Jennifer Kühne soll drei mal eine Anzeige à 1151 Euro zahlen

Frau aus Hofgeismar wehrt sich gegen Abzockversuche

Die Anzeige sah so aus wie sie sie kannte und so war die Unterschrift schnell gesetzt. Nun soll eine Frau aus Hofgeismar dreimal 1151 Euro zahlen. Sie will nun andere warnen.

„Wir haben uns nichts dabei gedacht. Die Anzeige sah so aus wie wir sie kannten und wir sollten nur noch mal unterschreiben, dass sie so erneut erscheinen kann", erinnert sich Jennifer Kühne.

In der Hand hält sie den gefaxten Anzeigenauftrag, der zur Folge hatte, dass sie dreimal 1151 Euro zahlen soll für eine vermutlich niemals erbrachte Gegenleistung.

Warnt vor der Falle: Jennifer Kühne

Die Firma BVI Media, die seit Jahren mit wechselnden Bezeichnungen Kunden fängt, arbeitet immer nach derselben Masche. Auch diesmal wurde eine in einem anderen Medium geschaltete Anzeige, hier die Anzeige der Firma Kühne in derBürgerinfo der Stadt, kopiert. Dann rief eine Frau bei Kühnes an und beschrieb in akzentfreiem Deutsch die Anzeige und das Heft und fragte, ob sie denn so erneut erscheinen sollte. „Die war sehr freundlich und bemüht und es bestand kein Grund zum Zweifel“, erinnert sich Jennifer Kühne. Dann traf ein Korrekturabzug per Fax ein, um zu unterschreiben, dass die bekannte Werbeanzeige so korrekt sei und in dem ihnen bekannten Werbeobjekt Bürger-Info auch tatsächlich erscheinen sollte.

Das war die Falle: Denn im Kleingedruckten steckten die Details: „Der Auftragnehmer ist berechtigt, bestehende Verträge/Forderungen jederzeit ganz oder teilweise an Dritte abzutreten. Der Anzeigenvertrag läuft über ein Jahr und beinhaltet 3 kostenpflichtige Auflagen im Werbeobjekt. Der Anzeigenpreis ist pro Auflage fällig“. Druckobjekt ist allerdings nicht eine vielseitige Broschüre, sondern ein per Postwurf zu verteilender „4-seitiger A 4 Folder“, in dem zwei Anzeigenfelder á 389 Euro plus 149 Euro Satz- und 198 Euro Farbpauschale plus 26 Euro Versandkosten zu zahlen sind. Diese völlig überhöhte und längst nicht mehr übliche Berechnung führte zur ersten Rechnung von 1151 Euro, die Kühnes aber erst erhielten, als die 14-tägige Rücktrittsfrist ab Auftragserteilung abgelaufen war.

Bis dahin hatten sie wegen des seriösen Auftretens (sie wussten nicht, dass ein Call-Center in der Türkei dahinter steckt) noch keine Zweifel. Die gab es erst, als eine zweite Rechnung („Das war sicher ein Versehen“) und dann eine Mahnung kamen. Da studierten Jennifer und ihr Vater Herwig Kühne nochmals das Kleingedruckte. Dort stand, dass sie drei Aufträge statt nur einem erteilt und zu zahlen hatten. Damit gingen sie zur Polizei.

Die mit der Abwicklung beauftragte NOVAG Medienagentur (vorher u.a. Astoria Finance Ltd) hat ihren Sitz in London, ist aber nur eine Briefkastenfirma, und die Korrespondenzanschrift in Berlin-Tegel entpuppt sich als rein virtuelles Büro ohne Menschen. Die Spuren im Hintergrund führen nach Recherchen ähnlich Betroffener zu einer Aktivainkasso GbR in Bad Kreuznach, die der Rechtsassessorin Eliane Becker-Lerner gehört.

Kühnes hoffen, ohne großen Schaden aus dieser Geschichte herauszukommen: „Hauptsache, wir können andere warnen und weitere Opfer verhindern“. Juristen konnten das Treiben der Firma bisher nicht stoppen.

Rubriklistenbild: © dpa

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