Balus Spürnase wird geschult

Hofgeismarerin spendet Erlös aus Maskennähen für Ausbildung des Hundes

Masken für den guten Zweck: Eine lange Leine aus Stoffmasken steht für die vielen „Schnutenpullis“, die Nicole Schmidt (von links) und Marvin Opitz gegen eine Spende abgeben haben. Sie konnten nun eine Spende in Höhe von 600 Euro an Kilian und Silke Märtin übergeben, die der Ausbildung von Balu zugutekommt.
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Masken für den guten Zweck: Eine lange Leine aus Stoffmasken steht für die vielen „Schnutenpullis“, die Nicole Schmidt (von links) und Marvin Opitz gegen eine Spende abgeben haben. Sie konnten nun eine Spende in Höhe von 600 Euro an Kilian und Silke Märtin übergeben, die der Ausbildung von Balu zugutekommt.

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gehört derzeit zum Alltag. Nicole Schmidt gehört zu denjenigen, die durch das Nähen der Stoffmasken einen guten Zweck unterstützt hat.

Hofgeismar - Es geht um die Ausbildung eines Diabetikerhundes, der einem Jungen den Alltag erleichtern soll.

Das Nähen

Zu Beginn der Corona-Welle war die Nachfrage nach einem Mund-Nasen-Schutz so groß, dass ein akuter Mangel bestand. Wer konnte, nähte die Masken selbst, doch nicht jeder war dazu in der Lage. Nicole Schmidt, Podologin mit eigener Praxis in Hofgeismar, begann, zunächst nur für ihre Patienten Masken zu nähen. Diese sollten beim Besuch der Praxis getragen, gewaschen und an den nächsten Patienten gegeben werden. „Doch schon bald wurde ich vor allem von älteren Patienten gefragt, ob sie den Mund-Nasen-Schutz nicht behalten dürften, weil sie keinen anderen bekommen hätten“, berichtet Schmidt. „Für mich war es selbstverständlich, den Leuten zu helfen.“ Die Nachfrage Masken wuchs und Nicole Schmidt nähte mit Gleichgesinnten in jeder freien Minute, bat um Stoffspenden und ging auf die Jagd nach Gummiband.

Die Spenden

„Über 1000 Stoffmasken habe ich verschenkt, bevor ich auf die Idee kam, dass ich dafür ja auch um eine Spende für einen guten Zweck bitten könnte“, so die Podologin. Gesagt getan. Fortan stand eine große Spendenbox in der Praxis und die Stoffmasken wurden gegen eine Spende von drei Euro pro Stück abgegeben. „Viele haben aber gerne und freiwillig mehr gegeben, wenn sie gehört haben, wofür das Geld sein soll.“

Als Spendenzweck hatten sich Nicole Schmidt und ihr Sohn Marvin Opitz, ebenfalls Podologe in der Praxis, die Ausbildung eines Diabetikerhundes ausgeguckt. Der 27-Jährige ist selbst seit 13 Jahren Diabetiker Typ 1 und kennt die Schwierigkeiten, die die Krankheit mit sich bringt, nur zu gut: „ Diabetes behindert im Alltag. Natürlich kann man damit leben, aber man fragt sich bei jedem Stück Kuchen, wo der eigene Zucker ist. Bevor man Sport machen möchte, überprüft man, wo man steht. Man kann nicht spontan sein. Die Gefahr, zu unterzuckern, ist immer gegeben.“

Der Betroffene

Diese Problematik ist auch Kilian Märtin aus dem westfälischen Marsberg-Helminghausen am Diemelsee vertraut. Der 15-Jährige ist ebenfalls Typ-1-Diabetiker. Er hat sich entschlossen, einen Diabetikerhund auszubilden und wird dabei von seinen Eltern unterstützt. „Wir haben im Internet von Diabetikerhunden gelesen und erfahren, dass es in Bielefeld eine Trainerin für solche Hunde gibt. Mit ihr sind wir in Kontakt getreten und haben uns beraten lassen, welche Hunde sich für so eine Ausbildung eignen und wie diese aussehen würde.“

Der Hund

Inzwischen zählt der 10 Monate alte Labrador Balu zur Familie Märtin. Der freundliche Hund absolviert nur zu gerne die Übungseinheiten der Trainerin gemeinsam mit Kilian, da es für das Tier ein großes Spiel darstellt. Geübt wird zum Beispiel mit Stoffproben, die aus einem T-Shirt geschnitten wurden. Dieses trug Kilian, als er unterzuckert war. Auf diese Weise wird Balu an den charakteristischen Geruch gewöhnt, der auftritt, wenn ein Mensch unterzuckert ist. Denn Balu reagiert nicht nur auf seine Bezugsperson Kilian, auch andere unterzuckerte Diabetiker würde er erschnüffeln. Der Hund merke dabei 15 Minuten vor allen anderen technischen Geräten bereits merkt, wenn Kilian unterzuckert und Alarm schlägt. „Für uns ist es eine große Beruhigung, dass Balu Kilian einmal als ausgebildeter Assistenzhund überall hin begleiten darf“, sagt Mutter Silke Märtin. „Das Tier passt auch nachts auf ihn auf, und wir können ihm vertrauen.“

Die Kosten

50 Euro kostet eine Stunde der Ausbildung, die sich ungefähr über zwei Jahre erstreckt. Da hilft die finanzielle Unterstützung durch Nicole Schmidt und Marvin Opitz durchaus. 514 Euro kamen durch das Nähen der Stoff-Masken zusammen. Nicole Schmidt hat die Summe auf 600 Euro aufgestockt. Doch die Familie Märtin sind die Kosten der Ausbildung, die sie komplett selber tragen müssen, nicht das Wichtigste. Es sei das erste Mal, das Kilian etwas Positives durch die Krankheit erfahre – und das sei unbezahlbar. (Gitta Hoffmann)

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