Reden und Zuhören

"Ich habe Sie lieb" - so begleitet eine Hospiz-Ehrenamtliche einen schwerkranken Mann 

Sie ist für Michael da: Monika Hegner ist ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Hospizdienst in Hofgeismar besucht den schwerkranken Mann ein bis zweimal pro Woche
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Sie ist für Michael da: Monika Hegner ist ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Hospizdienst in Hofgeismar besucht den schwerkranken Mann ein bis zweimal pro Woche. 

Hofgeismar/Wolfhagen. Die ambulanten Hospizdienste in Hofgeismar und im Wolfhager Land suchen neue Ehrenamtler. Monika Hegner engagiert sich bereits und begleitet einen schwerkranken Mann. 

Das Eis in dem kleinen Pappbecher ist fast schon geschmolzen. Die beiden Sorten, Schokolade und Erdbeere, haben sich auf dem grünen Löffel von Michael schon vermischt. Aus dem CD-Player auf dem Holztisch kommt derweil Musik, weil Musik an solchen Tagen fast immer laufen muss. Diesmal hat sich Michael für Helene Fischer entschieden – und gegen Heino.

Die CD hat Monika Hegner eingelegt. Auch das Eis hat die 59-Jährige an diesem Tag mitgebracht. Sie besucht Michael, der eigentlich anders heißt, ein- bis zweimal pro Woche in einem Wohnhaus in Calden. Hegner ist ehrenamtliche Mitarbeiterin beim ambulanten Hospizdienst in Hofgeismar. Sie begleitet Michael, der schwer krank ist, unter anderem Krebs und eine geistige Behinderung hat. „Ich komme sehr gerne hierher“, erzählt Hegner. „Es macht mir Freude, weil auch niemand etwas von mir erwartet.“

Laut, aber auch liebevoll

Meistens sitzen sie bei Besuchen im Zimmer von Michael, der im Rollstuhl sitzt. Dann reden sie eine Stunde lang miteinander, zum Beispiel über ihr Auto, einen Mini Cooper, oder das, was Michael gegessen hat. Manchmal aber, da hört Hegner auch einfach nur zu. Denn Michael ist jemand, der gerne redet. 

Mal erhebt er dabei seine Stimme und wird lauter. Dann gibt es Momente, in denen er liebevoll und besonders herzlich ist. „Ich habe Sie lieb“, sagt er plötzlich zu Monika Hegner, die mit dem Rücken zur Wand sitzt. Über ihr hängen gleich mehrere Fotos von Michael. Er lacht auf den meisten. Nur ein Bild in dem Zimmer ist in Schwarz-Weiß. Es hängt über dem Bett. Es zeigt Michaels Mutter.

An diesem Tag, sagt Michael, habe er keine Schmerzen. Immer wieder spricht er über seinen Geburtstag, der vergangenen Freitag war. „Es wird einfach mit Freude gelebt, was noch möglich ist. Diagnosen verlieren da an Bedeutung“, sagt Sabine Damhorst. Sie leitet das Wohnhaus in Calden. Ob Michael dort auch nächstes Jahr noch wohnt, weiß sie nicht. „Es ist nicht sicher, ob er das Ende des Jahres noch erlebt“, sagt Damhorst. Sie steht vor der Zimmertür von Michael, gemeinsam mit Jan Uhlenbrock, der als Koordinator beim Hospizdienst in Hofgeismar arbeitet. „Wir wollen für die Menschen da sein“, sagt Uhlenbrock etwas später und nennt einige Beispiele, darunter etwa das Vorlesen, Spielen oder Spazierengehen.

Monika Hegner ist seit vergangenem Sommer beim Hospizdienst. Eine andere Mitarbeiterin hätte sie damals gefragt, erzählt die 59-Jährige. Die Motive sind jedoch unterschiedlich. Dazu zählen auch persönliche Erfahrungen wie der Tod des eigenen Mannes, berichtet eine andere Ehrenamtliche. Michael weiß von diesen Gründen vermutlich nichts. Er ist aber froh, dass Monika Hegner an manchen Tagen da ist.

