Die heilige Halle gerockt

Kreiskantorei Hofgeismar begeisterte mit Oratorium "Elias"

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Ein starkes Team: Fast 120 Musiker traten in der Klosterkirche Lippoldsberg mit dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf. Am Tag zuvor hatte die Aufführung Premiere in der Altstädter Kirche in Hofgeismar.

Hofgeismar/Lippoldsberg. Ein Wochenende lang standen im Altkreis Hofgeismar die Vorzeichen auf Konfrontation zwischen menschlicher Natur und göttlicher Vorsehung.

Die Kreiskantorei Hofgeismar, die Kurpfalzharmonie Heidelberg und Solisten, insgesamt fast 120 Musiker, ließen unter Leitung von Bezirkskantor Dirk Wischerhoff das Leben des Propheten Elias lebendig werden.

Die durch und durch menschliche Zerreißprobe dieses tief gläubigen, aber auch irregeleiteten und an sich selbst verzweifelnden Mannes des Alten Testaments hat der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy in eine Musik gekleidet, die emotionaler nicht sein könnte. Der religiöse und letztlich auch gewalttätige Krieg zwischen Prophet, Volk und weltlicher Macht brach mit erschreckend aktueller Vehemenz über die Zuhörer herein.

Unmöglich, sich dem Sog zu entziehen, den alle Musiker kraftvoll und ohne Spannungsverluste über mehr als zwei Stunden hinweg inszenierten. Der hin und her gerissene Prophet wurde hervorragend dargestellt von Johannes Schwärsky. Mit seinem schlanken, klaren Bass drang er tief in das Seelenleben des Elias ein und kehrte sein Innerstes nach außen.

Rolf Sostmanns an sich warme Tenorstimme fand deutliche Unterscheidung zwischen scharfer Kritik als Gefolgsmann des Königs Ahab und freundschaftlichem Zuspruch als Gefährte des Propheten. Traudl Schmaderers dynamischer Sopran und Ulrike Kamps-Paulsens kraftvolle Altstimme brachten als Engel und Sprachrohr Gottes weitere Bewegung ins Spiel. Ermutigend, tröstend, aber auch fordernd begleiteten sie das Geschehen, stimmlich flexibel und wunderbar gestaltet.

Die Engel hatten es nicht leicht als Mittler zwischen Mensch und Gott, die Sängerinnen dank ihrer Professionalität dafür umso mehr. Solistische Überraschung war die Stimme der 17-jährigen Sophia Meisner, die in vollkommener Reinheit und in höchster Höhe in einer Nebenrolle erklang.

Die Kreiskantorei als mal widerwilliges, mal höriges Volk hätte ausdrucksstärker nicht singen können. So viel Energie durch das lange Werk hindurch aufrecht zu erhalten erfordert höchste Konzentration, vor allem aber Herzblut, das die Sänger in reichem Maße verströmten. Dasselbe gilt auch für die Instrumentalisten, die immer wieder eine Balance finden mussten zwischen der nötigen Lautstärke dramatischer Passagen und genügend Klangraum für die Sänger, was ihnen großartig gelang.

Dafür sorgte auch das klare Dirigat von Dirk Wischerhoff, der der Aufführung in der Altstädter Kirche Hofgeismar und in der Klosterkirche Lippoldsberg eine enorme dramaturgische Dichte verlieh.

„Ihr habt diese heilige Halle aus Steinen gerockt, wie viel mehr dann die Menschen darin“, rief Pfarrer Trappe den Musikern in Lippoldsberg begeistert zu.

Und ebenso begeistert feierten diese Menschen die Akteure wie Weltstars mit lauten Jubelrufen und Standing Ovations.

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