Windkraft im Reinhardswald

Kräftiger Wind am Langenberg

Ralf Paschold ist der einzige Privatmann neben den vier kommunalen Genossenschaftern: Selbst betreibt er ein Ingenieurbüro für regenerative Energien. Foto:  Temme

Hofgeismar. Die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) wird voraussichtlich im Mai ihren Antrag zur Errichtung eines Windparks auf dem Langenberg und dem Farrenplatz im Reinhardswald beim Regierungspräsidium Kassel einreichen. Genossenschaftsmitglied Ralf Paschold rechnet damit, dass die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) ein Jahr später, also im Mai 2019 vorliegen wird.

Seit April 2017 laufen die Windmessungen auf dem Langenberg, seit Oktober auf dem Farrenplatz. Das Vorranggebiet Langenberg ist 572 Hektar groß und 350 bis 400 Meter hoch gelegen. Der Farrenplatz hat eine Fläche von 227 Hek-tar und liegt 200 bis 300 Meter über NN. Auf dem Langenberg plant die EGR mit zwölf Windkraftanlagen, auf dem Farrenplatz mit acht.

Die Messungen nach dem sogenannten LiDAR-Verfahren führt das Kasseler Ingenieurbüro Cube durch. Die LiDAR- Geräte senden Laserstrahlen aus und erfassen das aus der Atmosphäre zurückgestreute Licht. „Das ist eine anerkannte, sehr präzise Windmessemethode“, sagt Ralf Paschold. Das Aufstellen von Windmessmasten sei damit nicht mehr notwendig.

Die Halbjahresauswertung von April bis Oktober für den Standort Langenberg stimmt Paschold, der selbst Windkraftanlagen projektiert, sehr zuversichtlich. „Der Wind auf dem Langenberg weht mit Geschwindigkeiten von 7,7 bis 7,8 Metern pro Sekunde und da waren die windstärksten Monate noch nicht dabei.“ Auf Grundlage dieser Zahlen rechnet Paschold mit 17 bis 18 Millionen Kilowattstunden pro Anlage und Jahr. Damit könnten 4000 bis 5000 Haushalte mit elektrischer Energie versorgt werden. Paschold: „Das ist ein Top-Standort.“ Die Nennleistung der einzelnen Anlagen soll 4,5 Megawatt betragen. Paschold geht davon aus, dass der Preis pro Anlage unter fünf Millionen Euro liegen werde.

Vier Stromauktionen im Jahr

Wie hoch der finanzielle Ertrag bei diesen prognostizierten Strommengen sein wird, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Denn nach der Novellierung des Energieeinspeisegesetzes (EEG) von 2017 müssen sich genehmigte Anlagen auf Auktionen um den Zuschlag zur Stromeinspeisung ins öffentliche Netz bewerben. Anlagen-Betreiber, die für die viermal im Jahr von der Bundesnetzagentur ausgeschriebenen Kontingente die günstigsten Strompreise anbieten, erhalten dann den Zuschlag.

Bei der letzten Auktion 2017 pendelte sich der Preis für Windstrom bei 3,8 Cent pro Kilowattstunde ein. EGR-Genossenschafter Paschold rechnet damit, dass der Preis in diesem Jahr wieder steigen wird. Denn nun können nur noch genehmigte Anlagen an den Auktionen teilnehmen. Das beschränke von vornherein die Teilnehmerzahl.

Die Windparks würden „wenig Natur kaputtmachen“. So würden die Anlagen nicht in wertvollen Buchenwäldern errichtet, sondern auf Fichtenbeständen, die gerade vom Orkan Friederike dezimiert worden seien. 

HINTERGRUND

Von neun auf fünf geschrumpft

Die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) wurde 2012 von neun Kommunen und dem Windkraft-Unternehmer Ralf Paschold gegründet. Nach dem Ausstieg von Hofgeismar, Wahlsburg, Reinhardshagen und Oberweser sind neben Paschold inzwischen nur noch Trendelburg, Grebenstein, Immenhausen und Fuldatal dabei. Die EGR hat vom Landesbetrieb Hessen Forst exklusiv zwei Windvorrangflächen im Reinhardswald gepachtet. Zum Zweck der Projektierung der geplanten 20 Anlagen gründet die EGR mit der EAM Natur GmbH, den Städtischen Werken Kassel und den Stadtwerken Eschwege die Windpark Reinhardswald GmbH & Co KG sowie eine Verwaltungs GmbH. Sobald die Genehmigung für die Windparks vorliegt, müssen die Genossenschafter entscheiden, ob sie die Anlagen auch selber als Unternehmen betreiben wollen oder aber die genehmigte Projektierung veräußert werden soll. (geh)

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