Streit um Würgassen 

Ehemaliger Politiker kritisiert Entscheidung zu Atommüll-Logistikzentrum - „Entscheidung strategisch falsch"

Geplanter Standort für ein Atommüll-Logistikzentrum: das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks in Würgassen. Es wurde 1994 stillgelegt und bis 2014 zurückgebaut. Das ehemalige Kraftwerk befindet sich im Landkreis Höxter in Nordrhein-Westfalen, grenzt aber an den Landkreis Kassel. 
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Geplanter Standort für ein Atommüll-Logistikzentrum: das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks in Würgassen. Es wurde 1994 stillgelegt und bis 2014 zurückgebaut. Das ehemalige Kraftwerk befindet sich im Landkreis Höxter in Nordrhein-Westfalen, grenzt aber an den Landkreis Kassel. 

In einem offenen Brief kritisiert der ehemalige Landrat des Kreises Kassel Dr. Udo Schlitzberger die Entscheidung zu Würgassen. Dort soll ein Logistik-Zentrum für Atommüll entstehen. Auch aus der Anwohnerschaft regt sich Protest. 

  • In Würgassen (NRW) soll ein Logistikzentrum für Atommüll entstehen
  • Der ehemalige Landrat des Kreises Kassel kritisiert die Pläne
  • Würgassen (Teil von Beverungen im Kreis Höxter) grenzt an den Landkreis Kassel 

Landkreis Kassel - In einem offenen Brief kritisiert der ehemalige Landrat des Kreises Kassel Dr. Udo Schlitzberger den Ausschluss von Grohnde als Standort für das Atommüll-Logistikzentrum. Fragen und Antworten

Es ist ein Thema, bei dem sich die heimische SPD und ein ehemaliger SPD-Landrat so gar nicht mit ihrer Parteikollegin und Bundesumweltministerin einig sind. Daher hat Dr. Udo Schlitzberger nun einen offenen Brief an Svenja Schulze geschrieben, den er auch Abgeordneten und Kommunalpolitikern im Dreiländereck zur Kenntnis geben will.

Darin kritisiert der Caldener, dass ein möglicher Alternativstandort in Grohnde nicht in die engere Wahl gezogen wurde. Wir haben wichtige Fragen und Antworten dazu zusammengefasst:

Würgassen: Atommüll-Logistikzentrum soll an Landkreis Kassel grenzen

Ein Logistikzentrum für schwach- bis mittelradioaktiven Atommüll. Bis zu 10 000 jährlich sollen ab 2027 aus ganz Deutschland angeliefert, sortiert und in das noch in Bau befindliche Endlager Konrad in Salzgitter transportiert werden, vor allem per Güterzug.

Im März war dieses Projekt, das auf dem Gelände des bis 1994 betriebenen Kernkraftwerks geplant ist, öffentlich vorgestellt worden. Das war für das Dreiländereck, auch für das nahe Bad Karlshafen, überraschend gekommen und hat anhaltende Proteste ausgelöst – über Partei- und Landesgrenzen hinweg.

Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen:  Warum schreibt der ehemalige Landrat des Kreises Kassel  an die Ministerin?

Er habe sich als Landrat und als Landtagsabgeordneter des nördlichsten Wahlkreises Hessen seit den 70er-Jahren mit dem Kernkraftwerk Würgassen beschäftigt und sich „aus Sicherheitsaspekten lange vor der sog. Energiewende“ für dessen Stilllegung engagiert. „Ich bitte um Verständnis, dass ich dieses Engagement auch im Un-Ruhestand fortsetze“, schreibt er in dem dreiseitigen Papier.

Landkreis Kassel: Was steht im Brief zum Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen?

Kurz gesagt: Der 73-Jährige hält das 50 Kilometer entfernte Grohnde in Niedersachsen für den besseren Standort. Das dortige Kernkraftwerk soll, wie berichtet, im nächsten Jahr stillgelegt werden. Diesen Standort hatte die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) als einen von 28 für das Lager im Blick, aber nicht in die engere Wahl genommen. Das hält Udo Schlitzberger für „politisch problematisch, für ökonomisch und ökologisch für nicht nachvollziehbar und für strategisch falsch“.

Wie begründet der ehemalige Landrat des Kreises Kassel seine Aussagen zum Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen?

Sozialdemokrat Schlitzberger führt, auch im Wortlaut, gegenüber seiner Parteikollegin Schulze ähnliche Argumente an wie die SPD-Fraktion, die einen Antrag dazu im Kreistag einbringen will. Zusammengefasst: Zum einen würde der Bau eines Zwischenlagers in Würgassen den Tourismus in der Region, auch in Bad Karlshafen, negativ beeinflussen. Zum anderen sei Grohnde unter den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Logistik der bessere Standort.

Grenzt an Landkreis Kassel an: Was sagt die Gesellschaft für Zwischenlagerung zur aktuellen Diskussion?

Die hatte gegenüber unserer Zeitung auf die Forderungen der SPD-Fraktion reagiert und erklärt, dass der Standort Grohnde nicht in Frage komme. Der Platz dort reicht aus Sicht der BGZ nicht aus. Zudem stehe nach der für Ende 2021 vorgesehenen Stilllegung des Atomkraftwerks dort erst der Rückbau an – und das vor dem Hintergrund des Zeitplans, der den Betrieb des Logistikzentrums ab 2027 vorsieht. Im selben Jahr soll auch das Endlager Konrad fertig werden. 

Von Matthias Müller

Zu einer Mahnwache versammelten sich rund 60 Leute in Würgassen. Sie protestierten gegen Arbeiten für die geplante Errichtung eines Zwischenlagers für Atommüll.

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