Interview mit Hofgeismarer Bürgermeister

Torben Busse ist 100 Tage im Amt: „Das war der richtige Schritt“

Bürgermeister Torben Busse setzte sich fürs Pressefoto erstmals auf die Couch in seinem Büro über Hofgeismars Marktplatz. Vorher hatte er dafür keine Zeit.
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Bürgermeister Torben Busse setzte sich fürs Pressefoto erstmals auf die Couch in seinem Büro über Hofgeismars Marktplatz. Vorher hatte er dafür keine Zeit.

Der im November neugewählte Hofgeismarer Bürgermeister Torben Busse ist heute seit 100 Tagen im Amt.

Hofgeismar - Wir sprachen mit ihm über den Start.

Herr Busse, welcher der ersten 100 Tage kommt ihnen spontan in den Sinn?
Das war eindeutig der erste Tag. Die Belegschaft hat mich mit einem Riesenkuchen empfangen. Ich fühlte mich wirklich willkommen. Das Team funktioniert.
Was war anders als Sie erwartet haben?
Die Verwaltungsvorgänge fielen mir leichter als gedacht, denn das hatte ich ja mal gelernt. Es waren wegen Corona aber weniger Gremiensitzungen als üblich und viele Verfahren dauern derzeit länger als gedacht, etwa die Aufstellung des Haushaltsplanes.
Da sind wir beim Stichwort Corona: Hat die Pandemie Ihren Start im Amt stark beeinflusst?
Ich kann es nicht anders sagen, das waren 100 Tage unter dem absoluten Einfluss von Corona. Allein im ersten Monat, ich habe nachgesehen, gab es 70 Termine mit Besprechungen zum Thema Coronafolgen. Der Abstimmungsbedarf in den Abteilungen des Rathauses, in den Kitas und anderen Bereichen ist explodiert. Dabei ist mein persönliches Ziel, direkt mit vielen Menschen zu reden, fast unmöglich geworden. Die meisten Leute machen ja ohnehin jetzt auf der Straße einen Bogen umeinander.
Finden denn überhaupt noch Begegnungen statt?
Ja, aber unter erschwerten Bedingungen und mit Abstand, wie es wohl inzwischen jeder kennt. Ein Teil der Arbeit ist coronabedingt sehr frustrierend. Zum Glück gab es viele Außentermine, etwa zehn alleine in Hombressen wegen Glasfaser und Hochwasser. Aber meine Vorstellung in den Abteilungen und Einrichtungen der Stadt mit persönlichen Kontakten, das war schwierig.
Bedauern Sie es schon, zur Bürgermeisterwahl angetreten zu sein?
Absolut nicht, das war der richtige Schritt.
Um Ihre Kandidatur zur Kommunalwahl, obwohl sie das Mandat als Stadtverordneter nicht antreten werden, gab es Wirbel. Wie gehen Sie damit um?
Die Reaktion der Politik war zwangsläufig, aber abzusehen. Ich wollte eben meiner Partei etwas für ihre Unterstützung beim Bürgermeisterwahlkampf zurückgeben. Es ist etwas schade, dass einige Menschen glauben, ich wäre ein eingefärbter Bürgermeister. Den Bürgern gegenüber mache ich keine Unterschiede. Damit muss wohl jeder Bürgermeister leben, dass ihm Parteilichkeit vorgeworfen wird. Jeder ist ja irgendwie persönlich betroffen und wenn was nicht klappt, ist natürlich immer der Bürgermeister schuld. Sachentscheidungen sollten aber nicht politisch motiviert sein. Es ist ja wohl bekannt, dass ich nicht auf Linie der Bundes-CDU bin, sondern mich für Hofgeismar einsetze.
Wie wollen Sie mit den politischen Parteien in Hofgeismar umgehen?
Ich werde mit allen Fraktionen reden, das ist mein festes Ziel. Über den neuen Haushalt beispielsweise ist mit allen Fraktionen ein Gespräch nötig, aber wie das jetzt unter Corona-Bedingungen und bei dem engen Zeitplan klappt, ist noch fraglich.
Welche Projekte haben Sie in den 100 Tagen schon angeschoben oder zu Ende gebracht?
Echte Großprojekte gab es nicht, aber viele wichtige fachliche Abstimmungen etwa mit dem Landkreis und dem Naturpark beispielsweise zum Schmetterlingssteig, zum Reinhardwaldradweg, dem Blühflächenprojekt bei Kelze und viele kleinere Dinge. Wichtig waren und sind die neuen Personalentscheidungen für die Kindertagesstätten, weil da wegen einiger Ausfälle und des Gute-Kita-Gesetzes akuter Personalmangel herrscht. Aber wir haben schon erfreuliche Rückmeldungen auf die Ausschreibungen.
Was sind Ihre wichtigsten Projekte für die nächsten 100 und folgende Tage?
Ich hoffe, dass wir für dieses Jahr ein Kulturprogramm auf die Beine bekommen und wieder einen Weihnachtsmarkt organisieren können. Der Mensch braucht es doch, wieder mit anderen Menschen zusammenkommen zu können. Vor allem wollen wir endlich das Bad am Park öffnen, wir könnten täglich starten, sobald die Freigabe kommt. Im Plan haben wir auch die Stadterneuerungsprojekte des IKEK, etwa die Willkommensplätze in den Stadtteilen, die Kita in Hümme, weitere Nahwärmeprojekte und das Wohnungsprojekt im Apothekenviertel, wo es neue Gespräche mit dem Investor gibt. Und der Glasfaserausbau geht weiter, ab dem 19. April soll es in Schöneberg, Carlsdorf, Friedrichsdorf und Kelze losgehen. Ich habe Gesprächstermine zu der Innenstadtentwicklung, zu Leerständen und der Umnutzung. Und in Sachen Windkraft werden wir an unserer ablehnenden Haltung zu den geplanten Projekten im Naturpark Reinhardswald und bei der Friedenseiche festhalten und notfalls auch vor Gericht klagen. Wir lassen uns nicht kaufen.
Und welche Wünsche haben Sie?
Ich hoffe inständig, dass unsere Stadt vernünftig durch die Coronakrise kommt und wir möglichst wenig Verluste durch die Pandemie davontragen. Ich hoffe, dass wir die Impfungen kriegen und dann werden wir richtig feiern – und hoffentlich 2022 endlich wieder Viehmarkt. (Thomas Thiele)

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