Erbsen und Bohnen statt Soja

Landwirte in Hofgeismar wollen neue Wege gehen

Zwei Menschen stehen in einem Feld voller Ackerbohnen.
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Zwischen Ackerbohnen: Imker-Vorsitzende Tanja Müller und Jörg Kramm vom Regionalbauernverband sehen sich die Pflanzen an, die für Landwirte wie Imker wichtig sind.

Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen werden künftig häufiger auf den Feldern im Kreisteil Hofgeismar wachsen.

Hofgeismar - Mit diesen Hülsenfrüchten aus heimischem Anbau können Bauern importierte Futtermittel wie Soja zumindest teilweise ersetzen, sagt Pflanzenbauberater Eberhard Cramer vom Pflanzenschutzdienst beim Regierungspräsidium Gießen.

Der Grebensteiner Landwirt Jörg Kramm weist auf eine weitere Nutzungsmöglichkeit der Lupine hin. Vor allem in Süddeutschland werde die Pflanze als Lebensmittel verwendet. Sie werde zu glutenfreiem Mehl und als Müsli-Zutat verarbeitet. Das mache Lupinen auch für Direktvermarkter interessant.

Gut für viele Insekten

„Ich freue mich über jede Tonne Soja, die ich nicht kaufen muss“, ergänzt Kramm. Er verfüttert vor allem Ackerbohnen an die Schweine, die er in seinem Betrieb mästet.

Über die Hülsenfrüchte auf den Feldern freuen sich auch die Imker: Denn viele Insekten, wie zum Beispiel Bienen, fliegen Erbsen, Bohnen und Lupinen an, um dort Nektar und Pollen zu sammeln. Bis zu 40 Insektenarten wurden allein in Ackerbohnen gefunden, erklärt Tanja Müller, Vorsitzende des Kreisimkerbundes. Hülsenfrüchte förderten die Artenvielfalt, ergänzt die Imkerin aus Liebenau.

Anbau nur mit Förderung

Kramm, der stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen ist, nennt einen weiteren Vorzug der Ackerbohne: „Wir düngen die Bohne nicht.“ Die Hülsenfrüchte sammeln mithilfe von Bakterien Stickstoff aus der Luft. Auch beim Pflanzenschutz kämen die Anbauer mit geringen Mengen aus.

Allerdings haben die Hülsenfrüchte auch einen Haken: Ihr Anbau lohne sich nur, wenn staatliche Förderprogramme genutzt werden, sagt Berater Cramer. Die Erntemengen schwankten noch zu sehr. Auch die regionale Vermarktung müsse noch entwickelt werden. Nur ein Mischfutterwerk in der Region verarbeite derzeit Erbsen und Bohnen. Der Anbau werde die Vielfalt in der Kulturlandschaft vergrößern, ergänzt Kramm. Die Pflanzen können beispielsweise Teile der Raps-Produktion ersetzen.

Ernte mit dem Mähdrescher

Die Früchte von Erbsen, Bohnen und Lupinen ernten Landwirte wie Getreide mit dem Mähdrescher, erklärt Landwirt Jörg Kramm. Die Körner werden getrocknet, in Futterwerken gemahlen und dann zu Tierfutter weiterverarbeitet. So kann Soja ersetzt werden, das aus Südamerika importiert werden muss. Beim Anbau müssen Bauern einiges beachten. So müssen mehrere Jahre vergehen, bis auf derselben Fläche wieder Erbsen oder Lupinen angebaut werden können. 

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