Interview zur Windpark-Kündigung: „Haben unsere Hausaufgaben gemacht"

Windräder im morgendlichen Nebel: Ob sich solche Anblicke künftig in Hofgeismar bieten, hängt vom weiteren Verlauf des Konflikts um den Heuberg ab. Foto: dpa

Hofeismar. Die Hofgeismarer CDU und WSD haben im Parlament durchgesetzt, dass die Verträge für den Windpark Heuberg im Sommer gekündigt werden sollen. Wir sprachen mit Markus Schoppmann, Projektleiter bei der Bremer Windpark-Firma wpd.

Herr Schoppmann, die Hofgeismarer CDU wirft der wpd vor, Vertragspflichten nicht erfüllt zu haben. Stimmt das denn?

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Schoppmann: Nein das stimmt nicht. Flächennutzungsplan und Bebauungsplan sind zwei mögliche Instrumente, um Planungsvorstellungen der Kommune umzusetzen. Wir haben Wünsche der Stadt Hofgeismar, wie etwa die Kooperation mit den Segelfliegern oder die Freihaltung des Westberges, in unsere Planung eingearbeitet, so dass auch die Stadtverwaltung keine Notwendigkeit für die Weiterführung des F-Plans gesehen hat. Erst im Kommunalwahlkampf wurde der F-Plan von einzelnen Fraktionen wieder zum Thema gemacht.

Die CDU wirft Ihnen auch vor, dass der ursprünglich angepeilte Baustart 2013 weit verfehlt wurde. Was sind die Ursachen?

Schoppmann: Man hat an einem Standort wie dem Heuberg verschiedene Interessengruppen und Aspekte, deren Belange zu beachten sind, darunter unter anderem: die Segelflieger, die Bundeswehr, die Mülldeponie sowie den Naturschutz. Das haben wir alles untersucht und im Planungsprozess berücksichtigt. Die Planung eines Windparks ist heutzutage nicht mehr in zwei Jahren umzusetzen, das geht in Bereiche von fünf bis sechs Jahren. Doch wir haben die vielen Probleme gelöst und nun ein Ergebnis, hinter dem wir stehen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.

Wann wurde mit der Stadt Hofgeismar entschieden, einen anderen Genehmigungsweg, nach Bundes-Immissionsschutzgesetz, zu wählen?

Schoppmann: Windkraftanlagen sind grundsätzlich nach dem BImSchG zu genehmigen. Ob es zusätzlich einen Flächennutzungsplan oder Bebauungsplan gibt, ist dabei unerheblich.

Sind die Verträge mit der wpd kündbar?

Schoppmann: Aus unserer Sicht haben die SPD und der Bürgermeister das sachlich richtig bewertet.

Es handelt sich um drei separate Verträge. Der Städtebauliche Vertrag kann gekündigt werden. Bei dem Nutzungsvertrag kann man frühestens im Herbst 2017 diskutieren, ob ein Kündigungsrecht vorliegt.

Wie wird sich die wpd verhalten, wenn die Stadt trotzdem versucht, die Verträge zu kündigen?

Schoppmann: Diese Frage möchte ich nicht kommentieren.

Was ist mit der Kritik am Windpark, der Standort Heuberg sei zu windarm?

Schoppmann: Das können wir entkräften. Wir beobachten den Wind dort sehr genau, seit November ergänzt ein Lidar-Messgerät die Daten der Wetterstation auf der nahen Mülldeponie. Demnach liegen wir im Schnitt bei 6,3 Metern pro Sekunde in 137 Metern Höhe. Das ist deutlich über der Mindestwindgeschwindigkeit für Windkraftanlagen-Standorte in Hessen. Die liegt bei 5,75 Metern pro Sekunde im Durchschnitt. Dass dort besondere Windverhältnisse herrschen, bestätigten auch die Segelflieger.

Man wirft Ihnen auch vor, aufgrund der schwachen Windverhältnisse mit Spezialwindrädern zu planen. Stimmt das?

Schoppmann: Das ist falsch. Wir planen mit modernen Serienwindkraftanlagen, konkret der Vestas V126. Diese Windenergieanlage hat 3.3 bis 3,45 Megawatt Leistung, einen Rotordurchmesser von 126 Meter, eine Nabenhöhe von 137 Meter und eine Gesamthöhe von 200 Meter. Es sind Anlagen, die besonders viel Wind abschöpfen können. Wir werden dadurch trotz einer Halbierung der Anlagenzahl von zwölf auf sechs noch ungefähr Dreiviertel des ursprünglich berechneten Stromertrags ernten. Das ist unter dem Strich ein besseres Ergebnis, wenn wir so alle Restriktionen berücksichtigen.

Wie viele Bäume werden wegen der Windräder gefällt?

Schoppmann: Wir werden für die sechs Windkraftanlagen rund acht Hektar fällen müssen. Das liegt noch deutlich unter dem, was die Stadt Hofgeismar jedes Jahr - nämlich 12 bis 15 Hektar - dem Nutzwald an Bäumen entnimmt. Und unsere Rodung wird in den Gesamteinschlag eingerechnet, das Holz geht an die Stadt. Außerdem müssen wir den Einschlag eins zu eins durch Erstaufforstungsmaßnahmen auf anderen Flächen kompensieren. Unter dem Strich nehmen wir nur 1,5 Prozent des insgesamt fast 600 Hektar großen Stadtwalds in Anspruch für den Windpark.

Gefordert wurden auch größere Abstände der Windräder zur Wohnbebauung. Ist das möglich?

Schoppmann: Das kann man nicht auf kommunaler Ebene festlegen. Es gibt Abstände, die die Regionalplanung festsetzt. Das sind 1000 Meter zu geschlossener Wohnbebauung und 600 Meter zu Einzelhäusern. Diese Abstände sind für ganz Nordhessen bindend. Wir halten unsererseits freiwillig einen größeren Abstand als 1000 Meter zur Wohnbebauung ein.

Wie teuer wird die Beteiligung für die Hofgeismarer Bürger?

Schoppmann: Wir haben sechs Anlagen: Vier würden der wpd gehören, für zwei Windräder gibt es die Option der Bürgerbeteiligung. Ein Windrad kostet rund sechs Millionen Euro. Rund 80 Prozent kann in der Regel fremdfinanziert werden durch Kapital von Banken, 20 Prozent müsste durch Eigenkapital, also durch Geld der Bürger aufgewendet werden. Das wären dann 1,2 Millionen Euro pro Windrad. Zudem: Es ist nur eine Option, muss also nicht realisiert werden.

Zur Firma wpd:

Diplom-Wirtschaftsingenieur Markus Schoppmann (30) ist Projektleiter bei wpd für den Windpark auf dem Hofgeismarer Heuberg. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Bremen, seit 1997 gibt es auch ein Büro mit heute elf Leuten in Kassel. wpd hat bereits mehrere Windparkprojekte in Nordhessen realisiert. Das Unternehmen arbeitet national und international an On- (Windräder an Land) und Offshore-Projekten (vor der Küste). wpd plant nicht nur Windparks, sondern tritt auch als Betreiber auf, begleitet solche Projekte „von der Idee bis zum Ende des Windparks“.

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