Verdienst schlägt Sicherheit

Kreisteil Hofgeismar: Öffentlicher Dienst hat Probleme bei Mitarbeitersuche

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Mitarbeiter gesucht: Frei werdende Stellen können oft nicht sofort besetzt werden. Zunehmend leidet auch die öffentliche Hand unter Personalmangel.

Der öffentliche Dienst verliert bei Arbeitnehmern an Attraktivität. In Zeiten geringer Arbeitslosigkeit und des Fachkräftemangels haben Verwaltungen Probleme, Stellen zu besetzen.

Schon seit Monaten sucht die Stadt Liebenau, auch überregional, nach einem Wassermeister. Bislang vergebens, so Hauptamtsleiter Sascha Thöne. Die Stadt Trendelburg hat Stellen für Bauamt und Wasserversorgung ausgeschrieben, in Bad Karlshafen wurde längere Zeit eine Kraft für das Bürgerbüro gesucht. Die Liste lässt sich fortschreiben. Die Chancen, den Wunschkandidaten zu finden, sind eher gering.

„Je spezieller der Beruf, desto schwieriger wird die Besetzung“ bringt Kreispressesprecher Harald Kühlborn das Problem auf den Punkt. Vor allem wenn der öffentliche Dienst mit der freien Wirtschaft um Arbeitskräfte konkurriert, sieht derzeit die Ausbeute für die Rathäuser mau aus. Als klassische Beispiele gelten schon seit längerem Bau-Ingenieure und IT-Fachleute. Verwaltungen, die ihre Stellen besetzt haben, schätzen sich glücklich. Wer sucht, stellt sich auf lange Wartezeiten ein.

Nahezu jede Kommune sucht Erzieher

Das ist inzwischen auch in anderen Bereichen so. Grebensteins Bürgermeister Danny Sutor beispielsweise kann ein Klagelied davon singen, wie schwierig es ist, die Kämmerei zu besetzen. Nach langem Suchen klappte es. Die Personalnot ist damit nicht behoben.

Erzieher oder Erzieherinnen sucht nahezu jede Kommune im Kreisteil. Die ausgeweiteten Betreuungszeiten und die Einrichtung von Kinderbetreuung teilweise schon für Einjährige hat den Personalbedarf sprunghaft ansteigen lassen. Die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher aber stieg nur langsam, auch weil die Ausbildung lange dauert.

Doch nicht nur bei den Fachkräften, auch bei den Auszubildenden verliert der öffentliche Dienst an Zugkraft. „Früher haben sich um drei Azubi-Stellen 60 bis 70 junge Frauen und Männer beworben, heute sind wir froh, wenn wir 20 Bewerbungen haben“, sagt Hofgeismars Hauptamtsleiter Wilfried Eckart. Die Qualität der Bewerbungen aber habe nicht abgenommen. Im Klartext: Nach wie vor zieht es auch gute Leute in den öffentlichen Dienst.

Vorteile des öffentlichen Dienst

Auch wenn der öffentliche Dienst keine Spitzengehälter bietet, Vorteile hat er allemal, sagt Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es nicht. Und im Regelfall sei die sogenannte Work-Life-Balance weiter entwickelt als in der freien Wirtschaft. Wünsche nach Teilzeit werden meist erfüllt. Die Arbeitszeit sei kalkulierbarer und familienfreundlicher. Trotz höheren Gehalts würden deshalb nur wenige Mitarbeiter in die freie Wirtschaft wechseln.

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