"Urlaub ist dieses Jahr ein anderer"

Auch Reisebüros sind wegen der Coronakrise wirtschaftlich betroffen

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Sechs Monate Arbeit für die Tonne: Dennis Krausgrill, Inhaber der Reiseagentur Krausgrill in Immenhausen, sieht die Sommerurlaubssaison 2020 verloren.

Die weltweite Reisewarnung gilt vorerst bis zum 14. Juni und wie es danach weitergeht, ist unklar. Für Reisebüros bedeutet die Ungewissheit weiterhin keine Einnahmen.

Die Konsequenzen der Coronakrise wiegen schwer, auch in der Reisebranche. Nun gibt es zunehmend Lockerungen – aber hilft das den Reiseunternehmern? Seit gestern heben wieder Flieger am Kassel Airport ab, und zwar Richtung Sylt. „So langsam keimt ein kleines Hoffnungspflänzchen“, sagt Christian Henkel, Inhaber des Reisebüros Urlaub ab Kassel Airport. 

Der reine Deutschlandtourismus sei aber keine Alternative. „Es gibt ja jetzt schon Inseln da oben, die völlig ausgebucht sind“, sagt Henkel, „die Kapazitäten sind einfach nicht da“. Er hofft, dass auch Auslandsreisen bald wieder möglich werden, wenn auch mit Einschränkungen. „Der Urlaub wird dieses Jahr ein anderer sein“, erklärt Henkel.

Sondersituation für Reisebüros

Erst Anfang des Jahres hatte er sein Reisebüro am Kassel Airport eröffnet. Die Nachfrage sei „gigantisch“ gewesen. Durch Corona habe er aber nun 100 Prozent Reiseausfall. „Es kommt einem so surreal vor“, beschreibt er die Situation. Henkel musste eine Mitarbeiterin entlassen, der Rest ist auf Kurzarbeit. Er selbst lebt zur Zeit von Ersparnissen. 

Dass die Lage der Reisebüros schwierig ist, liege an ihrer Sondersituation, so Henkel. Die Einnahmen kommen verzögert, da Provisionen erst gezahlt werden, wenn die Reisen stattfinden. „Ich kenne einige, die jetzt aufgeben müssen“, sagt Henkel.

Nach den positiven Signalen der Politik hofft er, dass ab Juli wieder Flüge in die Mittelmeerregion stattfinden können. „Wir merken, dass die Nachfrage da ist, wenn auch sehr vorsichtig“, teilt Henkel mit. Deshalb ist er nun verhalten optimistisch und wird das Büro am Kasseler Flughafen voraussichtlich am 15. Juni wieder öffnen.

Reisebüros im Kreisteil Hofgeismar: Stornierungswelle abgeebbt

Die Reiseagentur von Dennis Krausgrill in Immenhausen ist bereits offen. Für seine Kunden besetzt er stundenweise vormittags sein Büro. „Die ersten Tage und Wochen waren natürlich heftig“, erinnert sich Krausgrill, „da sind die Fragen auf einen eingeprasselt.“ Die große Stornierungswelle ist bei ihm abgeebbt. Inzwischen ist er hauptsächlich mit Beratungen beschäftigt, die geplante Reisen nach dem Stichtag für Reisewarnungen, dem 14. Juni, betreffen. 

Von Kurzarbeit ist seine Agentur nicht betroffen. „Ich bin ein Ein-Mann-Büro, deshalb bin ich da wahrscheinlich flexibler gewesen als andere Kollegen“, sagt er. Leichter macht es das für ihn aber nicht. „Ostern ist die Zeit, in der ich Geld verdienen müsste, aber das ist alles weggebrochen.“ Die Sommersaison hat er schon abgehakt, denn in Inlandsreisen sieht auch er keine Alternative. „Die Leute buchen solche Reisen oft privat“, sagt Krausgrill, „wir sind auf Flugreisen angewiesen.“

Schwierige Lage für Reisebüros: "Leisten kann sich das eigentlich keiner"

Was helfen würde, da sind sich Henkel und Krausgrill einig, das wäre Hilfe der Bundesregierung. „Aber wir haben keine große Lobby in Berlin“, erklärt Krausgrill. Selbst wenn einige Urlaubsländer wieder geöffnet werden, rechnet er nicht damit, dass die Reiselust steigt. Angst, sich anzustecken oder weil sie sich den Urlaub anders vorgestellt hätten, könnte viele Kunden dazu bewegen, die Reise doch noch abzusagen. 

Interessant werde es, wenn die aktuell bis 14 Juni geltende Reisewarnung nicht verlängert werde, sagt Krausgrill. Dann hätten die Kunden kein Recht mehr auf einen kostenlosen Reiserücktritt. „Ich gespannt, ob die Reiseveranstalter weiter kulant sind“, sagt Krausgrill, „denn leisten kann sich das eigentlich keiner.“

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