Einer der Köpfe hinter der Mission

Interview: DLR-Raumfahrtchef stammt aus Hofgeismar

Prof. Johann-Dietrich Wörner

Hofgeismar. Durch die Landung des Astronauten Alexander Gerst ist Raumfahrt wieder großes Thema. Einer der Köpfe hinter der Mission ist der Hofgeismarer Prof. Johann-Dietrich Wörner.

Er ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Herr Prof. Wörner, durch die Rückkehr von Alexander Gerst ist Raumfahrt wieder Diskussionsthema in Deutschland. Wie wichtig sind Schlagzeilen für Ihre Arbeit? 

Johann-Dietrich Wörner: In der Praxis ist das wichtig, weil es die Bedeutung der Raumfahrt in die Öffentlichkeit bringt. Raumfahrt ist heutzutage mehr als Prestige, es ist Infrastruktur nicht nur für die Forschung, also unerlässlich beispielsweise für die Medizin. Und da wir immer wieder Geld des Steuerzahlers benötigen, ist es wichtig zu zeigen, dass die Mittel gut verwendet werden.

Sie haben Gerst nach seiner Landung aus Schottland abgeholt. Warum haben Sie sich persönlich auf den Weg gemacht? 

Wörner: Als ich vor sieben Jahren in das DLR kam, wurden kurz darauf neue Astronauten verschiedener Nationalitäten ausgesucht - darunter war Alexander Gerst. Ich habe ihn also von Anfang an gekannt und mich dafür eingesetzt, dass ein Flug mit einem europäischen Astronauten deutscher Nationalität umgesetzt wird. Wir haben als DLR auch viele Experimente für die Mission Blue Dot beigesteuert, die Gerst geflogen ist . Ich habe also seit fünf Jahren sehr engen Kontakt auf persönlicher und fachlicher Ebene mit ihm.

In welchen Forschungsbereichen können die Experimente von Gerst Fortschritte bringen? 

Wörner: Da haben wir zum Beispiel das Problem der Alterung. Das ist ein Schönheits-, aber auch ein Gesundheitsthema. Wir haben festgestellt, dass im Weltraum die Alterung schneller voranschreitet. Das kann man an den Astronauten erleben. Gerst hat die Alterung seiner Haut untersucht. Ein anderes Thema ist das Immunsystem mit den zwei großen Themen Aids, einer Immunsystemschwäche, und Transplantationen, bei denen das Immunsystem zu stark ist und das Implantat abstößt. In der Schwerelosigkeit stellen wir einen massiven Abfall des Immunsystems fest. Dadurch hat man die Möglichkeit, dem Phänomen leichter auf die Spur zu kommen.

Wird ausreichend kommuniziert, welche wissenschaftlichen Fortschritte die Raumfahrt bringt? 

Wörner: Es wäre sicher eine schöne Idee, wenn man auf Produkten den Aufdruck „Space inside“ finden könnte. Das würde helfen, die Ergebnisse aus der Raumfahrt sichtbar zu machen. Rauchmelder beispielsweise stammen aus der Raumfahrt, weil man sie dort als erstes brauchte. Und der Strampler, mit dem Kinder überwacht werden, um einen plötzlichen Kindstot zu verhindern, wurde erfunden, um die Vitaldaten von Astronauten zu erfassen. (gör)

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