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Kritik an Sababurg-Plänen bleibt

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Von: Thomas Thiele

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Innenhof der Sababurg mit der Palasruine links und dem Hotelgebäude rechts
Der Innenhof der Sababurg ist seit der Hotelschließung 2018 nur im Sommerhalbjahr an Wochenenden zugänglich. © Thiele, Thomas

Die Stadt Hofgeismar kritisiert die lange Dauer des Sababurg-Umbaus durch das Land. Ein Bericht von Landesvertretern brachte keine Entspannung.

Hofgeismar/Sababurg. Die Stimmung blieb angespannt, obwohl der Öffentlichkeitsarbeiter aus Wiesbaden sich für die Kritik bedankte und die deutlichen Worte mitnehmen wollte. Die Stellungnahme des Landesbetriebs Immobilien Hessen (LBIH) vor den Hofgeismarer Stadtverordneten brachte am Montag kaum neue Informationen zur Sanierung des Sababurg-Hotels. Nur eines war ganz neu: Das Projekt ist für 2024 verbindlich finanziell gesichert und im Haushalt eingeplant.

Grundrisszeichnung des künftigen Neubaus
Bereits im Herbst 2021 stellte das Architekturbüro Rittsmannperger (Darmstadt) der Presse eine Vorplanung für den Neubau (hier die Restaurantebene) vor. Den Stadtverordneten wurde nichts davon gezeigt. © Rittmannsperger-Architekten/Thiele, Thomas

Im Mai hatten die Stadtverordneten auf Antrag der WSD beschlossen, Vertreter des LBIH zu einem Bericht einzuladen, weil sie wegen der langen Verzögerungen immer stärkere Zweifel daran hatten, dass das Land es mit der Hotelsanierung ernst meint. Nicht nur die Dornröschenstadt Hofgeismar, sondern die gesamte Region sei auf das Dornröschenschloss als touristisches Leuchtturmprojekt angewiesen.

Sababurg-Projektleiter Heinz Jahn von der LBIH-Niederlassung Kassel und Pressesprecher Alexander Hoffmann-Glassneck von der Zentrale in Wiesbaden, der auch für die Oberfinanzdirektion sprach, erläuterten den aktuellen Stand. Der hat sich gegenüber der Vorstellung eines ersten Hotelkonzeptes im September 2021 kaum verändert. Selbst dazu wurden diesmal keine konkreten Zahlen oder Schätzungen mehr vorgelegt, da alles in Bewegung sei.

Nach Rücksprache mit dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sowie dem Denkmalschutz habe man ein Konzept entwickelt, die bisherige Zimmerzahl von 17 mindestens zu verdoppeln und ein Hotel und Restaurant im zeitgemäßen hochwertigen Segment anzubieten. Auch der LBIH habe kein Interesse an Verzögerungen, doch das Nachprüfungsverfahren (wegen Einspruchs des unterlegenen Architekten) habe das Vorhaben eineinhalb Jahre gekostet.

Porträtfoto
Alexander Hoffmann-Glassneck, Pressesprecher Landesbetrieb Immobilien Hessen © Thomas Thiele

Zum Zeitplan sagte Hoffmann-Glassneck, dass in diesem Jahr der Abbruch der Hotel- und Restaurantanbauten aus den 1970er Jahren beginne. 2023 werde es konkretere Zahlen geben. Der Neubau erfolge ab 2024, die Eröffnung sei Mitte 2026 vorgesehen.

Zur Kritik, warum nicht erst ein fertiges Konzept erstellt und dann gebaut werde, sagte der LBIH-Sprecher, dass das zu unflexibel sei. Es sei besser, die exakte Endplanung erst während des Baus zu erstellen, wenn ein Pächter gefunden sei, der dann nach seinem Bedarf mitplanen könne. Dadurch gehe keine Zeit verloren. Hoffmann-Glasneck: „Es ist nicht das erste Hotel, das wir in Hessen bauen“.

