Speditionen bringen Mais ins Hochwassergebiet

Landwirte aus Kreis Kassel spenden Futter für Kühe im Ahrtal

Landwirte helfen einander: Zehn Tonnen Maissilage hat Helmut Grandjot (rechts) am Freitag für Kollegen im Ahrtal gespendet. Rene Ritter vom Bauernverband hat das vermittelt und Micha Kaufmann (links) fährt den Lkw.
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Landwirte helfen einander: Zehn Tonnen Maissilage hat Helmut Grandjot (rechts) am Freitag für Kollegen im Ahrtal gespendet. Rene Ritter vom Bauernverband hat das vermittelt und Micha Kaufmann (links) fährt den Lkw.

Micha Kaufmann ist in den vergangenen Wochen wiederholt im Ahrtal gewesen. Dort hat er die Schäden, die die Flutwelle vor vier Wochen angerichtet hat, mit eigenen Augen gesehen.

Schöneberg - „Ich war nie in einem Krieg, aber so stelle ich mir Chaos und Zerstörung vor“, sagt Kaufmann. Wie viele andere Freiwillige hat sich der Berufskraftfahrer entschlossen, bei den Aufräumarbeiten mit anzupacken.

„Wenn man einmal da war, dann will man helfen“, sagt er und ist am Freitagnachmittag wieder losgefahren, um über das Wochenende Schutt, Gerümpel und Müll aufzuladen und auf Deponien zu entsorgen.

Doch Kaufmann ist nicht mit leerem Lkw ins Ahrtal gefahren. In dem zehn Tonnen fassenden Container hat er Maissilage von der Biogasanlage des Schöneberger Landwirts Helmut Grandjot geladen. Die Silage wird dringend von Milchviehbetrieben benötigt, die derzeit kaum noch über Futterreserven für ihre Herden verfügen.

An dieser Stelle kommt die Hofgeismarer Geschäftsstelle des Regionalbauernverbandes Kurhessen ins Spiel: Dort hatte Mitarbeiter Rene Ritter erfahren, dass zwei Milchviehbetrieben an der Ahr das Futter für ihre jeweils über 100 Tiere zählenden Herden ausgeht. Denn die große Flut Mitte Juli hatte Vorräte weggespült und den Bewuchs von Wiesen und Feldern hinweggerissen.

Ritter weiß, dass Hilfsbereitschaft unter Landwirten kein Fremdwort ist. Kurzerhand setzte er eine Rundmail ab und fragte unter den Biogasbetreibern der Region, ob jemand mit Silomais aushelfen könne. Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten: Außer Helmut Grandjot boten auch Timo Hofmeyer (Carlsdorf), Henning Hillebrand (Gründefeld) und Lars Peter (Espenau) das begehrte Futter an. Und so konnten am Freitag insgesamt über 40 Tonnen Maissilage die Höfe der hiesigen Bauern verlassen, um ins Ahrtal transportiert zu werden.

Helmut Grandjot hat stets etwa 120 bis 150 Prozent der Menge, die er für seine Biogasanlage tatsächlich braucht, im Lager bevorratet. Daher ist er in der Lage, von seinen Vorräten einen Teil an die in Not geratenen Kollegen im Ahrtal zu spenden, ebenso wie Henning Hillebrand, Lars Peter und Timo Hofmeyer.

Die Hilfsaktion käme allerdings nicht zu stande, wenn nicht auch die hiesigen Transportunternehmen mitspielten: Das sind die Liebenauer Firma Trömel sowie die Kasseler Betriebe Remhof, Fischer und Räder. Während die Firmen ihre Lkw über das Wochenende zur Verfügung stellen, fahren Micha Kaufmann, sein Kollege Björn Harmann und andere Kollegen ehrenamtlich für die gute Sache. Und damit die Brummi-Fahrer sich nachts zur Ruhe legen können, hat die Firma Wohnwagen Becker aus Fuldatal-Ihringshausen einen Wohnwagen bereitgestellt.

Rene Ritter vom Bauernverband weiß aus vielen Anrufen und Emails der Mitglisdsbetriebe, dass fast alle bereit sind, im Ahrtal zu helfen. So seien bereits außer Silage vielfach auch Heu und Stroh angeboten werden. Produkte, die in unserer Region gerade in ausreichenden Mengen und Qualitäten eingebracht werden. „Weil unsere Betriebe in diesem Jahr von extremen Wetterereignissen weitgehend verschont worden sind“, so Ritter. (Gerd Henke)

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