitätskrisen“

Hofgeismarer Rapper Grinch verarbeitet das Thema Rassismus in Liedern

Zwei Kulturen, zwei Welten: Der Hofgeismarer Rapper Grinch, der in Wirklichkeit Rohit Singh heißt, hat eine CD mit fünf Liedern veröffentlicht. Alle handeln von Rassismus und Identität-
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Zwei Kulturen, zwei Welten: Der Hofgeismarer Rapper Grinch, der in Wirklichkeit Rohit Singh heißt, hat eine CD mit fünf Liedern veröffentlicht. Alle handeln von Rassismus und Identität-

Es geht um Rassismus, Zugehörigkeit und Identität: Der aus Hofgeismar stammende Rapper Grinch hat seine erste EP (CD mit wenigen Musikstücken) „Inda“ herausgebracht.

Hofgeismar - In den fünf Liedern schlägt Rohit Singh, wie Grinch wirklich heißt, ernste Töne an. Inda – das bedeutet „Indisch nicht Deutsch auch“. Was auf den ersten Blick verwirrend klingt, spiegelt aber gut den Zustand wieder, den Grinch vor allem als Kind und Jugendlicher hatte. „Meine Eltern kommen aus Indien, ich bin in Hofgeismar geboren und aufgewachsen. Früher hatte ich deswegen Identitätskrisen. Man hat zwei Kulturen in sich und wird immer wieder darauf hingewiesen“, erklärt er und fügt hinzu: „Man ist beides und beides nicht. Aber es ist egal, was man ist.“

Vor allem in dem ruhigen und sehr persönlichen Stück „Chamäleon“, seinem Lieblingsstück, kommt diese Zerrissenheit besonders zum Vorschein. „Chamäleon – pass mich an, grenz mich aus“, rappt er. Ein Gefühl, dass wahrscheinlich nicht nur er habe. Grinch selbst beschreibt sich als lustigen, fröhlichen und ausgeglichenen Typ. Doch er sagt ganz klar: „Konfrontation mit Rassismus ist Teil meines Lebens. Früher ist es mir schwergefallen, darüber zu reden.“

Seit seinem 15. Lebensjahr macht Grinch Musik. Damals hat er den Rapper Pimf aus Hofgeismar kennengelernt. Dass es bis zu seiner Debut-CD 14 Jahre gedauert hat, habe nicht daran gelegen, dass er keine Lust darauf gehabt hätte. Ihm habe schlichtweg die Zeit dafür gefehlt. „Nach meinem Abi an der Albert-Schweitzer-Schule habe ich mich erst einmal auf mein Lehramtsstudium in Würzburg und jetzt auf das Referendariat konzentriert“, erzählt er. Trotzdem sei er wegen der Musik immer wieder in Hofgeismar gewesen. „Ich bin fester Bestandteil des Teams von Lagunenstyles. Deswegen habe ich dort auch meine CD veröffentlicht“, sagt Grinch.

Sein Künstlername habe keine tiefere Bedeutung. Ein Miesepeter wie der Grinch aus dem gleichnamigen Film sei er nicht. „Aber ich kann ähnliche Grimassen schneiden. Daher haben mir Freunde den Namen verpasst“, erklärt der 29-Jährige. Warum er sich für die Richtung Hip-Hop entschieden hat, erläutert er ganz einfach: „Das Schöne ist, du darfst alles erzählen. Es ist ein facettenreiches und spannendes Genre.“

Seine CD ist am vergangenen Freitag erschienen. Doch wer sich ein Exemplar sichern will, der hat keine Chance mehr. „Sie war so schnell vergriffen – damit habe ich nicht gerechnet. Wir haben nur eine kleine Auflage pressen lassen. Man könnte es auch Rarität nennen“, sagt Grinch. Nachschub sei nicht geplant.

Trotzdem müssen Neugierige und Fans nicht verzichten. Auf dem Youtube-Kanal des Labels Lagunenstyles (zu.hna.de/styles) und beim Streaming-Dienst Spotify sind die Songs von Grinch verfügbar. (Nela Müller)

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