Heinz Jahn
Heinz Jahn, Sababurg-Projektleiter des Landesbetriebs Immobilien Hessen © Thomas Thiele

Projektleiter Jahn sagte, dass die Grobplanung stehe, aber noch verfeinert werden müsse. Auch hinsichtlich der Energieversorgung, die gerade auf einer Burg eine Herausforderung sei und gelöst werden müsse, damit sich der Pächter auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren könne. Während Privatleute sich in der aktuellen Lage überlegten, ob sie noch weiterbauen, halte das Land am Projekt fest. Der Finanzminister habe Ja zur Sababurg gesagt. Dem Land sei bewusst, dass die Sababurg nicht irgendeine Burg sei, sondern eine besondere, ein Aushängeschild für ganz Hessen.

„Wir müssen jetzt nach vorne schauen und es wäre gut, wenn alle mitziehen“, sagte Pressesprecher Hoffmann-Glassneck, bevor die Fraktionen ihre Kritikrunde eröffneten.

Von unten aufgenommen ragen Betonbauteile und Sandsteine des Restaurants steil in den Himmel.
Der Hotel- und Restaurantanbau der Sababurg aus den 1970er Jahren steht immer noch. Er soll abgerissen und 2024 durch einen Neubau ersetzt werden. © Thiele, Thomas

Das sagt die WSD


Stefan Dworak (WSD-Fraktion) bedankte sich bei dem LBIH-Pressesprecher für seinen Mut, „Nichtigkeiten zu erzählen, die wir schon kannten, und nichtssagende Antworten“. Die WSD glaube nicht, dass das Tourismus-Thema Dornröschen noch ziehe, wenn das Hotel nach langer Pause endlich fertig sei. Das Projekt halte er für ein schönes Alibi, meinte Dworak und wurde drastisch: „Was das Land hier liefert, ist eine Sauerei.“ Man merke, welchen Stellenwert Nordhessen in Südhessen habe: „Bringen sie unseren Unmut nach Wiesbaden“. Und ergänzte, dass man schon viel weiter wäre, wenn das Land in die Sababurg soviel Energie gesteckt hätte wie in den Bau von Windkraftanlagen im Reinhardswald.

Das sagt die SPD

Frank Nikutta (SPD) war etwas ratlos, was er dem Kreistag berichten solle, wenn er noch nicht einmal Zahlen erhalte über die Investitionen des Landes in den Tourismus. Weil die Burg Gäste aus aller Welt gehabt habe, gelte es nicht nachzulassen: „Wir brauchen die Eröffnung absolut dringend“. Er stellte die Frage, ob das Land die Saba-burg denn verkaufen würde, wenn es das Geld für den Umbau nicht hätte. Viele Besucher seien enttäuscht, wenn sie vor der Burg stünden und keinerlei Infos zu dem Bauprojekt und den Gründen der Schließung fänden.

Das sagt die CDU

Auch die CDU nahm eine kritische Position ein. Thomas Stiehl merkte an, dass jeder Unternehmer zunächst mal ein Konzept erstelle, bevor er ein Projekt starte. Tobias Hofmeyer merkte an, dass Besucher von der trostlosen Ruine schwer enttäuscht seien. Er malte sich den Horror aus, wenn der Abriss erfolge und dann das Projekt stillstehe und nur eine Ruine bleibe.

Bürgermeister Torben Busse ergänzte, dass es bei der Sababurg nicht um irgendeine Burg gehe: „Wenn Besucher aus dem Ausland kommen, die wollen das Dornröschenschloss sehen und Neuschwanstein, die kommen nicht wegen der Löwenburg.“ Was die Vertreter aus Wiesbaden jetzt erklärt hätten, das habe man bereits im September 2021 gewusst. Die Stadt Hofgeismar sorge derzeit für ein Kulturprogramm auf der Burg, um das Dornröschen dort zu erhalten. Hier sei mehr Einsatz des Landes gefordert. Es müsse zeigen, dass sich dort etwas tut, positive Signale an die Besucher senden und etwas erzählen. (Thomas Thiele)

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