Pilotprojekt: Schüler erlernen Lightpainting-Fotografie

Lichtmalerei jetzt auch in Hofgeismarer Schule

Ein Junge steht in einem abgedunkelten Raum und hinter ihm sind vielfache Spuren eines blinkenden Lichts in den Raum gezeichnet.
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Malen mit Licht: Durch eine besondere Aufnahmetechnik werden die Bewegungen dieses Kindes festgehalten, sodass am Ende eine eindrucksvolle Fotografie entsteht.

Die Zeit festhalten und im Foto einfrieren können Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule in Hofgeismar bei einem bislang einmaligen Projekt.

Hofgeismar - Unter fachkundiger Anleitung fotografieren die Schüler sekunden- bis minutenlange Bewegungen von Lichtern und halten damit Eindrücke fest, die der Mensch selbst in Natura nicht sehen kann. Solche Zeitaufnahmen erfordern keinen großen Aufwand. genügt eine Landschaft oder ein Gebäude in dunkler Nacht oder ein abgedunkeltes Zimmer, wie der Snoezelraum der Käthe-Kollwitz-Schule.

Planung und Timing sind wichtig

Dort hat sich eine kleine Gruppe von Schülern versammelt, die schon Bescheid wissen, dass es jetzt auf sie ankommt. Fotograf Christian Thiel (Habichtswald) zeigt ihnen, wo sie sich hinstellen und wie weit ihre Bewegungen reichen sollen, wenn er die Kamera startet. Denn genaue Planung und Absprachen, exaktes Timing und genaue Bewegungen sind Voraussetzung für einrucksvolle Ergebnisse, und fünf bis sechs Fotos pro Stunde sind schon ein gutes Ergebnis.

Konzentration und Teamwork sind beim Lichtmalen gefragt. Nach der Probe, die

Es gilt, mit Taschenlampen kleine und große Kreise zu zeichnen, mit verschiedenfarbigen Leuchtstäben Spuren wie die Schnitzel einer Orange zu malen oder die Konturen einer Person in der Dunkelheit nachzuzeichnen. Was der Mensch nur als einzelnen Leuchtpunkt im Dunkel wahrnimmt, das versammelt sich im Foto zu einer durchgehenden Leuchtspur, die alle Bewegungen in einem Bild versammelt.

So kann es aussehen: Lichtspuren nach 20 Sekunden Aufnahmezeit

„Man sieht es nicht, man muss es sich vorstellen“, schildert die Erzieherin Petra Birnkraut den Weg zum Ziel: „Dabei gibt es kein richtig oder falsch, es sieht einfach toll aus. Jeder macht es anders, es soll ein schönes Bild werden.“

Durch die Langzeitbelichtung verschwinden Personen, die sich bewegen, komplett oder werden zu Geisterbildern, beschreibt Fotograf Christian Thiel den Effekt der Fotos. Die Kinder erkennen sich trotzdem wieder und sind ganz stolz darauf. Ihn selbst hat es auch bewegt, wie die Augen der Schüler strahlten, als sie dank der Digitaltechnik sofort die Ergebnisse sahen und was sie geschafft hatten.

Christian Thiel

Am Ende werden von den schönsten Motiven 60 mal 40 Zentimeter große Fotos auf Leinwand erstellt. Es ist auch eventuell an eine Ausstellung gedacht, bei der auch Making-of-Fotos von der Entstehung zu sehen sein können. Die Schüler erhalten Fotoabzüge, um die Erinnerung an das Erlebnis mit nach Hause nehmen zu können. Eine Schülerin bedankte sich mit einem Weihnachtskalender und dem „Dank für lichtvolle Momente“.

Petra Birnkraut

Petra Birnkraut, die als Motopädin Wahrnehmungs- oder Bewegungsangebote unter anderem zur Verbesserung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten anbietet, betont, dass das Malen mit Licht Konzentration und Koordination fördert. Weil das Pilotprojekt so gut ankommt, werde überlegt, es eventuell mit anderen Schülern zu wiederholen, wenn der Etat es hergebe. (Thomas Thiele)

So gehts: Lightpainting leicht gemacht

Das Malen von Lichtspuren ist eine schon sehr alte Fototechnik, bei der bewegte Lichter durch Langzeitbelichtungen auf einem Bild versammelt werden. Bekannte Beispiele sind Fotos von Gewitterblitzen oder Feuerwerken. Selbstgemachte Lichtspuren lassen sich einfach festhalten. Das geht so:

- Die Kamera (oder das Smartphone mit entsprechenden Einstellmöglichkeiten) wird auf ein Stativ montiert oder wackelfrei auf eine feste Unterlage gestellt. Wichtig ist Dunkelheit im Raum oder nachts draußen.
- Bei einer Empfindlichkeit von ISO 100 (konventioneller Film oder digitale Aufnahme) kann eine Blende von 8 bis 11 als Ausgangspunkt eingestellt werden (dieser Wert variiert je nach Helligkeit von Umgebung und Lichtern).
- Der Verschluss wird auf Langzeitbelichtung („beliebig“ beziehungsweise „bulb“) eingestellt und ausgelöst, sobald die Bewegung des Lichts (Taschenlampe, Wunderkerze, glühende Stahlwolle, Leuchtstab) beginnt und erst am Ende der Bewegung wieder geschlossen. Gut sind Timer, Funk-oder feststellbare Auslöser.
- Durch Mehrfachbelichtungen (sofern die technische Ausstattung der Kamera das zulässt) oder gegebenenfalls auch zwischenzeitliches Abdecken des Objektivs lassen sich auch mehrere Lichtspuren gemeinsam in einer Aufnahme vereinen. (Thomas Thiele)

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