Nur mit Infektionshemd bekleidet

Angehörige fassungslos: Mann fast nackt aus Klinik entlassen

Das Klinikum Kassel
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Klinikum Kassel: Hier wurde der 87-Jährige aus Hofgeismar behandelt. Bezüglich der Qualität der ärztlichen Versorgung hat seine Tochter keinerlei Anlass zur Beanstandung, doch die Umstände des Rücktransports kritisiert sie.

Ohne persönliche Sachen und nur mit einem Infektionshemd bekleidet wird ein 87-Jähriger aus dem Klinikum Kassel entlassen. Die Tochter will das nicht hinnehmen.

Hofgeismar/Kassel – Nur mit einem Infektionshemd bekleidet wurde ein 87-Jähriger aus dem Klinikum Kassel entlassen. Ohne persönliche Sachen oder eigene Klamotten. Die Tochter will das nicht hinnehmen.

Anna W. (der Name ist der Redaktion bekannt) ist nach wie vor fassungslos, wenn sie schildert, wie mit ihrem dementen Vater nach einem stationären Aufenthalt umgegangen wurde. Der 87-Jährige lebt mittlerweile in einem Altenwohnheim im Kreisteil Hofgeismar. Nach einer Gehirnoperation traten Nachblutungen auf, die die Tochter veranlassten, ihren Vater auf Anraten des Wohnheimes erneut ins Klinikum Kassel der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) zu bringen. Dort kam er zunächst in die Zentrale Notaufnahme, ehe er nach entsprechenden Voruntersuchungen auf eine Station verlegt wurde.

Kommunikation mit Ärzten im Klinikum Kassel habe sich schwierig gestaltet

Auch wenn sich dort die Kommunikation, so die Angaben von Anna W., mit den behandelnden Ärzten schwierig gestaltet habe und angekündigte Rückrufe zum Zustand des Vaters nicht erfolgt seien, gebe es rückblickend keinen Anlass, an der ärztlichen Versorgung Kritik zu üben.

Was sich jedoch drei Tage später bei seiner Entlassung abspielte, kann die Tochter nach wie vor nicht verstehen, und will sie auch nicht kritiklos hinnehmen. Dass zu diesem Zeitpunkt der Koffer ihres Vaters mit allen privaten Dingen wie Kleidung, Ehering und Versichertenkarte gefehlt habe, sei verglichen mit dem späteren Vorgehen fast eine Randerscheinung, sagt sie. Obgleich auf das Fehlen des Koffers bereits einen Tag zuvor auf der Station hingewiesen worden sei, und man dort zugesichert habe, sich sofort um das Problem zu kümmern.

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87-Jähriger wartet nach Klinikaufenthalt in Kassel fast nackt auf die Rückfahrt

Schwer fällt es Anna W., ihre Fassung zu bewahren, berichtet sie dann vom Krankentransport ihres Vaters zurück in das Altenheim. Die Fahrt musste er nämlich fast nackt zurücklegen: Wie das Protokoll des mit dem Transport beauftragten DRK-Rettungsdienstes Kassel belegt, wartete der 87-Jährige lediglich mit einem Patientenhemd aus Stoff bekleidet auf die Rückfahrt.

Beim Eintreffen des DRK-Wagens sei ihm auch dieses Hemd ausgezogen und lediglich ein Infektionshemd aus Papier übergestreift worden. Auf Nachfrage der DRK-Mitarbeiter, wo denn die persönliche Kleidung des Patienten sei, habe der Pfleger geantwortet: „Das weiß ich doch nicht.“ Und die Bitte, dem Senior doch bitte das Hemd anzulassen, habe der Klinik-Pfleger mit der Begründung verneint, es gebe eine Dienstanweisung, keine Patientenhemden mitzugeben. Das DRK-Protokoll endet mit den Worten, solch ein Vorgehen werde als sehr unmenschlich angesehen.

Entlassung des Patienten aus dem Klinikum Kassel sei „unbefriedigend“ verlaufen

Völlig unbefriedigend ist für die Tochter die Reaktion der Klinik, nachdem sie dieses Verhalten in einem Beschwerdebrief schilderte. Von dort wurden zwar Versäumnisse eingeräumt, so hieß es beispielsweise, die schnelle Entlassung habe dazu geführt, dass der Koffer nicht rechtzeitig aufgefunden werden konnte. Zu dem Hauptvorwurf jedoch, dass der 87-Jährige fast nackt entlassen wurde, schreibt die Impuls-Beauftragte, auch das sei der schnellen Entlassung geschuldet – aber man sei davon ausgegangen, dass der Krankentransport Patienten eine Wolldecke zur Verfügung stelle.

Der Koffer traf übrigens 13 Tage nach der Entlassung im Altenwohnheim ein. Ohne den Ehering und die Versichertenkarte, wie Anna W. berichtet.

Auf Nachfrage der HNA räumt die Pressestelle der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) ein, dass die Entlassung des Patienten „natürlich unbefriedigend“ verlaufen sei. Daher möchte man sich bei der Tochter und ihrem Vater in aller Form entschuldigen, erklärt Pressesprecherin Nina McDonagh. Wegen der schnellen Entlassung, so die Sprecherin, sei es leider versäumt worden, das Eigentum des Patienten der Station weiterzugeben. Daher sei der Patient in einem Schutzkittel entlassen worden. Jedoch seien wärmende Decken zusätzlich zur Verfügung gestellt worden. Dennoch sei diese Form der Entlassung natürlich unbefriedigend und in der GNH kein Standard. (Peter Kilian)

Erst kürzlich hat ein Mediziner des Klinikums Kassel das Bundesverdienstkreuz erhalten. Dr. Bernhard Herrmann ist Kinder- und Jugendarzt im Klinikum Kassel und engagiert sich für den Kinderschutz in Deutschland.

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