Hofgeismars Ex-Bürgermeister Willi Croll wird 90 Jahre

Lenkte 14 Jahre die Geschicke Hofgeismars: Bürgermeister a. D. Willi Croll. Foto: Thiele

Hofgeismar. Er gilt als Vater des Hessentags 1978 in Hofgeismar.

Und als er am 21. Dezember 1990 in den Ruhestand verabschiedet wurde, da hieß es in der Ehrung unwidersprochen: „Er hat sich um die Stadt Hofgeismar verdient gemacht“. Am 2. Dezember 2014 feiert Willi Croll seinen 90. Geburtstag.

1924 In Calden geboren, kam er mit seiner Frau Helga 1954 nach Hofgeismar, wo seine Schwiegereltern ein Haus bauten. „Länger als ein Jahr bleibe ich nicht“, sagte er angesichts der grauen, unansehnlichen, vom Verkehr durchfluteten Stadt. Es wurde dann doch etwas länger.

Nach Besuch von Volksschule und Aufbauschule war er von 1940 bis 1945 Soldat, wurde durch polnische Granaten verwundet und in Berlin vom berühmten Professor Sauerbruch behandelt. Bis 1947 arbeitete er in der Landwirtschaft, ab 1948 bei der Hessischen Knappschaft in Kassel, wurde Gewerkschaftsmitglied, legte zwei Verwaltungsprüfungen ab. Von 1968 bis 1976 war er ehrenamtlicher Erster Stadtrat in Hofgeismar, ab 1970 außerdem für die SPD im Hessischen Landtag, war 1974 Mitglied der Bundesversammlung, war Vorsitzender des SPD Ortsverbandes Hofgeismar und des SPD Unterkreises und wurde schließlich 1976 vom Parlament zum Bürgermeister und Nachfolger von Gerhard Kuske (BHE) gewählt.

Das war zwei Jahre vor dem Hessentag und unter Willi Croll gelang es, die Stadt mit Augenmaß umzubauen und die Auswüchse der ursprünglichen, ab 1969 begonnenen Kahlschlag-Altstadtsanierung mit Abbruch und Neuaufbau abzumildern. Geplant waren breite Schneisen für einen flüssigeren Verkehr, statt des jetzigen historischen Rathauses sollte ein Glas- und Betonkomplex auf der grünen Wiese entstehen, auch das Steinerne Haus war zum Abriss vorgesehen. Mit knapper Mehrheit und gegen den Widerstand der Geschäftsleute setzten Croll und seine Mitstreiter den Bau der Fußgängerzone und die Sanierung des Rathauses durch. Die Anerkennung beim und durch den Hessentag waren Lohn für diese Weitsichtigkeit, auch wenn einige Bausünden in der Stadt nicht mehr umzukehren waren.

Willi Croll bestieg als begeisterter Bergsteiger alle Viertausender in Europa (sogar Reinhold Messner erinnert sich an den kletternden Bürgermeister), mit 65 Jahren gönnte er sich das Matterhorn und erst 2003 legte er Steigeisen und Eispickel in den Schrank.

Mut und Durchhaltekraft bewies er auch, als er sich 2004 mit immerhin 80 Jahren entschied, mit seiner Frau das ausgebrannte Wohnhaus an gleicher Stelle wieder aufzubauen. Wer Willi Croll gratulieren will, kann das am 6. Dezember ab 11 Uhr in der Essbar in Hofgeismar tun.

Von Thomas Thiele

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