Virtuose an der Kastenzither

Hossam Shaker aus Arenborn: Mit Musik für den Frieden

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Proben auf dem Nil: Hossam Shaker mit dem rumänischen Geiger Justin Ciuche. Die Band sitzt in einer Feluke, auch kurz Fluka, die traditionellen Schiffe, die auf dem Nil in Assuan verkehren. 

Arenborn. Der ägyptischer Musiker Hossam Shaker aus Arenborn tritt erstmals seit dem Arabischen Frühling wieder in Ägypten auf.

Sechs Jahre nach Ausbruch des Arabischen Frühlings, einer Serie von Protesten und Revolutionen, meldet sich der ägyptische Komponist Hossam Shaker auf der ägyptischen Bühne zurück. Der Virtuose an der Kastenzither (Quanoun), der seit 2012 in Nordhessen lebt, war mit der deutschen Neuauflage seiner einstigen Kultband Rahalla („Reisender“) im Januar zu Gast in Assuan, auf dem ersten Festival für „Künste und Handwerkskunst vom Nil“.

Assuan im Januar, das sind milde 20 bis 25 Grad. Es liegt 800 Kilometer südlich von Kairo. Der Nil ist dunkelblau und breit wie ein Meer, durchsetzt von kleinsten Inseln und Inselchen. Auf der Westseite des Stroms schiebt sich mit sanft goldenen Hügeln die Libysche Wüste herein, auf der Ostseite die alte Handelsstadt Assuan, das Tor zu Schwarzafrika.

Dr. Hossam Shaker sitzt auf einer Terrasse hoch über dem Nil. Er hat die Sonnenbrille in die weißen Locken geschoben. „Hier schlägt das alte Herz Ägyptens“, sagt er. „Die Nubier, die stolzen Nachfahren der schwarzen Pharaonen, sind für mich der Inbegriff von Frieden. Sie sind offen, warmherzig und extrem gastfreundlich.“

Die Menschen und die Natur hier machen es leicht, die Seele baumeln zu lassen und nebenbei großartige Denkmäler der Menschheitsgeschichte zu entdecken. Trotzdem stehen in Assuan wie auch überall sonst in Ägypten die meisten Hotels leer. Seit 2011 bleiben konsequent die Touristen weg. Shaker versteht das nicht, denn die Geburtswehen der Revolution sind längst passé. „Trotzdem lese ich in den sozialen Netzwerken und den klassischen deutschen Medien dauernd, wie unsicher es in meiner Heimat ist und dass man da nicht mehr hinreisen kann. Das ärgert mich sehr, denn es stimmt einfach nicht.“ Zusammen mit der ägyptischen Stiftung „Our Heritage Protection“ (Schutz unseres Kulturerbes) und dem Fond „Tahya Misr“ (Lang lebe Ägypten) möchte Shaker diesem Negativbild etwas entgegen setzen. „Egypt - A Message of peace to the world“ lautet die Kampagne, die zu diesem Zweck ins Leben gerufen wurde. Shakers Band „Rahalla“ ist ihr Aushängeschild.

Die Musiker - ein deutscher Schlagzeuger, ein rumänischer Geiger, ein Cellist aus Österreich und ein deutscher Pianist - sind zwar mit gemischten Gefühlen in den Flieger gestiegen, aber Shakers Rechnung ist aufgegangen. Alle haben sich von Land und Leuten verzaubern lassen. Unvergessen sind die Bandproben auf dem Nil. Zusammen mit nubischen Musikern fuhren Rahalla über den großen Strom. Sie trommelten, geigten, zupften und sangen gemeinsam „Ana Misr“ - „Ich bin Ägypter“. Am Konzerttag selbst gab es für diesen von Shaker neu arrangierten Song viel Applaus. Für ihn war das Konzert aber nur der Startschuss. Er sieht neue Perspektiven. Besonders am Herzen liegen ihm die Kinder und deshalb unterstützt er ein Tahya Misr Projekt, das heimatlose Kinder von der Straße holt. „In meinem Haus in Arenborn wird eine europäische Zweigstelle für Tahya Misr entstehen“, berichtet er. 

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