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Jeden Tag stehend und zusammengepfercht zur Schule: Wenn der Schulbus überfüllt ist

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Von: Tanja Temme

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Mutter Natascha Trucks-Treutler, Tochter Sophie und Ayler Fiege an der Bushaltestelle
Haben die Nase voll: Natascha Trucks-Treutler (links) möchte es nicht mehr hinnehmen, dass ihre Tochter Sophie an den Werktagen mit einem völlig überfüllten Bus von Sielen aus zur Schule fahren muss. Auch Tyler Fiege, der ebenfalls auf den Bus angewiesen ist, würde gerne mal wieder sitzend zur Schule fahren. © Temme, Tanja

Schulbus von Sielen nach Hofgeismar soll entweder überfüllt oder zu spät sein – eine Mutter aus Sielen wehrt sich und fordert einen Bus mit mehr Plätzen.

Sielen – Die 13-jährige Sophie Treutler hat das Schulbusfahren satt. Seit mehr als einem Jahr soll vor allem die morgendliche Fahrt von Sielen zur Gesamtschule Hofgeismar „einfach nur anstrengend“ sein, wie die Schülerin berichtet. Ihre Mutter Natascha Trucks-Treutler möchte das so nicht mehr hinnehmen, fordert von den Verantwortlichen, dass künftig ein Bus mit mehr Sitzplätzen zur Verfügung gestellt wird, damit ihre Tochter „sicher“ zur Schule käme.

„Es ist fast immer supervoll in dem Bus, sodass wir zusammengepfercht und stehend zur Schule gefahren werden“, erzählt die Jugendliche. Einen Sitzplatz zu bekommen sei schon Luxus, ergänzt sie. Doch das ist längst nicht alles, was sie mit der Linie 140 im vergangenen Jahr erlebte: „Zwei bis dreimal bin ich gar nicht erst mitgekommen, da war der Bus so voll, dass wir nicht einsteigen konnten.“

In so einem Fall hat Sophie zwei Möglichkeiten: „Wenn meine Mutter nicht an der Arbeit ist, fährt sie mich zur Schule oder ich muss den nächsten Bus nehmen.“ Dieser hält zwar nur einige Minuten später im Ort, hat aber laut Trucks-Treutler wie auch der andere meist Verspätung, sodass die Schülerin nicht in Hümme in die Regiotram umsteigen kann.

Überfüllter Schulbus mit stehenden Menschen
Zurzeit sei der Bus überfüllt, die Schüler müssten sich regelrecht hineinquetschen. © Tanja Temme

Der NVV sieht keinen Handlungsbedarf

„Der Folgebus, Linie 142 hält am Hümmer Bahnhof – dort könnten die Kinder in die Tram einsteigen, was aber nicht immer klappt“, sagt die Sielerin. Deshalb hat Sophie auch schon einige der ersten Schulstunden verpasst, was ihre Mutter ärgert. „Seit mehr als einem Jahr stehe ich mit dem NVV im Austausch, aber es passiert nichts“, wettert sie.

Früher soll laut Trucks-Treutler auf der besagten Linie 140 ein Gelenkbus eingesetzt worden sein, ein Bus mit wesentlich mehr Sitzplätzen. „Der NVV sagt, dass sie laut ihrer Zähleinrichtung keinen Handlungsbedarf hätten.“ Ob diese so genau ist, zweifelt die Sielerin an – sie vermutet, dass die Fahrgäste nur beim Einsteigen durch die vordere Tür registriert würden, aber nicht an der hinteren. „Viele Kinder steigen auch hinten ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dort auch ein Zählsystem gibt.“

Das sagt der NVV

Sabine Herms von der Pressestelle des NVV bestätigt, dass der Bus um die besagte Zeit stark ausgelastet sei. „Da aber an weiteren Haltestellen auf der Strecke noch Fahrgäste ein- und ausgestiegen sind, gehen wir davon aus, dass keine Fahrgäste stehengeblieben sind.“ Außerdem hätten sie feststellen können, dass die Auslastung nicht mehr geworden, sondern eher zurückgegangen sei. Sie vermutet, dass sich Schüler eventuell sogar umorientiert hätten und andere Fahrtmöglichkeiten nutzen. Ein größerer Bus steht laut Herms zu diesen morgigen Spitzenzeiten nicht zur Verfügung, da alle unterwegs seien. Die besagte Linie wolle man weiterhin im Auge behalten. zta

Täglicher Schulweg wird zum Stresstest

Da nicht nur die Fahrt zur Schule, sondern auch zurück für die Kinder aus Sielen oft eine Strapaze sein soll – sogar die Schultasche sei durch das Gequetsche im Bus kaputt gegangen – möchte die Mutter, dass sich etwas ändert. „Ich bin ja nicht die Einzige, die diese Situation kritisiert, auch weitere Eltern aus Sielen und Eberschütz haben den überfüllten Bus satt.“

Wie Trucks-Treutler schildert, starte dieser frühmorgens in Warburg und klappere von dort aus alle möglichen Orte ab, bis er in Sielen komplett voll sei. „Auch der Busfahrer scheint die Nase voll zu haben, denn wie meine Tochter erzählte, hat auch er neulich die Situation im Bus fotografiert.“ (Tanja Temme)

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