Discounter haben eine neue Preisrunde nach unten eingeleitet

Keine Milchquote mehr, Preise sind im Keller

Milchkühe werden am 01.04.2015 auf dem Dottenfelder Hof bei Bad Vilbel (Hessen) mit Heu gefüttert. Der biologisch konzipierte Betrieb verzichtet dabei nach eigenen Angaben komplett auf den Einsatz nicht-natürlichen Futters. Nach 31 Jahren fällt am 01.04. die Milchqote der EU. Foto: Boris Roessler/dpa

Hofgeismar. Die von den Milchbauern erhoffte Erholung des Milchpreises bleibt aus. Im Gegenteil, es droht ein weiterer Rückgang des Preises.

Denn die Discounter haben eine neue Preisrunde nach unten eingeleitet. Derzeit bekommen die Landwirte 29 Cent.

Die Milch ist da, der Absatzmarkt Russland weggebrochen und „der Handel nutzt das knallhart aus“, sagt Fred Becker (Reinhardshagen) vom Kreisbauernverband. Die Befürchtungen vieler Betriebe, dass mit dem Wegfall der Milchquote zum 1. April mittelfristig ein Preisverfall einhergehe, erhält damit neu Nahrung. Die Experten sind sich bei der Einschätzung, was die weitere Entwicklung anbelangt, nicht einig. Während niederländische Wissenschaftler in einer Studie davon sprechen, dass selbst ein Literpreis von 26 oder 27 Cent denkbar sei, spricht die Milchindustrie von 30 bis 32 Cent.

Zum Vergleich: Vor einem Jahr kratzte der Preis an der 40-Cent-Linie oder überschritt sie sogar kurzfristig. Die Produktionskosten beziffern Milchbauern auf 35 Cent je Liter. Seit gut einem halben Jahr werden diese Kosten durch den Verkauf nicht mehr gedeckt. Der bange Blick vieler Erzeuger richtete sich deshalb auf den 1. April. Bis dahin war geregelt, wie viel Milch in einem Land produziert werden darf. Wollte ein Landwirt seinen Kuhbestand aufstocken, musste er einem anderen Erzeuger die fällige Quote abkaufen. Dieses Reglement wurde ersatzlos gestrichen.

Mehr Milch produziert wird deshalb derzeit aber nicht, so die Beobachtung von Becker. „Hier in der Region wüsste ich nicht, dass ein Landwirt aufgestockt hat.“ Angesichts der 29 Cent je Liter ist das nicht verwunderlich. Sollte der Preis allerdings wieder steigen, sieht es anders aus. Und wenn er weiter fällt, so wie 2009, als er unter 24 Cent lag, dann würden wohl einige der hiesigen Familienbetriebe den Preiskampf nicht überleben.

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