Kreishandwerkerschaft: Erich Horbrügger nimmt seinen Hut

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Erich Horbrügger

Hofgeismar/Kassel. Wenn Erich Horbrügger heute mit 63,5 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wird, dann geht jemand, der eine ganze Epoche miterlebt und zugleich geprägt hat.

Von der mechanischen Rechenmaschine über die ersten Computer bis zur Volldigitalisierung des Berufsalltags hat Horbrügger alle Herausforderungen angenommen und für die Handwerksbetriebe in Hessens Nordspitze nutzbar gemacht.

Als 25-Jähriger bekam er eine Angestelltenstelle bei der Kreishandwerkerschaft Hofgeismar-Wolfhagen. Nachdem der vorherige Geschäftsführer Manfred Pöter zur Reha-Klinik Lippoldsberg gewechselt war, blieb dessen Stelle ein halbes Jahr vakant und Erich Horbrüggers Bewerbung wurde schließlich angenommen, nachdem er sicher war, dass dies das Richtige für ihn wäre. Und das war es dann fast 40 Jahre lang.

Für den Praktiker, der das Handwerk von Grund auf kennengelernt hat (er begann eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker und wechselte dann auf Anraten seines Chefs zum kaufmännischen Bereich), stand immer im Mittelpunkt, so viel wie möglich für die Handwerker zu erreichen. Durch seine vorherige Arbeit kannte er Ausschreibungsverfahren ebenso wie die Fallstricke und Risiken des Betriebsalltags.

Kooperation ist eines der Schlüsselworte, die den Geschäftsführer Horbrügger immer geleitet haben, um für die handwerklich Arbeitenden in Nordhessen viele Chancen und Vorteile zu nutzen. Etwa durch Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt, um entsprechend dem Bedarf der Betriebe auszubilden, mit der EAM, um günstige Preise für die Betriebe zu erzielen, mit dem Bauernverband, mit dem Landkreis, mit der Regionalentwicklung und EU-Projekten, mit Regionalmanagement und Handwerkskammer.

Die anfänglichen Probleme, die es nach der Gebiets- und Handwerkerschaftsreform in den 1970er-Jahren gab, wurden letztlich überwunden und Horbrügger war klar, dass es auf weitere Fusionen hinauslief: „Aber nicht mit Gewalt, sondern durch Zusammenarbeit bis zum Zusammenschluss.“ Der erfolgte 2008 mit der Gründung der Kreishandwerkerschaft Kassel mit Sitz in Hofgeismar. Heute sind an den Standorten Hofgeismar, Kassel und Wolfhagen insgesamt 27 Mitarbeiter voll- oder teilzeit tätig, um die Handwerksbetriebe mit Bürodiensten, Versicherungs- und Finanzberatung, mit Weiterbildungen und Technikschulungen zu versorgen und notfalls vor Gericht zu vertreten.

Horbrügger sieht eine handwerkliche Ausbildung vor einem Studium als sehr sinnvoll an und sieht nach wie vor den Meistertitel als beste Basis für eine solide Betriebsgründung, um weiterhin mit Qualität gegen ausländische Billigkonkurrenz zu bestehen. Besonders stolz ist er, dass seine Handwerkerschaft nach der Wende vielen ostdeutschen Betrieben auf die Beine half.

Jetzt fällt es ihm schwer, den Beruf aufzugeben, wie er gesteht, doch er finde nun endlich Zeit, mit seiner Frau Helga mehr Reisen zu unternehmen. 

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