Hospizdienste suchen neue Ehrenamtler

Die ambulanten Hospizdienste in Hofgeismar und im Wolfhager Land suchen neue ehrenamtliche Mitarbeiter. „Ich glaube, es gibt immer noch zu wenige Menschen, die wissen, dass es uns gibt“, sagt Jan Uhlenbrock, der als Koordinator beim Hospizdienst in Hofgeismar arbeitet. Dort betreuen rund 35 Ehrenamtler den gesamten Altkreis. Sie besuchen schwerkranke und sterbende Menschen in ihrem Zuhause. Dann wird etwa geredet, gespielt oder Musik gehört. 

Zudem wird auch eine Angehörigen-Begleitung angeboten, sei es durch Gespräche oder im Sinne einer Entlastung. „Unsere Kapazitäten sind zwar noch nicht ausgeschöpft“, sagt der 48 Jahre alte Uhlenbrock. Allerdings sei die Teilnehmeranzahl beim letzten Vorbereitungskurs (siehe Hintergrund) eigentlich zu gering gewesen. 

Etwas angespannter ist die Lage beim Hospizdienst im Wolfhager Land. „Das Hauptproblem ist, dass wir zu wenig Ehrenamtliche haben. Deswegen sind wir immer auf der Suche nach Interessierten, die sich engagieren wollen“, sagt Koordinatorin Petra Moser. Sie kann momentan auf rund 20 aktive ehrenamtliche Mitarbeiter zurückgreifen. In der Betreuung gibt es keine großen Unterschiede zum Hospizdienst in Hofgeismar – mit einer Ausnahme. In Wolfhagen wird laut Moser zusätzlich eine nächtliche Betreuung angeboten, um die Angehörigen zu entlasten. Zudem sei alles etwas ländlicher strukturiert als in Hofgeismar. 

Beide Hospizdienste gibt es bereits seit 19 Jahren. Sie finanzieren sich unter anderem über Spenden. Sowohl in Hofgeismar als auch im Wolfhager Land sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter durchschnittlich 50 Jahre alt, wenn nicht sogar etwas älter. Früher, sagt Uhlenbrock, seien die Ehrenamtler aber im Schnitt noch älter gewesen. „Mittlerweile sind viele entweder pensioniert oder haben einfach Zeit und können diese einsetzen.“

Hintergrund: Fünf Monate Vorbereitungskurs

Wer ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Hospizdienst in Hofgeismar oder im Wolfhager Land werden will, muss einen Vorbereitungskurs absolvieren. Dieser geht über fünf Monate und findet nach einem ersten Gespräch mit den Koordinatoren der Hospizdienste in regelmäßigen Gruppentreffen statt. 

„Dort beschäftigen wir uns mit Themen wie Kommunikation, Verlust oder Trauerphasen“, sagt Jan Uhlenbrock. Er ist Koordinator beim Hospizdienst in Hofgeismar und leitet gemeinsam mit einer Kollegin den dortigen Kurs, der alle zwei Jahre mit mindestens 15 Teilnehmern stattfinden soll. Darin ist auch eine Praktikumsphase vorgesehen, in der angehende Ehrenamtliche Besuche in einer Altenpflegeeinrichtung (Hofgeismar) oder größtenteils im stationären Hospiz in Kassel (Wolfhagen) absolvieren. Am Ende gibt es ein Abschlussgespräch und ein Zertifikat. 

Kontaktdaten: Interessierte erreichen den Hospizdienst in Hofgeismar unter 056 71/500 551 oder 0160/701 34 58 sowie per Mail unter hospizdienst.hofgeismar@ekkw.de. Der Hospizdienst im Wolfhager Land ist erreichbar unter 056 92/99 35 21 oder 0173/27 75 324 sowie info@hospizdienstimwolfhagerland.de.

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