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Windpark Reinhardswald: Kritiker wehren sich gegen Strafanzeigen

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Von: Daria Neu

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Die Arbeiten am Windpark Reinhardswald haben Anfang Februar für große Aufregung gesorgt. Auf dem
Die Arbeiten am Windpark Reinhardswald haben Anfang Februar für große Aufregung gesorgt. Auf dem © Daria Neu

Keineswegs hat sich der Streit um den Windpark Reinhardswald beruhigt. Aktuell wehren sich einige Kritiker des Vorhabens gegen Strafanzeigen. Die Vorwürfe: Hausfriedensbruch und Nötigung.

Reinhardswald – Albert Kauffeld aus Reinhardshagen kann es nicht glauben. Vor einigen Tagen habe ihn ein Brief erreicht, der ihn zornig und fassungslos zugleich mache. Die Kriminalinspektion Staatsschutz des Polizeipräsidiums Nordhessen ermittele derzeit – unter anderem auch gegen ihn. Im Raum stünden die Vorwürfe Hausfriedensbruch und Nötigung. Kauffeld und einige andere Kritiker des geplanten Windparks Reinhardswald sollen am 4. Februar die Rodungsarbeiten im Wald blockiert und dafür offensichtliche Absperrungen übertreten haben. Das Problem laut Kauffeld: „Ich war wirklich nicht dabei.“

Anfang Februar gab es tatsächlich eine Aktion am Hahneberg nahe Gottsbüren, bei der die Arbeiten kurzzeitig gestoppt wurden. Demonstranten betonten dabei, dass Naturschutzauflagen nicht erfüllt seien und forderten auch deshalb Regierungspräsident Mark Weinmeister auf, die Arbeiten zu stoppen. Investor Ralf Paschold kündigte damals an, dass er das Betreten der Bauflächen strafrechtlich verfolgen lassen werde (HNA berichtete).

Doch nicht nur Kauffeld, langjähriger Kommunalpolitiker in Reinhardshagen und Kreistagsmitglied, weist die Vorwürfe entschieden zurück. Auch Matz Schulten aus Trendelburg zum Beispiel habe eine Anzeige bekommen. „Das ist eine Falschaussage, gegen die ich gerichtlich vorgehen werde.“ Schulten betont, er habe den Wald am 4. Februar nicht betreten. Wie man dennoch auf seinen Namen gekommen sei, sei ihm schleierhaft. „Es ist kein Geheimnis, dass meine Frau und ich uns seit zehn Jahren gegen das Windpark-Vorhaben wehren. Vielleicht hat man einfach angenommen, dass ich wahrscheinlich dabei gewesen bin.“

Albert Kauffeld ergänzt: „Mich macht vor allem das Wort Staatsschutz so wütend.“ Ohne dass er überhaupt an der Demonstration im Wald teilgenommen habe, werde er so in eine Ecke gedrängt, in die er auf keinen Fall hineingehöre. Mit seinem Auto habe er seinerzeit aus anderen Gründen vor der Absperrung geparkt, habe diese aber nicht übertreten.

Fassungslos zeigt sich auch der pensionierte Forstbeamten Hermann-Josef Rapp aus Reinhardshagen. Er sei ebenfalls „nachweislich nicht am Tatort gewesen.“ Rapp ist empört: „Das ist eine unglaublich falsche Verdächtigung.“ Alle Beschuldigten wollten die Vorwürfe so nicht stehen lassen, sagt er.

Geschäftsführer Paschold bestätigt auf HNA-Anfrage, dass Anfang Feburar „bewusst Schilder missachtet“ worden seien, auf denen die Worte „Vorsicht Lebensgefahr“ gestanden hätten. Einige Menschen hätten die Baustelle zum Erliegen gebracht. Man habe sich damals sofort entschieden, die Maschinen auszuschalten, um niemanden zu gefährden. Ohnehin stehe dies an erster Stelle. Zu den einzelnen Vorwürfen und Strafanzeigen wollte sich Paschold allerdings nicht öffentlich äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Polizei ermittelt sowohl be- als auch entlastend

Polizeisprecher Matthias Mänz bestätigt auf Anfrage, dass Anfang Februar bei der Polizei in Hofgeismar eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Nötigung erstattet worden ist, weil zuvor an diesem Tag mehrere Personen Absperrungen der Baustelle im Reinhardswald überwunden und für rund eine Stunde die Arbeiten behindert haben sollen. Mehrere mögliche Tatverdächtige seien vom Anzeigenerstatter benannt oder im weiteren Verlauf ermittelt worden. „Die Aufgabe der Polizei ist es, sowohl belastend als auch entlastend zu ermitteln“, sagt Mänz. „Ein Tatverdächtiger ist ja noch nicht schuldig gesprochen oder verurteilt, sondern erstmal nur verdächtig.“ Die Ermittlungen zum aktuellen Fall werden bei der Kriminalinspektion Staatsschutz des Polizeipräsidiums Nordhessen geführt und dauern aktuell an, heißt es weiter. (Daria Neu)

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