Von der Schule ins Parlament

Junge Abgeordnete im Kreisteil Hofgeismar: Was sie erreichen wollen

Neu in den Parlamenten des Kreisteils Hofgeismar: (von links) Fee Marie Römer, Luca Wilberg, Hanna Becker, Clara Dilcher und Nils Görner (Fotomontage).
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Neu in den Parlamenten des Kreisteils Hofgeismar: (von links) Fee Marie Römer, Luca Wilberg, Hanna Becker, Clara Dilcher und Nils Görner (Fotomontage).

Unter den Abgeordneten, die im Kreisteil Hofgeismar bei der Kommunalwahl erfolgreich waren, sind auch einige junge Gesichter, die ihre ersten Schritte in der Politik wagen. Wir stellen fünf von ihnen vor.

Kreisteil Hofgeismar – Die Kommunalwahl hat frischen Schwung in die Parlamente des Kreisteils gebracht. Die fünf von uns befragten jungen Abgeordneten – alle höchstens 22 Jahre alt – haben eine genaue Vorstellung davon, was für Leute in ihrem Alter getan werden sollte. Ob Jugendforum oder neue Treffpunkte nur für Jugendliche – die neuen Abgeordneten machen Hoffnung, dass sich für Kinder und Jugendliche im Kreisteil einiges zum Besseren wandelt.

Fee Marie Römer (22), FWG Bad Karlshafen

Fee Marie Römer (22) von der FWG aus Bad Karlshafen ist Klinikangestellte.

„Bislang haben zu oft die Älteren für die junge Generation gesprochen“, kritisiert Fee Marie Römer. Obwohl ihre Altersgenossen oft nichts mit Politik am Hut haben, sagt sie, dass „Wandel entsteht, wenn man sich einsetzt“.

Engagement war Römer auch vor ihrem Einstieg in die Politik nicht fremd. So betätigt sie sich in der Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde. „Die Jugendlichen möchten in der Mehrheit woanders hin“, weiß sie. Um dies zu ändern, brauche es mehr Kulturförderung. Hoffnung setzt sie in die Zehntscheune in Helmarshausen, wo eine Kletterwand installiert werden soll.

Als operationstechnische Assistentin in der Kreisklinik in Wolfhagen ist ihr auch die medizinische Versorgung auf dem Land wichtig. „Wenn aber junge Leute in der Stadt ihre Ausbildung machen, dann bleiben sie oft dort.“

Luca Wilberg (21), parteilos (CDU-Fraktion) Hofgeismar

Luca Wilberg (21) von der CDU-Fraktion in Hofgeismar studiert Mathematik.

„Viele meckern, aber machen selbst nichts“, sagt Luca Wilberg. Auch er selbst habe sich bis zu einer Podiumsdiskussion im Jugendzentrum, wo er seit fünf Jahren arbeitet, nicht eingebracht.

Eine Partei spreche ihn bis heute nicht an. Die CDU-Fraktion habe ihm jedoch angeboten, sich als Parteiloser in der Fraktion zu engagieren. Mit ihr versteht er sich gut. Das liege daran, dass Grundsatzfragen aus der Landes- und Bundespolitik nicht zur Debatte stehen. „Hier gibt es schon Konfliktpotenzial“, so Wilberg. Er halte etwa gar nichts davon, die NSU-Akten unter Verschluss zu halten.

Der erste Antrag, an dem er mitwirkte, wurde bereits beschlossen. Alle drei Monate soll ein Jugendforum stattfinden, wo Jugendliche Ideen mit Stadtverordneten besprechen können. „Ein Jugendparlament hätte für viele eine Hemmschwelle bedeutet.“

Hanna Becker (18), UWG Reinhardshagen

Hanna Becker (18) von der UWG in Reinhardshagen geht noch zur Schule.

Auf die Politik ist Hanna Becker in der Familie gekommen. Ihr Vater ist ebenfalls UWG-Mitglied. „Er hat mir immer von den Sitzungen berichtet und mir vieles erklärt“, erzählt sie.

Becker möchte sich für die junge Generation einsetzen. Auch diejenigen, die noch nicht ihre Stimme abgeben durften, sollen sich repräsentiert fühlen.

Dazu hat sie bereits Verbesserungsvorschläge. So fehle Reinhardshagen ein Ort, an dem sich Jugendliche aufhalten können, ohne in Konflikt mit älteren Leuten zu geraten. Einen solchen Vorschlag hat sie bereits eingebracht.

Ihr junges Alter führe innerhalb der eigenen Fraktion zu keinen Problemen, sagt sie. Ohnehin liege ihr am Herzen, Reinhardshagen für alle Generationen als lebenswerten Ort zu erhalten. Denn Becker möchte ihrer Heimat treu bleiben.

Clara Dilcher (19), SPD Hofgeismar

Clara Dilcher (19) von der SPD in Hofgeismar ist ebenfalls Schülerin.

Ursprünglich wollte sie nur ihre Mutter unterstützen, die Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher. „Dabei habe ich die Jusos kennengelernt und Spaß am Engagement bekommen“, sagt Clara Dilcher.

Die 19-Jährige setzt ihren Schwerpunkt auf Jugendpolitik. „Ich will mehr Schwung in Hofgeismar hereinbringen“, sagt sie. Schon seit einiger Zeit sei nicht mehr viel los in der Stadt. Ein Problem seien Leerstand und fehlende Einkaufsmöglichkeiten für Jugendliche. Für sie würden insgesamt Angebote fehlen. „Viele wollen nur noch raus aus der Stadt oder hängen zu Hause herum“, sagt Dilcher.

Dennoch brauche es Zeit, bis etwas ins Rollen kommt. „Die Jusos arbeiten schon länger an Veränderungen.“ Vier von ihnen sitzen nun in der Stavo. Auch die älteren Genossen seien offen für Neues. „Die Jugend muss nachrücken“, würden sie sagen.

Nils Görner (21), parteilos (SPD-Fraktion) Calden

Nils Görner (21) aus der SPD-Fraktion in Calden ist dualer Student beim LWV.

„Mein Ziel ist es, Calden für junge Leute attraktiv zu machen“, sagt Nils Görner. Calden habe Potenzial, aber auch Nachholbedarf. So sei es wichtig, dass sich mehr junge Familien in Calden ansiedelten, um das Vereinsleben aufrecht erhalten zu können.

2020 habe es in Calden zwei Ideenwerkstätten gegeben, an denen er teilnahm, berichtet er. Die SPD sei dort auf ihn aufmerksam geworden und habe ihn als Parteilosen für ihre Liste zur Kommunalwahl vorgeschlagen.

Auch wenn keiner der jungen Kandidaten einen der vorderen Listenplätze belegte, zogen gleich vier von ihnen direkt in die Gemeindevertretung ein.

Er könne sich auch vorstellen, der SPD und den Jusos beizutreten, sagt Görner. Wegen Corona habe sich nur keine Gelegenheit geboten, alle kennenzulernen. Das ändert sich im Sommer, hofft er.

(Paul Bröker)

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