Eine Marke für Reisen etablieren

Chance in der Einheit: Solling, Bram- und Reinhardswald als Tourismusziel

So kennen ihn viele Menschen: Hermann-Josef Rapp (vorne) bei einer Führung mit einer Gruppe im Urwald Sababurg.
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So kennen ihn viele Menschen: Hermann-Josef Rapp (vorne) bei einer Führung mit einer Gruppe im Urwald Sababurg.

Tourismusentwicklung im Reinhardswald und der Bau von Windkraftanlagen, wie soll das zusammengehen? Diese Frage stellen sich offenbar zahlreiche Menschen.

Einer von ihnen ist Hermann-Josef Rapp, der auch als „Die Stimme des Reinhardswaldes“ bezeichnet wird. Er spricht sich gegen die Windkraft in den Wäldern der Region aus – und für eine stärkere Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg.

Der 75-Jährige schlägt vor, dass sich Reinhardswald, Bramwald und die Region Solling künftig als Einheit in Sachen Tourismus präsentieren: „Man sollte eine Marke daraus entwickeln, die am Markt bestehen kann.“ Gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt dafür. 

„Die veränderten Reisebedingungen im Zeichen der Corona-Einflüsse und die Grundsätze eines wirkungsvollen Gegensteuerns gegen die Klimakatastrophe werden zu einem mindestens mittelfristig geänderten Reiseverhalten in Deutschland und den Nachbarländern führen“, erwartet Rapp. 

Solling, Bramwald, Reinhardswald: "Tourismusziel der Spitzenklasse"

Der frühere stellvertretende Leiter des Forstamts in Reinhardshagen kennt den Reinhardswald wohl so gut wie kaum ein zweiter. Geschätzte 100 000 Menschen hat Rapp auf Führungen durch das Gebiet geleitet, darunter auch Medienvertreter von namhaften Magazinen wie National Geographic.

Das Ensemble von Mittelgebirgen mit Solling, Bramwald und Reinhardswald, geprägt vom Lauf der Weser, könne „ein Tourismusziel der Spitzenklasse“ werden, meint er. Tierpark und Urwald Sababurg, Beberbeck, Bad Karlshafen, die Klostertradition von Bursfelde, Lippoldsberg und Helmarshausen, das alles seien Beispiele für den Reichtum der Region in dieser Hinsicht, sagt Rapp. 

„Das Geld im Tourismus liegt derzeit auf der Straße, die Karten werden neu gemischt.“ Schaut man aktuell auf überregionale Onlineportale wie Focus oder Spiegel zu Reisetipps fürs Inland in Coronazeiten, dann könnte Rapp recht haben. Dort taucht als lohnendes Ziel für Hessen der Reinhardswald auf, „eines der einsamsten Waldgebiete Deutschlands“.

Solling, Bramwald, Reinhardswald: Naturpark kein Nationalpark

Für dieses Gebiet sähe Rapp gerne mehr Schutz vor menschlichen Eingriffen. Zwar ist hier im Jahr 2017 ein Naturpark ausgewiesen worden, der unter anderem einen nachhaltigen Tourismus in der Region entwickeln soll. Aber ein Naturpark, in dem die Landschaftsnutzung durch den Menschen alltäglich ist, ist eben nicht mit einem in seiner Gesamtheit deutlich strenger geschützten Nationalpark zu verwechseln. 

Ein Naturparkstatus an sich ist damit beispielsweise kein Hindernis für den Bau von Windkraftanlagen auch im Kerngebiet des Reinhardswaldes, der in der Region kontrovers diskutiert wird. Dazu hat auch Hermann-Josef Rapp eine klare Meinung: „Tourismus und 240 Meter hohe Windkraftanlagen, das funktioniert nicht zusammen.“ Die Region stehe nun vor der Entscheidung, den Tourismus nachhaltig zu entwickeln – oder die Windkraft auszubauen. 

Solling, Bramwald, Reinhardswald: Tourismus, Politik und Naturschutz 

Dafür gehe man jetzt in die entscheidende Phase, sagt Rapp unter anderem mit Blick auf ein laufendes Genehmigungsverfahren für geplante Anlagen der Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG und Entscheidungen, die aktuell dazu in Kommunalparlamenten anstehen.

Er selbst bringt für die Region auch den Status eines Unesco-Biosphärenreservats ins Spiel. Der Gedanke sei für Solling, Reinhardswald und Bramwald schon um 2004 einmal entwickelt worden, aber damals gescheitert, sagt Rapp. Zehn Jahre später, noch vor der Ausweisung des Naturparks, kam eine Projektarbeit von Masterstudenten der Universität Kassel zu dem Schluss, dass die Großschutzgebietskategorie Biosphärenreservat potenziell für die Region Reinhardswald geeignet sei.

Aktuell ist dem Naturschützer und Buchautor Rapp auf jeden Fall wichtig, dass die Region ihr Potenzial gemeinsam sichtbar mache, dass man Experten von außen heranziehe, dass die relevanten Gruppen aus Tourismus, Politik und Naturschutz zusammenarbeiteten: „Die Scheuklappen müssen weg“, sagt Rapp.

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