Kultusministerium kürzt Lehrerzuweisung

Hofgeismar. Das Hessische Kultusministerium will den Schulen in Zukunft weniger Lehrer zuweisen. Besonders betroffen sind Grundschulen und die gymnasiale Oberstufe.

Doch auch die Gesamtschulen in Hessen bekommen die Kürzungen zu spüren.

Dazu war Ende April ein Schreiben an alle Schulleiter verschickt worden. Darin wurde die schrittweise Senkung der Lehrerzuweisungen in den kommenden drei Schuljahren angekündigt.

Einzige Klasse im Landkreis 

Die Gesamtschulen im Kreisteil sind von den Plänen des Kultusministeriums nicht stark betroffen, eher im Gegenteil. So wird es ab dem kommenden Schuljahr an der Gustav-Heinemann-Schule in Hofgeismar eine sogenannte Intensivklasse geben, die bisher einzige im Landkreis Kassel. In einer solchen Klasse werden an weiterführenden Schulen und an Grundschulen den Kindern von Flüchtlingen und Asylsuchenden grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache vermittelt. „Nach dem derzeitigen Stand werden ab September 15 Schüler die Intensivklasse besuchen. Aber das kann sich ja bei der derzeitigen Situation jederzeit ändern“, erklärt der Schulleiter der Heinemann-Schule, Christoph Schwab. Neben den 22 Wochenstunden Deutsch nehmen die Kinder, die unter anderem aus Syrien und Eritrea stammen, auch am Musik-, Sport- und Kunstunterricht mit anderen Schülern im Klassenverband teil.

Derzeit fünf Wochenstunden 

Christoph Schwab

Im Moment finden für zehn Kinder mit Migrationshintergrund an der GHS bereits sogenannte Intensivkurse statt. Pro Schüler wird eine halbe Wochenstunde gerechnet. Das macht bei dem derzeitigen Schülerstand fünf Wochenstunden. Ob es die Intensivklasse auch nach dem Schuljahr 2015/2016 weiterhin in Hofgeismar geben wird, hänge von den Schülerzahlen ab. Im Moment sei die Intensivklasse für ein Jahr eingeplant. „Eine Weiterführung ist natürlich wünschenswert“, so Schwab. Auch die Marie-Durand-Schule in Bad Karlshafen bietet derzeit zwei Intensivkurse für Kinder mit Migrationshintergrund an. „Für das nächste Schuljahr wurden uns acht Wochenstunden zugewiesen. Wir würden gerne mehr anbieten“, sagt Karl-Erwin Franz, Schulleiter der Durand-Schule. Laut Angaben des Kultusministeriums auf seiner Internetseite sind für einen solchen Intensivkurs eigentlich mindestens 12 Wochenstunden eingeplant.

Franz, der auch Geschäftsführer des Arbeitskreises der Hessischen Gesamtschuldirektoren ist, erklärt sich die geringe Anzahl der Intensivklassen im Landkreis so: Die Anzahl der untergebrachten Flüchtlinge sei in der Stadt einfach höher als hier im ländlichen Raum.

Hintergrund

Die derzeitige Lehrerzuweisung in Hessen beträgt 104 Prozent. Dies war eines der Wahlversprechen der schwarz-grünen Landesregierung.

Laut eines Schreibens des Hessischen Kultusministeriums an die Schulleiter sollen die Lehrerzuweisungen vom Schuljahr 2015/16 bis zum Schuljahr 2017/18 schrittweise gesenkt werden. Besonders betroffen von den Kürzungen sind die gymnasialen Oberstufen.

Wie viel Personal die Schulen zugeteilt bekommen, hängt von der Schüleranzahl ab. Durch die Einsparungen werde die Anzahl der Schüler je Kurs in der Oberstufe steigen, gibt der Arbeitskreis der Hessischen Gesamtschuldirektoren zu Bedenken.

Die durch die Kürzungen frei werdenden Stellen sollen, wie es im Schreiben des Kultusministerium heißt, für Inklusion, Deutschförderung und Ganztagsschulen eingesetzt werden. Die Schaffung von bis zu 230 Stellen mehr an Ganztagsschulen, weitere 210 Lehrer für Deutschförderung, 100 Stellen für die Inklusion und 60 Lehrer für die Zuweisung nach Sozialindex, also an sogenannten Brennpunktschulen, sind vom Kultusministerium eingeplant.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa/Archiv

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