Männerballett des Hofgeismarer Karnevalvereins Goldene Elf

Karneval: Mit Gummi-Busen und viel Tüll im Rampenlicht 

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Nach Trockenübungen im T-Shirt wird es ernst: Co-Trainerin Liane Feist assistiert den Männern beim Einkleiden mit Dirndln, Büstenhaltern und künstlichen Brüsten (von links): Marcel Knierim, Robert Wittmis und Michael Schapiro. 

Hofgeismar. Die perfekte Show abzuliefern ist gar nicht so leicht. Warum sich die Narren der Goldenen Elf Hofgeismar in Kleider zwängen und auf der Bühne tanzen.

„Männer! Ihr habt nur zwei Takte Zeit. Wenn ich bis acht gezählt habe, muss die Drehung fertig sein. Und ihr müsst ja noch den Rock hochheben“, ruft Dagmar Asshauer halb lachend, halb schimpfend den elf Männern auf der Stadthallenbühne zu. Sie ist gemeinsam mit Liane Feist Trainerin des Männerballetts beim Hofgeismarer Karnevalsverein Goldene Elf und übt schon seit September mit der Truppe für ihren großen Auftritt.

Eben noch im Sparten-T-Shirt mit aufgedrucktem Vornamen zwängen sich die Männer jetzt in ihre neugekauften Dirndl-Trachtenkleider und setzen sich mehr oder weniger passende Perücken auf.

„Das sieht zwar bescheuert aus, aber es macht viel Spaß, wenn man erstmal die Hemmungen überwunden hat“, meint Sascha Sellemann (28) und zupft sein Röckchen zurecht. Den enormen Aufwand beim Ankleiden und Schminken nehmen sie in Kauf, denn zwischendurch gibt es immer viel Gejohle und Witze und die Männer strahlen trotz der Schweißperlen. Er selbst kam dazu, weil ein Freund ihn zur Sitzung mitnahm, er verkleidete sich als Obelix, feierte und „blieb hängen“.

Schritt für Schritt hat die Gruppe den neuen Tanz einstudiert, sogar ein Wochenendworkshop war dabei, um die komplizierte eigene Choreografie in den Griff zu bekommen. Nun wird das Ganze mit Musik durchgezogen, um notfalls eine Drehung wegzulassen oder ein Augenzwinkern hinzuzunehmen, damit alles im Takt bleibt.

Falsche Brüste

Passend zu den Gummi-Busen der Herren plärrt „Ding-Dong, klingeling, die Glöcknerin von Dingolfing“ aus dem CD-Player und die Tänzer schütteln auf der Bühne ihre luftigen Oberweiten und stemmen Biergläser, ein ganz Sportlicher schlägt dazu ein Rad, bevor sich alle am Ende zu einer kleinen Pyramide auftürmen. Jetzt käme der Applaus, wenn es schon die Prunksitzung wäre. Doch bis dahin muss noch weiter geübt werden.

Große Spannung: Nach wochenlangem Training tanzen die Männer der Goldenen Elf (von rechts Marcel Knierim, Thomas Schapiro und Karl-Heinz Hanf) schließlich vor Publikum (wie hier bei der Sessionseröffnung im November mit einem Beitrag vom vorangegangenen Karneval).

Die Männer sind aus sehr unterschiedlichen Gründen im Männerballett dabei, mehrere waren schon Karnevalsprinz und wurden automatisch übernommen. Das Bild von Männern in Tüllkleidchen oder Dirndln ist aber nicht symptomatisch, auch wenn sie damit beim Seniorenkarneval am besten ankommen. Das Männerballett inszenierte auch schon Westernszenen, Musicals, Asterix und Obelix, Fußballer, Polizisten und Playboy-Häschen.

Da kann man mal so richtig aus sich rausgehen, meinen gleich mehrere der Karnevalisten und schwelgen in Erinnerungen an ganz besonders gelungene Auftritte und kommen immer wieder darauf zurück, welch tolle Gemeinschaft entstanden ist, dass man sich auch privat trifft, gemeinsam wandert, Brauereien besichtigt, Fahrten unternimmt: „Und wenn es am Ende Applaus gibt, dann hat sich die ganze Mühe gelohnt.“ 

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