Nicht zufrieden

Landwirte ziehen erste Bilanz: Klimawandel trifft Ernten in der Region

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300 Tonnen Weizen hat Burkhard Müller (rechts) in Niedermeiser eingelagert: Bauernverbandsmitarbeiter René Ritter sowie Jörg Kramm und Armin Gerhardt (von links) sprechen von einer insgesamt durchschnittlichen Ernte.

Auch wenn die Trockenheit nicht ganz so schlimm war wie im letzten Jahr: Zufrieden sind die Landwirte in der Region mit ihren Ernteerträgen nicht.

Das Frühjahr und auch der Juni waren ganz passabel: Dem Getreide auf den heimischen Feldern boten sich gute Wachstumsbedingungen. Doch dann kam der Juli mit Rekordtemperaturen und der Weizen, die Hauptgetreideart, reifte zu schnell ab. Die Kornfüllungsphase war noch nicht abgeschlossen. Nun ist die Ernte zum größten Teil eingebracht und die Landwirte sprechen von einem „insgesamt noch durchschnittlichen Ertrag“.

Auf dem Hof von Burkhard Müller in Niedermeiser zogen Ralf Desel, Geschäftsführer des Bauernverbandes Kurhessen, Jörg Kramm, stellvertretender Verbandsvorsitzender, Armin Gerhardt aus Friedrichsthal sowie Müller ein vorläufiges Resümee: Während die Ernte der Wintergerste, die als erste Frucht geerntet wird, noch zufriedenstellend ausfiel, bot sich beim Weizen ein unterschiedliches Bild: „Auf schwächeren Standorten war der Ertrag unterdurchschnittlich, auf guten Flächen dagegen ganz gut“, sagt Burkhard Müller. Die Bandbreite für den Ertrag pro Hektar liege zwischen sieben und zehn Tonnen, schätzt Ralf Desel.

Raps: Erträge halbiert

Ein anderes Bild bietet sich hingegen beim Raps. „Hier haben wir vielleicht nur noch die Hälfte der Erträge der Vorjahre“, sagt Jörg Kramm. Zum einen, weil die Saat aufgrund der Dürre des vergangenen Jahres gar nicht erst aufgegangen ist und umbrochen werden musste und zum anderen, weil Raps inzwischen weniger angebaut wird.

Die Extremjahre häufen sich

Es ist der Klimawandel, der den Landwirten zu schaffen macht. „Die Extremjahre häufen sich“, sagt Jörg Kramm, in den vergangenen Jahren sei alles dabei gewesen: Nässe, Hagelschlag, verheerende Dürren. „Anbauplanung wird schwieriger und die Erwartbarkeiten unsicherer“, sagt Ralf Desel. 

Die Landwirtschaft werde sich darauf mit vielschichtigeren Fruchtfolgen einstellen müssen. Doch auch das ist so einfach nicht, wissen Burkhard Müller und Armin Gerhardt. Wenn beispielsweise mehr Ackerbohnen und Roggen angebaut würden, dann sei noch nicht gesagt, dass der Markt die Mengen aufnimmt.

Getreide auf 70 Prozent der Ackerfläche

Im Landkreis Kassel gibt es 1205 landwirtschaftliche Betriebe – 296 werden im Haupterwerb geführt, 909 im Nebenerwerb. Landwirtschaftlich genutzt werden 52.822 Hektar, 13.111 sind Grünland, 39.711 Ackerland. Auf 28.000 Hektar, das sind über 70 Prozent der Ackerfläche, wird Getreide angebaut. Rund zehn Prozent der Betriebe wirtschaften ökologisch. 

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