Kinder bohrten Löcher beim Handwerkertag

Fleißige Handwerker: Unter Anleitung lernten bei der Bauhütte vor der Klosterkirche Lippoldsberg 30 Kinder mit Feuereifer verschiedene Handwerksberufe kennen. Dazu gehörte auch der Gewölbebau mit Maurermeister Martin Hensel. Foto: Uphoff-Watschong

Lippoldsberg. Vor Eifer rote Backen, wacher Blick und aufmerksames Zuhören - so wünschen sich Lehrer ihre Schüler. Klappt manchmal, aber nicht immer, wenn der Lernstoff zu trocken oder der Tag zu lang ist.

Beim Handwerkertag für Kinder vor dem Westwerk der Klosterkirche Lippoldsberg konnte man beobachten, wie das praktische Tun die Kinder ohne Probleme volle sechs Stunden bei der Stange hielt.

Das Handwerkerteam um Ulrike Trappe hatte sich vorgenommen, 30 Kindern an fünf Stationen verschiedene Handwerksberufe nahe zu bringen. Dabei stand das eigene kreative Schaffen im Vordergrund, nicht nur zugucken, sondern unter Anleitung selber machen, war die Devise.

„Wie haben die das bloß früher mit dem Gewölbe geschafft?“ wurden die Kinder bei der Einführung durch Pfarrer Christian Trappe gefragt. Die Antwort fanden sie bei Maurermeister Martin Hensel (Adelebsen), der schon am Vortag die Grundmauern für drei Gewölbebögen gelegt hatte. Nach dem Anrühren des Mörtels wurden die kleinen Lehrlinge mit Maurerkellen ausgerüstet und lernten, im Team die Steine auf ein Holzskelett zu setzen, so dass drei vollendete Gewölbe entstanden.

Hungrige Handwerker: „Solang der Bauch in die Weste passt, wird keine Arbeit angefasst“ lernten die Kinder bei der Bauhütte in Lippoldsberg, bevor sie sich nach der ersten Lern- und Arbeitsphase auf die Brotzeit stürzten. Foto: Uphoff-Watschong

In der Zimmerei konnten die Kinder Fachwerk verbinden, Löcher bohren, selber sägen und Zapfen herstellen, die sie dann mit einem großen Holzhammer in die Balken einschlugen. Dabei lernten sie, die Gefahren des scharfen Werkzeugs einzuschätzen und sich umsichtig zu bewegen. Dafür sorgten Zimmermann Wolfgang Lonzek mit seiner Frau Ulla (Bad Karlshafen) und Ulrike Trappe (Bootsbauerin und Architektin, Lippoldsberg).

In der Schmiede schürten die Kinder mit Hilfe des Metallbauers Matz Schulten (Gottsbüren) das Feuer in einer fußbetriebenen Esse und erhitzten darin Eisenstäbe, die zu Nägeln verarbeitet wurden. Jedes Kind durfte den Hammer schwingen und das Feuer in Gang halten. Auch die Metallfeile kam zum Einsatz und viele Kinder ließen sich ihren Namen in die selbstgemachten Nägel gravieren.

Und wie kriegt man Farbe auf die Steine, so wie an den Säulen der Klosterkirche? Elke Schulten (Künstlerin und Kunstpädagogin, Gottsbüren) verriet das Geheimnis der Grundierung aus Sand, Kalk und Quark, die unter fröhlichem Gepansche angerührt wurde. Mit Naturpigmenten waren dann der Phantasie keine Grenzen gesetzt und jedes Kind zeigte seine künstlerischen Fähigkeiten.

Einen Höhepunkt bot Lehmbauer Swen Heuer-Müller den Kindern. Mit nackten Füßen in Lehmpampe herumstampfen, war bei der Hitze des Nachmittags eine willkommene Abkühlung. (znu)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.