Doch kein Naturpark?

Land reagiert nicht auf Schutzantrag für Reinhardswald

Hofgeismar. Der Landkreis Kassel will archäologische Funde vor Schäden sichern. Vom Land Hessen gibt es aber keine Auskunft.

Das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden reagiert nicht auf wiederholte Anfragen und Anträge des Landkreises Kassel, den nördlichen Reinhardswald als flächenhaftes Bodendenkmal auszuweisen.

Lexikonwissen: Der Reinhardswald im Regiowiki

Es handelt sich dabei um den Teil des Waldes nördlich der Linie Gottsbüren-Gieselwerder, weil sich dort eine in dieser Form und Größe in Deutschland einzigartige mittelalterliche Siedlungs- und Kulturlandschaft erhalten hat. Bereits im Oktober hatte der Denkmalbeirat des Kreises, ergänzt durch einen Beschluss des Kreisausschusses vom Dezember 2014, beim damaligen Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Prof. Dr. Gerd Weiß, die Ausweisung als flächenhaften Bodendenkmal beantragt.

Als bis zum März weder eine Eingangsbestätigung noch irgendeine andere Form der Rückmeldung beim Landkreis eintraf, fragte Landrat Uwe Schmidt schriftlich beim Landesamts-Vizepräsidenten Jan N. Viebrock nach, welche Verfahrensschritte bisher eingeleitet wurden. Selbst auf persönliche Nachfrage beim zuständigen Bezirksarchäologen Dr. Sippel und beim Bezirkskonservator Dr. Wolf konnten diese keine Auskunft zum Antrag oder zum eingeleiteten Verfahren geben. Landrat Schmidt bezeichnete dies als „sehr befremdlich“.

Die HNA-Redaktion fragte ebenfalls schriftlich beim Landesamt nach und wollte wissen, ob schon eine Entscheidung gefallen ist, wie diese aussieht oder die Gründe, warum bisher nichts geschehen ist. Wir fragten außerdem, ob der Wechsel an der Amtsspitze im Mai damit zu tun hatte oder die Pläne der Landesregierung, im Reinhardswald den Bau von Windkraftanlagen und von Salzlaugenspeicherbecken zuzulassen.

Auf erneute Anfrage erfuhr die HNA lediglich, dass das komplexe Thema an den Justiziar des Amtes weitergeleitet worden sei. Von dort kam bisher keine Antwort.

Einzigartige Fülle von Denkmälern

Verschont vor weiterer Beackerung und Bebauung hat sich im nördlichen Reinhardswald eine komplette und deshalb einzigartige Siedlungs- und Kulturlandschaft mit umfangreichen mittelalterlichen Wölbäckerfluren und wüsten Siedlungsplätzen erhalten. In diesem Waldbereich finden sich etwa 100 Hügelgräber der Bronzezeit (zeitgleich mit den ägyptischen Pyramiden). Weitere Bodendenkmäler sind frühmittelalterliche Relikte von Bergbau, Waldglashütten und Tonabbau. Dazu kommt am Nordrand die weitgehend unerforschte Befestigungsanlage der Sieburg. Da die Bodendenkmäler fast alle im Staatswald liegen, wurde bisher auf einen besonderen Schutz verzichtet.

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