Glück im Unglück 

Rettung von Reh Rudi: Junger Bock in Hofgeismarer Garten verirrt

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Betäubt : Nachdem Tierarzt Christian Schultenkämper den Narkosepfeil gesetzt hatte, gab der Rehbock noch mal richtig Gas und wurde dann bald schwächer.

Am Donnerstag gab es eine Rettungsaktion für einen Rehbock, der sich im Stadtgebiet Hofgeismar verirrt hat.

Echtes Glück im Unglück hatte Rehbock Rudi am Donnerstagmorgen: In einen Garten an der Bahnhofstraße in Hofgeismar hatte sich das Böckchen verirrt – ein Ort mitten im Stadtgebiet, wo es nicht bleiben konnte. 

Städtische Mitarbeiter hatten Rudi dort entdeckt. Mithilfe von Tierarzt Christian Schultenkämper wurde das junge Waldtier gerettet.

Die Polizei passte zwei Stunden auf, bis der Tierarzt eintraf

„Hätten wir keinen Tierarzt erreicht, dann wäre uns nichts anderes übriggeblieben als ihn zu erschießen, hieß es von Seiten der Polizei, die sichtbar erleichtert war, dass ihnen dieser Schritt erspart blieb. 

Fast zwei Stunden hatten die Polizisten an der Wiese ausgeharrt, Rudi sozusagen bewacht, denn dieser sollte auf keinen Fall auf die stark befahrene Durchgangsstraße ausbüchsen. 

Als Schultenkämper schließlich eintraf, war nochmals Geduld gefragt, konnte sich der Tierarzt doch nur langsam und mit ruhigen Bewegungen dem scheuen Wild nähern.

„Als er sich dann abgeregt hatte und ich drei Meter von ihm entfernt stand, konnte ich ihn betäuben“, berichtet der Tiermediziner, der als einziger im Kreis Distanz-Injektionen mit einem Narkosegewehr vornehmen darf. 

Doch nach dem Schuss war der Rehbock längst nicht sofort schachmatt gesetzt, eine weitere viertel Stunde irrte er umher, versuchte entlang der Zäune zu entkommen und gab schließlich auf, als die Betäubung ihre volle Wirkung hatte. 

Nun musste es schnell gehen: Gekonnte legte Schultenkämper einen Sack über den Kopf des Tieres, damit dieses nichts mitbekam, und hob ihn dann aus dem Gras empor, was Rudi mit einem lauten Schrei quittierte: „Das nennt man bellen“, erklärte der Fachmann.

Schießverbot für Rehbock Rudi

Flott ging es von da zu seinem Kleinbus, wo seine Assistentin Anna Klinger ihn mit festem Griff auf ihrem Schoß verwahrte: „Wir bringen ihn zur Lichten Heide nach Carlsdorf – dort wird er sich wohlfühlen.“

Dort angekommen entdeckte Schultenkämper, dass sich der junge Streuner am Hinterbein verletzt hatte. Also wurde noch schnell die Stelle versorgt und Antibiotika gegeben, bevor die Aufwachspritze an der Reihe war. 

Junges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald

zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Heranschleichen: Mit einem entsprechenden Gewehr setzte Tierarzt Christian Schultenkämper die Betäubung. Das Böckchen liegt hier vor ihm im hohen Gras, ist somit nicht zu sehen. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Getroffen: Nachdem Tierarzt Christian Schultenkämper den Narkosepfeil gesetzt hatte, gab der Rehbock nochmal richtig Gas, wurde aber mit fortschreitender Zeit immer schwächer und langsamer. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Der mit dem blauen Horn: Rudis Gehörn und Stirnpartie wurde mit blauer Farbe markiert, damit ihn die Jäger sofort erkennen können, denn Rudi soll vor keiner Büchse landen. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019In letzten Zügen: Eine Viertelstunde dauerte es, bis Rudi sich geschlagen gab, hier versucht er noch vergebens am Zaun zu entkommen. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Zurück nach Hause: Anna Klinger hatte die Aufgabe Rudi zu verwahren. Ab und zu fiepte er leise, mehr war von ihm auf der Fahrt nicht zu vernehmen. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Der mit dem blauen Horn: Rudis Gehörn und Stirnpartie wurde mit blauer Farbe markiert, damit ihn die Jäger sofort erkennen können, denn Rudi soll vor keiner Büchse landen. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Muntermacher spritzen: Christian Schultenkämper gibt dem Rehbock das Gegenmittel, damit dieser wieder aufwacht. Assistentin Anna Klinger hält ihn währenddessen fest. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Schnell zurück in den Wald: Nachdem Rudi betäubt war, band Christian Schultenkämper ein Strick um seinen Hals und schützte seine Sicht vor Einrücken mit einem Sack, den seine Assistentin Anna Klinger hielt. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Bye, Bye Rudi: Mit flottem Schritt suchte Rehbock Rudi das Weite, nachdem Tierarzt Christian Schultenkämper ihn im Waldgebiet Vor der Lichten Heide in Carlsdorf freiließ. Foto: Temme
 © Tanja Temme
zta123 Schießverbot für Rehbock RudiJunges Böckchen hatte sich in Hofgeismarer Garten verirrt – nach Rettung zurück im Wald Hofgeismar Tanja Temme 16.05.2019Muntermacher spritzen: Christian Schultenkämper gibt dem Rehbock das Gegenmittel, damit dieser wieder aufwacht. Assistentin Anna Klinger hält ihn währenddessen fest. Foto: Temme
 © Tanja Temme

Zufällig traf da der zuständige Jagdpächter ein, der den Veterinär dazu ermutigte, das Tier ruhig zu kennzeichnen. 

„Denn er wird bei uns auf keinen Fall vor einer Büchse landen“, sagte Alfred Ackerbauer, das ginge nach so einer Episode ja nun nicht mehr.

Blaue Farbe am Gehörn und Stirnbereich zieren das Böckchen nun, das Ackerbauer sogleich auf Rudi taufte. 

Eigentlich hatte er gleich dreimal Glück - wurde er doch nicht nur aus Hofgeismars Innenstadt gerettet, sondern zudem seine Wunde versorgt und auch sein künftiges Dasein unter Schutz gestellt.

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