Bestsellerautoren zu Gast am Gesundbrunnen

Krebsaktivistin in Hofgeismar: "Lasst uns über den Tod sprechen."

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Myriam von M.: „Ich polarisiere sehr, ich ecke an, aber auch das stört mich nicht. Das Buch wurde zum Bestseller, weil ich bin, wie ich bin.“

Hofgeismar. Was macht die Diagnose Krebs mit den Patienten, aber auch ihren Mitmenschen – das zeigten die Krebsaktivistin Myriam von M., die selbst betroffen ist, und Autor Sascha Hoffmann. Sie lasen in Hofgeismar aus ihrem gemeinsamen Buch.

Als Myriam von M. die Diagnose Krebs erhielt, konnte sie sie zunächst gar nicht glauben. „Der Arzt hatte nicht den Mumm, es mir ins Gesicht zu sagen“, berichtete sie den über 30 Zuhörern, die trotz des heftigen Schneefalls den Weg ins Café Gesundbrunnen gefunden hatten. „Es ist unwirklich, eine tödliche Krankheit zu haben und sich gleichzeitig bombenfit zu fühlen. Das Krankfühlen fing erst mit der eigentlichen Behandlung an.“

Die Lesung der als Krebsaktivistin bekannt gewordenen Myriam von M. ging den Gästen sichtlich nahe. Deutlich war auch heute noch – Jahre nach dem eigentlichen Geschehen – zu spüren, was die junge Frau damals empfand. Trauer, Verzweiflung und auch Wut sprachen aus ihren Worten, wenn sie von den langwierigen und schmerzhaften Behandlungen berichtete, von dem Verlust geliebter Menschen und der wiederholten Diagnose Krebs. Dreimal musste sie gegen die oftmals tödliche Krankheit ankämpfen. Doch noch bemerkenswerter war es, wenn Myriam von M. ihr Buch „Fuck Cancer – Denn meine Wut macht mich stark gegen den Krebs“ schloss und sich direkt an ihr Publikum wandte. Überaus ehrlich und zum Teil schonungslos offen beantwortete sie dessen Fragen. So sagte sie auf die Frage, wie sie auf eine erneute Krebsdiagnose reagieren würde: „Wenn ich die Diagnose bekäme, nur noch sechs Monate zu leben zu haben, würde ich lieber leben, als mich in Behandlung zu begeben.“

Sie betonte aber auch: „Wenn man den Willen hat zu leben, kann man Bäume versetzen.“

Viele Zuhörer im Saal hatten Erfahrungen mit der Krankheit gesammelt – sei es als betroffene Patienten, sei es als Angehörige oder Freunde. Der offene Umgang mit den Kranken sei sehr wichtig, betonte die Autorin, selbst bei sensiblen Themen: „Lasst uns über den Tod sprechen.“ Einfach nur „Du schaffst das“ zu sagen, sei vielleicht gut gemeint, gebe aber das Gefühl, nicht ernst gemeint zu sein. „Denn das weiß niemand. Das kann man nur hoffen.“

Die Besucher der Lesung berichteten von ihren eigenen Erlebnissen mit dem Krebs, suchten das Gespräch mit Myriam von M. und nutzen die Gelegenheit, der bekannten Kämpferin mit der „bunten Haut“ nahe zu sein.

Gerne stellte sich diese ihren Fans, bat jedoch diejenigen, die selbst zum Beispiel eine Erkältung hätten, Abstand zu halten. „Ich muss nächste Woche in die Talkshow von Markus Lanz – da möchte ich nicht noch krank werden.“

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