Rotwild im Reinhardswald 

Im Reinhardswald ist das größte heimische Wildtier zu Hause

+
Ein Platzhirsch nähert sich einem brünftigem Kahlwild. Mit seinem lauten Röhren versucht er mögliche Rivalen einzuschüchtern.

Natur- und Wirtschaftswald, Jagdrevier und Erholungsort: das ist der Reinhardswald. Er ist zudem ein riesiger Lebensraum für Tiere - auch für das größte heimische Wildtier: den Rothirsch.

Reinhardswald - Sie leben fast das ganze Jahr über in ausgeprägten sozialen Verbänden: Die weiblichen Tiere zusammen mit ihren Kälbern, Jährlingen und den bis zu zwei Jahre alten Jünglingen. Sie bilden die sogenannten Kahlwildrudel des Rotwilds. Auch die Hirsche hält es die meiste Zeit des Jahres beieinander. Bis etwa Mitte September. Dann kommt Bewegung in die Rotwildpopulation des Reinhardswaldes und die strikte Geschlechtertrennung löst sich auf. Die Hirschbrunft beginnt.

Es ist die Zeit, in der männliche und weibliche Stücke in Paarungsstimmung sind. Das Kahlwild zieht zu den Brunftplätzen, an denen sich auch die Hirsche einstellen. Bis in die Nachtstunden hinein ist für Beobachter ein einzigartiges Naturschauspiel zu erleben. Das Röhren der Hirsche schallt dann kilometerweit durch den Wald.

Es sind die Platzhirsche, die versuchen, Rivalen und den aufstrebenden Jungen, den Beihirschen, klar zu machen, wer der Herr über das jeweilige Kahlwildrudel ist und das alleinige Recht zum Beschlag beansprucht.

Wenn dieses Recht jedoch angezweifelt wird und die Konkurrenz sich stärker fühlt, dann kann es zum Kampf kommen. Dann verhaken sich die Rivalen mit ihren mächtigen Geweihen und versuchen sich gegenseitig vom Brunftplatz zu schieben. Die Schiebekämpfe sind eine ernste Angelegenheit. Michael Heyer, Förster im Revier Waldhaus, schätzt, dass jährlich ein bis zwei Hirsche beim Forkeln ihr Leben lassen.

Heyer, der auch Rotwildsachverständiger des Forstamtes Reinhardshagen ist, ist immer wieder fasziniert, „von der enormen Kraft und der Vitalität des Rotwildes“. So schieben die Hirsche jährlich innerhalb von fünfeinhalb Monaten ein neues Geweih, das kann bei ausgewachsenen Hirschen mehr als zehn Kilo wiegen.

Eigentlich ist das Rotwild ein Bewohner von lichten Baumsavannen. Doch durch die Zersiedelung der Landschaft ist es in geschlossene Wälder zurückgedrängt worden. Für die traditionelle Forstwirtschaft ist das seit jeher ein Problem. Denn seine Nahrung im Wald besteht aus Trieben, Knospen, Blättern und Rinde, die die Tiere von den jungen Stämmen schälen. Das kann, wenn zu viele Tiere auf einer Fläche stehen, zu immensen Schäden führen. Zwei bis drei Stück auf 100 Hektar sind das Bewirtschaftungsziel.

„Wir wollen nicht, dass die Schälschäden überhandnehmen“, sagt Förster Heyer. Auch aus ökologischer Sicht benötige der Wald einen angepassten Wildbestand. Angepasst bedeutet auch, dass ein gewisser Anteil geschälter und verbissener Bäume zu tolerieren ist.

„Es ist einfach toll“, sagt Heyer, „dass wir das größte wild lebende Säugetiere in unserer Region haben.“ Es sei deshalb nur zu begrüßen, „dass sich so viele Leute für unsere Hirsche interessieren.“ Und in diesen Tagen die Hirschbrunft erleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.