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Große Brennholz-Nachfrage in Hofgeismar

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Von: Tanja Temme

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Zwei Männer stehen vor einem Lastzug, der Holz in Hofgeismar anliefert.
Stefan Platzen hat keine Probleme an Holz zu kommen, da er über gute Kontakte verfügt. Er kommt eher mit der Produktion nicht nach. Im Bild ist auch Jürgen Westermann (rechts) zu sehen, der gerade Buche gebracht hat. © Tanja Temme

Die Energiekrise beeinflusst seit Monaten den Arbeitsalltag von Stefan Platzen vom Energieholzhof in Hofgeismar.

Kreisteil Hofgeismar – So klingelt manchmal im Minutentakt das Telefon im Büro des Holzhof-Chefs, seien doch inzwischen mindestens dreimal so viele Leute auf der Suche nach Brennholz, wie er sagt.

Bei diesen massiv steigenden Gas- und Ölpreisen schaffen sich natürlich immer mehr einen Ofen an, was verständlich ist“, erklärt der 53-Jährige. Da in ihrer Branche das Holz zunehmend knapper werde, viele leider auch zu horten angefangen hätten, fragen inzwischen auch jede Menge Neukunden bei Platzen nach. „Holz ist tatsächlich das neue Klopapier, aber da spiele ich nicht mit.“ Konkret: Es gibt Limitierungen, wer meint hier mal eben 20 Festmeter bestellen zu können, hat schlechte Karten, möchte Platzen doch möglichst viele mit Holz versorgen. „Wir haben Kunden, die seit Jahren vier Festmeter bestellen und jetzt auf einmal das Dreifache wollen“, berichtet der Betriebsleiter. Diese Bunker-Mentalität würde er nicht unterstützen.

Wie überall ist auch in dem Inklusionsbetrieb des Diakonischen Werkes Kassel das Brennholz knapp. „Der Grund ist aber nicht, dass ich kein Holz besorgen kann, sondern das wir mit der Produktion nicht nachkommen, denn der Betrieb ist nur auf 3500 Schüttraummeter pro Jahr ausgelegt.“

700 Kunden auf der Warteliste

Damit meint er vor allem trockenes Holz, eben solches, womit der Ofen sofort gefüttert werden kann. „Zwei Drittel unserer Kunden möchten Ofenfertiges haben, was wir über Lufttrocknung in Körben oder in einer Biogasanlage herstellen.“ Und da inzwischen weder das Frische noch das Trockene verfügbar ist, 700 Kunden auf der Warteliste stehen, geht es auch immer mal wieder unfreundlich in Platzens Büro zu. „Die Leute haben kein Verständnis dafür, dass wir das Holz auf unserem Hof schon seit Wochen verkauft haben und rasten dann einfach mal aus“, erzählt er. Für diesen Winter jetzt noch Brennholz zu bekommen, werde zunehmend schwerer, hatten doch die ersten schon vor einem halben Jahr ihre Bestellung aufgegeben.

Dass die Preise beim Holz um 30 Prozent gestiegen sind, nähmen die Interessenten scheinbar in Kauf, wäre es doch immer noch günstiger als Gas und Öl. „106 Euro kostet der Schüttraummeter von trockenen 25 Zentimeter langen Scheiten auf dem Energieholzhof, vergangenes Jahr gab es diesen für 77 Euro“, bemerkt Platzen und ergänzt, dass im Internet teilweise das Fünffache verlangt würde. Dass die Preisentwicklung noch weiter nach oben gehen wird, davon ist der Fachmann überzeugt: „Nächstes Jahr wird jeder Betrieb nur noch die Hälfte an Holz bekommen und dann schnellen die Preise noch mal gewaltig in die Höhe.“ Das liegt laut Platzen daran, dass viel deutsches Holz auch nach China exportiert wird, der Rohstoff nun mal begrenzt ist.

Holz aus der Umgebung

Aus dem Reinhardswald sowie dem Liebenauer und Grebensteiner Raum bezieht der Chef sein Holz. Buche, Esche, Eiche etwa, eben Harthölzer werden auf dem Holzhof verarbeitet. Wer trockenes Holz erwirbt, hat einen Feuchtigkeitsanteil von unter 25 Prozent im Rohstoff. „Das hat einen höheren Heizwert als Feuchtes“, weiß er. Außerdem nutze man Getrocknetes, da dieses weniger Ruß und Staubpartikel produziere, somit umweltfreundlicher sei. (Tanja Temme)

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