Nur jeder fünfte Haushalt hat noch eigenen Kompost

Wälzt den Kompost um: Kenan Yilmatz, Mitarbeiter der Abfallentsorgung Kreis Kassel, auf dem Umsetzer der Kirschenplantage Hofgeismar. Nur auf der Hofgeismarer Deponie wird der Bioabfall offen in der so genannten Mietenkompostierung verarbeitet. Durch das Umwälzen verrottet er schneller. Foto: Gehlen

Hofgeismar. Im ländlichen Raum gibt es viele Komposthaufen - dieses Vorurteil stimmt so nicht. Denn ausgerechnet auf dem Land ist die Biotonne zur Erfolgsgeschichte geworden

Der Landkreis Kassel steht bei der Menge des Bioabfalls hessenweit an der Spitze. Der Anteil der Eigenkompostierer betrage nur 20 Prozent, sagt Uwe Pietsch, Leiter der Abfallentsorgung: Und es würden immer weniger.

Das liegt laut Pietsch am komfortablen Rundumpaket der kommunalen Abfallentsorgung: Für 15,26 Euro monatlich gibt es eine 80 Liter Restabfalltonne, Bio- und Papiertonne sind ohne Zusatzgebühren im Preis enthalten. Wer selbst kompostiert, spart nur 10 Prozent. In Ordnung ist die Welt im Landkreis in Sachen Plastikmüll: Die Bewohner trennen vorbildlich, gerade einmal zwei Prozent Abfall im Biomüll gehören da nicht rein. Andere Entsorger in Deutschland kämpfen teilweise mit Werten von 15 Prozent. Dass die Bewohner des Landkreises ordentlicher trennen, liege an der Aufklärungsarbeit des Kreises, Trenn-Wettbewerben wie dem Kompostkönig und den Biomüllbeuteln. Denn Untersuchungen hätten ergeben, das mangelnde Mülltrennung oft ein Hygieneproblem sei: Der Essensrest wandere erst in den Plastikbeutel. Weil man ihn dort nicht mehr herausholen will, wird die Plastiktüte dann in den Biomüll geworfen. Mit den abbaubaren Biobeuteln des Kreises aus Mais- und Kartoffelstärke ist das Problem im Griff.

Die Bilanz: Über 50 000 Tonnen Bio- und Grünabfälle fallen im Jahr im Kreis an. Aus denen werden dann nach je 14 Wochen Kompostierung 13 200 Tonnen Kompost. Nur 5000 Tonnen Sortierreste bleiben übrig - und landen als Brennstoff in Biomassekraftwerken.

Der Kompost wird in verschiedenen Qualitätsklassen oder vermischt mit anderen Bestandteilen als Blumen- und Pflanzerde vergleichsweise günstig an Privatleute und Landwirte verkauft.

Auch die Geruchsprobleme durch den Kompost habe man in Hofgeismar im Griff: Hier verrottet der Biomüll zwar noch offen in der sogenannten Mietenkompostierung. Doch man habe die Menge soweit heruntergefahren, dass es seit zehn Jahren keine Geruchtsbelästigung in Hofgeismar mehr gebe.

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