Stadtparlament Hofgeismar

Knoche-Rücktritt nach 28 Jahren: Ein Mann klarer Worte

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Dank zum Abschied: Dr. Christian Knoche, der in der politischen Debatte selbst hart austeilen kann, war gerührt, als die Parlamentskollegen ihm stehend Beifall zollten. Knoche will sich jetzt politisch auf den Kreistag konzentrieren. Unter den Zuhörern war auch seine Frau Stephanie (rechts).

Hofgeismar. Eine faustdicke Überraschung hielt die jüngste Stadtverordnetensitzung in Hofgeismar bereit: Dr. Christian Knoche gibt nach 28 Jahren sein Mandat ab.

Die Nachricht kam für die meisten Teilnehmer der Stadtverordnetensitzung am Montagabend in Hofgeismar überraschend: In einer persönlichen Erklärung gab Dr. Christian Knoche (58), Stadtverordneter der Partei Die Linke, bekannt, dass er sein Stadtverordnetenmandat mit Ende der Sitzung zurückgebe, um jüngeren Platz zu machen.

Erstaunen zeichnete sich auf vielen Gesichtern ab, denn der 1989 mit gerade 30 Jahren ins Parlament eingezogene Rechtsanwalt gehörte quasi zum politischen Inventar. Immerhin erlebte er mit Willi Croll, Horst Buchhaupt, Heinrich Sattler und Markus Mannsbarth vier Bürgermeister, etliche Stadtverordnetenvorsteher und noch mehr Fraktionsvorsitzende, von denen einige schon gestorben sind. „Es hat mir bei allen Höhen und Tiefen viel Spaß und Freude bereitet“, sagte Knoche in seiner Bilanz kurz vor Ende der Sitzung. Mit etwa 560 Stadtverordneten- und Ausschusssitzungen sowie 100 Sonderterminen habe er insgesamt wohl acht Wochen ununterbrochen in diesem Saal verbracht, rechnete Dr. Knoche vor.

„Aber irgendwie habe ich ihn lieb gewonnen. Und früher durfte man sogar im Foyer rauchen und die Sitzungen gingen oft bis 0.30 Uhr“. Heute schmunzele man zu Recht über Fragen, die früher strittig waren – etwa wo die ganz kleinen Fraktionen sitzen oder wo das Mikrofon steht.

Ursprünglich für die Grünen ins Parlament eingezogen, wechselte er zehn Jahre später aus Protest gegen den Kosovo-Krieg zu den von den Grünen abgespaltenen Unabhängigen Demokraten und dann zur WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit), die mit der Linkspartei PDS zu Die Linke verschmolz. Die seien seine politische Heimat, für die er auch weiterhin im Kasseler Kreistag tätig sein werde, wie Knoche betonte.

Als Grund für seinen Rückzug zumindest aus der unmittelbaren Stadtpolitik gab Knoche an, dass er das ohne Druck, ohne Skandal, ohne Krise und ohne Zeitdruck entschieden habe: „28 Jahre sind eine lange Zeit. Vielleicht sollte man dann kürzertreten, wenn es am Schönsten ist. Die Zeit wird knapper, auch Lebenszeit; Gesundheit wird wichtiger, persönliche und private Schwerpunkte werden immens wichtiger“, sagte er.

Knoche gestand ein, dass er manche Menschen mit seiner Kritik vielleicht vor den Kopf gestoßen habe. Doch er wollte noch nie um die Sache herumreden, sondern es ging ihm immer um den klaren Standpunkt, betonte er. Vielleicht habe er mit seinen Beiträgen Hofgeismar etwas voranbringen oder auch nur etwas aufrütteln können: „Denn eines gefällt mir nicht, ein 100-jähriger Dornröschenschlaf.“

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