Kreisteil Hofgeismar sucht neue Schöffen 

Jugendschöffe am Amtsgericht: „Diskutiert wird immer“

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Fällt mit Richtern über Straftaten von Jugendlichen ein Urteil: Friedrich Busse (69) aus Hümme ist Jugendschöffe am Amtsgericht Kassel. In seiner Amtszeit ließ er nur zwei Sitzungen ausfallen. 

Hümme. Ein Urteil zu fällen, ist schwer. Besonders schwer ist es aber, wenn es um die Zukunft eines jungen Menschen geht. Das weiß Friedrich Busse aus Hümme mittlerweile nur zu gut. 

Er war 15 Jahre lang Jugendschöffe am Amtsgericht Kassel und entscheidet zwölf Mal jährlich über die Zukunft eines jungen Menschen.

„Man will den Menschen ja nicht die Zukunft verbauen“, sagt Friedrich Busse. Manchmal sei ein hartes Urteil aber doch die bessere Lösung. Wenn der Staatsanwalt beginnt das Vorstrafenregister vorzulesen, könne Busse oft kaum glauben, was er da hört. „Ich kann mir manchmal einfach nicht vorstellen, dass dieser Knirps, der da vor mir sitzt, das alles gemacht haben soll“, sagt Busse. Da bleibe nur zu hoffen, dass der Angeklagte durch das Urteil zur „Besinnung“ komme, sagt er.

Trotzdem gilt für alle Prozesse bei denen Busse als Schöffe anwesend war: „Diskutiert wird im Hinterzimmer des Gerichtssaals immer“, erzählt der Rentner. Denn das Urteil eines Schöffen wiegt am Ende des Prozesses genauso schwer wie das des Richters. „Manche Richter sind halt schon festgebissen in ihrer Art, zu urteilen – genau deshalb ist es gut, dass es Schöffen gibt“, sagt Busse.

Während der vergangenen 15 Jahre am Amtsgericht, sammelte Busse reichlich Erfahrung. Von der anfänglichen Nervosität, die ihn auf dem Weg zum Gerichtssaal begleitete, sei heute keine Spur mehr zu sehen. „Damals hatte ich ja keinen blassen Schimmer von Jura.“

 Heute wisse er, dass es eine enorme Bandbreite gibt, ein geeignetes Strafmaß zu finden. Für ihn sei immer wichtig gewesen, dass der Angeklagte in angepasster Form eine Chance bekommt, erklärt Busse. Denn: „Das ist ein großer Unterschied, ob man über einen 21-Jährigen oder Mitte 40-Jährigen urteilt – junge Menschen sollen ja nicht die Hoffnung verlieren.“

Schwierig sei es immer, wenn man als Schöffe den Eindruck habe, dass der Angeklagte in eine Situation gerutscht ist, aus der er aus eigener Kraft nur wieder schwer heraus kommt, erzählt der Rentner. Doch Mitleid mit dem Angeklagten habe Busse nicht.

 Die Angehörigen, hat Busse festgestellt, seien diejenigen, die mehr leiden würden. Aber auch dann gelte es, neutral und ohne Vorbehalte den Prozess zu verfolgen und anschließend gerecht zu entscheiden.

Mit seinen 69 Jahren darf Friedrich Busse kein viertes Mal zum Schöffen vorgeschlagen werden und das möchte er auch nicht mehr: „Da sind meine Enkel, die Pferde, die Bienen und ich bin im Kirchenvorstand – das reicht in meinem Alter auch vollkommen aus“, sagt Busse.

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