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Im Ernstfall Schulen schließen: Landkreis Kassel muss Gas sparen

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Von: Natascha Terjung

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Runter mit der Raumtemperatur: Der Landkreis Kassel will Heizkosten sparen. Symbol
Runter mit der Raumtemperatur: Der Landkreis Kassel will Heizkosten sparen. Symbol © Ole Sata/dpa

Die Energiekrise stellt auch die Kreisverwaltung vor Herausforderungen. Wegen des drohenden Gas-Engpasses soll beim Heizen gespart werden.

Kreis Kassel – Viele Städte und Gemeinden bereiten sich auf einen möglichen Gas-Engpass im Herbst vor – auch der Landkreis Kassel tut dies. „Wir haben bereits eine Taskforce eingerichtet“, sagte Landrat Andreas Siebert im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie hat Pläne erarbeitet, wie für die kalte Jahreszeit Gas gespart werden kann.

Bis September werden alle Schulen, Sporthallen und Verwaltungsgebäude nicht mehr beheizt, sagt Siebert. Doch das allein reiche nicht aus, sollte Gas extrem knapp werden. Dann würden Treppenhäuser, Flure und wenig genutzte Räume ebenfalls nicht mehr warm gemacht, Mitarbeiter der Kreisverwaltung müssten wieder verstärkt ins Homeoffice.

Sollte es zu einem „Totalausfall“ kommen, müssten manche Schulen und Sporthallen geschlossen werden, sagt der Landrat. Der Unterricht könnte in diesem Fall entweder über Homeschooling oder bei benachbarten Schulen stattfinden. Mit dem Land Hessen arbeite man derzeit an konkreten Maßnahmen, diese „müssen auch realistisch sein“, betonte Siebert.

Erneuerbare Energien im Fokus

33 Schulen im Kreis werden neben Gas durch erneuerbare Energien beheizt, 20 sind unabhängig von Gas. Mit Fernwärme wird unter anderem die Käthe-Kollwitz-Schule in Hofgeismar versorgt, die Elisabeth-Selbert-Schule in Zierenberg mit einer Holzhackschnitzel-Heizung. Es gibt auch Gebäude, die nur Gas nutzen: 31 Schulen und Sporthallen, die Verwaltungsgebäude in der Manteuffel-Anlage und der Garnissonsstraße in Hofgeismar sowie in der Ritterstraße in Wolfhagen. ter

Einige Schulen im Kreis werden durch erneuerbare Energien wie Holzhackschnitzel-Heizungen und per Fernwärme versorgt und könnten bei einem Lieferstopp von Gas problemlos gehalten werden. Der Tierpark Sababurg und die Jugendburg Sensenstein seien ebenfalls nicht von der Gasversorgung abhängig. Das Wasserschloss Wülmersen, das Jugendseeheim auf Sylt und das Heim in Schönau müssten im Ernstfall aber geschlossen werden, erklärt Siebert.

Bei den Kreiskliniken in Hofgeismar und Wolfhagen sieht er keine Probleme, dort müsse mit Gas wie mit Öl geheizt werden. Auch die Abfallentsorgung sei weiterhin gesichert. „Wir hoffen, dass wir nichts davon umsetzen müssen. Wir wollen uns aber nicht überraschen lassen und bereiten uns gut vor.“

Landrat Andreas Siebert äußert sich zu den Energiesparmaßnahmen des Landkreises Kassel.
Landrat Andreas Siebert äußert sich zu den Energiesparmaßnahmen des Landkreises Kassel. © Alia Shuhaiber

Wichtig sei vor allem, dass die Kreisverwaltung einsatzfähig bleibe. Für Bürger wichtige Dienstleistungen müssen weiterhin erfüllt werden können, betont Siebert. Auch die gestiegenen Energiekosten gingen am Landkreis nicht vorüber. „Das wird uns noch einige Jahre verfolgen.“

Energiekosten belasten Haushalt des Landkreises Kassel

Der Landkreis Kassel bereitet sich angesichts eines möglichen Gas-Engpasses auf den kommenden Winter vor. Zum einen soll Energie durch weniger Heizen gespart werden, zum anderen werden Schulen und Hausmeister mit dem Projekt „Clever fürs Klima“ zum Thema Energienutzung geschult.

Doch sollten sich die Gasengpässe verschärfen, reicht das laut Landrat Andreas Siebert nicht aus. Und auch die gestiegenen Energie- und Materialpreise müssen ausgeglichen werden. Mit Blick auf die „angespannte Haushaltssituation“, wie Siebert sagte, ist das keine leichte Aufgabe.

Eine Möglichkeit des Ausgleichs besteht für den Landrat darin, Straßenbaumaßnahmen, die noch nicht begonnen wurden, zu verschieben. Dabei gehe es um solche, die nicht zwingend notwendig sind.

Landkreis Kassel will Gas sparen: Schulsanierungen werden nicht auf Eis gelegt

Schulsanierungen würden dagegen auf keinen Fall zurückgestellt. Auch Investitionen könnten zurückgehalten werden. Zusätzlich werde derzeit geprüft, in welchen Bereichen die gestiegenen Preise sich bemerkbar machten und wie das kompensiert werden könne. „Bei solchen Entscheidungen ist innere Ruhe nötig. Insbesondere nach zwei Jahren Pandemie“, betont Siebert.

Panik wegen des Gas-Engpasses zu verbreiten, sei unangebracht. Auch die EAM, dessen Anteilseigner der Landkreis ist, bereite sich vor und informiere den Kreis über die Lage. Nun rückt vor allem das Thema erneuerbare Energien wieder verstärkt in den Fokus: Der Kreis habe allerdings ohnehin schon viel in diesem Bereich getan. „Diesen Weg müssen wir aber konsequent weitergehen“, sagte Siebert. Demnächst würden zum Beispiel zwei Müllfahrzeuge angeschafft, die mit Wasserstoff betrieben werden.

Trotz der angespannten Lage steht der Landkreis laut Siebert ganz gut da. Welche der Sparmaßnahmen künftig umgesetzt werden müssten, sei jetzt noch nicht absehbar. (Natascha Terjung)

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