Kreistag diskutiert über alternativen Standort

Landrat Uwe Schmidt erbost über Info-Leck zum Klinikneubau

+
Drei Probleme erschweren den Neubau der Kreisklinik neben dem Evangelischen Krankenhaus (Bildmitte): die nahen Hochspannungsleitungen, mögliche archäologische Funde im Boden und die Hanglage.  

Hofgeismar. Die Standortsuche für einen Neubau der Kreisklinik in Hofgeismar hat im Kreistag in Immenhausen für heftige Diskussionen gesorgt. 

Auslöser war ein HNA-Bericht darüber, dass der zuletzt vorgesehene Standort am Lempeweg deutlich teurer würde und deswegen ein Baugrundstück im Gewerbegebiet Jahnsportplatz an der Grebensteiner Straße zwischen Araltankstelle und Bäckerei Amthor geprüft werde. 

Dass diese Information aus einer vertraulichen Sitzung an die Öffentlichkeit gekommen ist, habe ihn erbost, sagte Landrat Uwe Schmidt (SPD). „Es kann nicht immer alles öffentlich diskutiert werden, sobald etwas spruchreif wird, wird der Kreistag für eine Entscheidung mit einbezogen. Jetzt müssen wir die Scherben zusammenkehren“, sagte er. Dass der Neubau auf dem Grundstück, das in Privatbesitz ist, jetzt noch realistisch sei, glaube er nicht. 

Landrat Uwe Schmidt

Dennoch widersprach Schmidt Kritik aus Reihen der Linken und der CDU am Alternativstandort. Ein Krankenhaus in einem Gewerbegebiet sei geradezu zynisch, hatte der Linken-Fraktionsvorsitzende Dr. Christian Knoche zuvor gesagt, Maik Sembowski (CDU) sprach von einer „nicht sonderlich gelungenen Wahl“, seine Partei wolle sich einer alternativen Lösung aber nicht verschließen. 

Schmidt hingegen wies auf eine deutlich kürzere Planungsphase im Gewerbegebiet hin, weil es dort bereits einen Bebauungsplan gibt. Die Gefahr, dass das Land die zugesagte Teilfinanzierung von zehn Millionen plus weitere fünf Millionen Euro als zinsfreies Darlehen zurückziehe, weil sich der Bau verzögere, bestehe nicht, sagte Schmidt. Man sei in ständigem Austausch. Dr. Bärbel Mlasowsky von den Freien Wählern stärkte Schmidt den Rücken. „Wir müssen den Landrat arbeiten lassen.“ Sie kritisierte, dass die HNA den Planungsstand öffentlich gemacht hatte.

Was ist in den vergangenen zwölf Monaten passiert, was die Planungen für einen Klinikneubau am Lempeweg so viel teurer werden lassen? Diese Frage möchten die Kreistagsmitglieder beantwortet haben. Und diese Antworten erhoffen sie sich von Karsten Honsel, dem Geschäftsführer der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH). Der Kreistag hat daher die Vorsitzenden des Haupt-, Planungs, Sozial- und Wirtschaftsausschusses aufgefordert, Honsel zu einer Sondersitzung einzuladen. Den Antrag hatte die CDU kurzfristig konkurrierend zu einem Antrag der Linken eingereicht. Diesen hatte der Fraktionsvorsitzende Dr. Christian Knoche zwar vorgestellt, aber nach langer Diskussion der Fraktionen noch nicht abstimmen lassen.

Mit dem von Knoche als Reaktion auf die in der HNA öffentlich gemachte Suche nach einem Alternativstandort eingereichten Antrag sollte die Fläche im Gewerbegebiet Jahnsportplatz ausgeschlossen werden. Der Bau mache nur in der Nachbarschaft des Evangelischen Krankenhauses Gesundbrunnen am Lempeweg Sinn, um Synergieeffekte zu nutzen. Laut Landrat Uwe Schmidt (SPD) hätte es diese aber nur gegeben, wenn in unmittelbarer Nähe hätte gebaut werden können. Weil der geplante Neubau aber wegen des Mindestabstands zu Hochspannungsleitungen weiter vom bestehenden Krankenhaus weggerückt sei, müssten Patienten mit Rettungswagen von einem ins nächste transportiert werden. „Wir kommen wegen der Vorschriften einfach nicht mehr nah genug ran“, so Schmidt.

Natürlich sei ein romantischer, stiller Ort die schönere Variante, sagte Susanne Regier von den Grünen. Sie betonte aber ebenso wie Frank Nikutta (SPD), dass man sich Alternativen offen halten müsste, sollten die ursprünglichen Pläne sich als zu teuer oder nicht umsetzbar erweisen. „Am Ende muss einfach alles dafür getan werden, dass dieser Bau überhaupt realisiert wird“, sagte Nikutta.

Am Ende der Diskussion lehnte der Kreistag eine Änderung des CDU-Antrags durch die AfD ab. Diese hatte gefordert, dass beraten werden müsse, welche Auswirkungen die Suche nach einem anderen Standort auf die an den Lempeweg gebundenen und vom Kreistag beschlossenen finanziellen Mittel hätte. Der Antrag wurde mit den Gegenstimmen der SPD abgelehnt. Harribert Kühne (AfD) hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Diskussion in seinen Augen überflüssig sei. In einer Sitzung des Fachausschusses Wirtschaft habe GNH-Geschäftsführer Honsel im Mai 2017 zugesagt, dass die Holding etwaige Mehrkosten übernehmen würde.

Hintergrund

Höhere Kosten am Lempeweg

Weil der Regionalplan Nordhessen einen Mindestabstand von 400 Metern von Pflegeeinrichtungen zu Hochspannungsleitungen vorgeschrieben ist, musste der geplante Bau der Kreisklinik am Lempeweg weiter Richtung Hanglage verschoben werden (wir berichteten). Vor allem die dadurch notwendigen Erdarbeiten würden „erhebliche Kosten“ erzeugen, um ein bebaubares Grundstück zu erhalten, hieß es in einer Pressemitteilung der GNH auf HNA-Anfrage vor drei Wochen. Zudem waren Stellungnahmen des Landesamtes für Denkmalpflege, Abteilung Archäologie, vorgetragen worden, die ebenfalls im Planungsverfahren berücksichtigt werden müssen.

Kommentar

Lasse Deppe über den richtigen Klinikstandort  

Hofgeismar braucht eine Klinik. Mit einer Entfernung von fast 25 Kilometern zum nächsten allgemeinen Krankenhaus ist eine Diskussion über die Rolle der Stadt als Mittelzentrum gar nicht nötig. Da reicht der bloße Menschenverstand, deswegen sind sich die Fraktionen darin auch einig. Einen Alternativstandort an der Grebensteiner Straße von Beginn an zu verteufeln, wäre daher falsch. 

Klar, wer an ein Gewerbegebiet denkt, hat sicher nicht als nächstes die Worte Regeneration und Pflege im Kopf. Aber schaut man mal genauer hin, ist der Standort kein verkehrter. Die Anbindung ist gut, ausreichend Platz ist da und es könnte bei einer Entscheidung schnell gebaut werden. Betriebe, die die Erholung gefährden könnten, sind nicht benachbart. Gewerbe ist schließlich nicht gleich Schwerindustrie. 

Bevor diese Diskussion jetzt allerdings mit vielen Emotionen geführt wird, sollte abgewartet werden, ob der Grundstückseigentümer die Fläche überhaupt an die Stadt verkaufen würde. Vielleicht wird der Lempeweg trotz höherer Kosten schon schnell wieder einzige Alternative.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.