Teamwork ist gefragt

Landwirte müssen zusammenarbeiten: Futterbörse bietet schnelle Hilfe

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Erntemaschine: Darius Schröder erntet mit dem Maishäcksler eine Fläche ab. Die Maschine erntet auf einer Breite von 7,50 Meter zehn Reihen Mais gleichzeitig.

Hofgeismar. Die heimischen Landwirte rücken angesichts der lang anhaltenden Trockenperiode zusammen. Fehlt einem Betrieb Futter, können sich die Kollegen noch untereinander aushelfen.

Der Regionalbauernverband Kurhessen hat erstmals eine Futterbörse eingerichtet, um die Lage zu entlasten. 

Landwirt Elmar Möcklinghoff hat gerade einem Kollegen Mais aus seiner Biogasanlage „geliehen“. Der hat den Silomais als Futter für seine Kühe abgeholt. Aus dem Ernte-Ertrag der nächsten Jahre soll der „ausgeliehene“ Mais zurückgegeben werden, erklärt der Landwirt von der Hofgeismarer Papiermühle. Ein Pferdehof aus dem Raum Göttingen hat bei ihm Gras abgeholt. 

Mit der Futterbörse will der Regionalbauernverband Kurhessen die Landwirte unbürokratisch unterstützen, sagt Stefan Strube. Auf der Internet-Seite des Verbandes bieten Bauern ihre Produkte an. Neben Heu, Mais, Stroh und Grassilage gibt es unter anderem Gurkenabschnitte und Luzerne. Sogar ein Bauer aus Rheinland-Pfalz bietet über diese Börse seinen Mais an. 

Mit geringeren Ernte-Erträgen müssen die Betreiber von Biogas-Anlagen zurechtkommen. Für die Anlage an der Papiermühle gibt es trotz der deutlich schlechteren Ernte noch keine Einschränkungen. Elmar Möcklinghoff konnte durch Zufall im vergangenen Jahr auf mehr Flächen Mais anbauen lassen. Den deutlich geringeren Ertrag kann er durch die größere Anbaufläche ausgleichen. Andere Anlagenbetreiber müssen gegebenenfalls zukaufen, was höhere Kosten verursacht. 

Mit Sorge guckt der Sprecher des Bauernverbandes auf das nächste Jahr: „Wir hoffen, dass 2019 nicht nochmal so eine Dürre kommt. Dann können die Landwirte nicht mehr von ihren Vorräten profitieren“, sagt Strube. Ein weiteres Trockenjahr gefährde die Existenz vieler Betriebe.

Blick in die Fahrerkabine: Darius Schröder bei der Maisernte auf dem Feld.

Teamwork im Vordergrund

Bei der Maisernte arbeiten die Landwirte gemeinsam: Man hilft sich untereinander. Das ist auf den Feldern gut zu sehen, wenn dort die großen Maishäcksler unterwegs sind.

Ein Trecker nach dem anderem fährt mit seinem großen Anhänger aufs Feld. Dann füllt der Häcksler in wenigen Minuten den großen Hänger. Ist der vollbeladen, wird der Mais ins Silo gebracht – und der nächste Trecker setzt sich neben den Häcksler.

Ein Landwirt könnte das mit seinem Fuhrpark allein gar nicht bewerkstelligen, erklären Stefan Strube vom Regionalbauernverband und Landwirt Helmut Grandjot. Deswegen helfen sich die Kollegen untereinander. Heute wird hier geerntet. Wenn das abgeschlossen ist, ziehen Häcksler sowie die Landwirte auf ihren Treckern zum nächsten Hof.

An diesem Tag sind die Landwirte auf den Flächen des Hofs Papiermühle unterwegs. Landwirt Elmar Möcklinghoff ist zumindest beim Mais glimpflich davongekommen. Weil er 2017 auf zusätzlichen Flächen Mais anbauen ließ, reicht die Ernte 2018 trotz geringerer Erträge, um die Biogasanlage an der Papiermühle betreiben zu können.

Der Hitzesommer führt im Raum Hofgeismar dazu, dass die Maisernte fünf Wochen früher als üblich abgeschlossen werden kann. Das spüren die Landwirte durch ihre Arbeitsbelastung: Weil die Ernte „komprimiert“ war, ist die Belastung deutlich angestiegen, sagt Möcklinghoff.

Und mit der Arbeitsbelastung auch die Kosten. Denn fast alle Kollegen müssten die geringeren Ernte-Erträge ausgleichen – ganz unabhängig davon, was sie angebaut haben. Entweder belasten Zukäufe die Finanzen – oder die Transportwege, um fehlendes Futter heranzuschaffen. Beides führt für die Bauern zu höheren Kosten, sagt Möcklinghoff.

Landwirt Helmut Grandjot zeigt einen Maiskolben. Bei genügend Feuchtigkeit müsste der bis zur Spitze Körner ausgebildet haben.

Dazu kommen noch andere Schwierigkeiten. Landwirte wissen, dass sie beim Befüllen ihrer Silos auf die Bildung von Gärgasen achten müssen. Meist ist das Kohlendioxid, das sich am Boden sammelt und dort den Sauerstoff verdrängt. Das kann zu Unfällen führen.

Trockener Mais im Silo birgt noch eine andere Gefahr: Er kann stark ätzende Nitro-Gase abgeben, sagt Elmar Möcklinghoff. Dieses orangefarbene Gas hat er in den vergangenen Tagen auch auf seinem Hof beobachtet. Nitro-Gase können tödlich sein. Dementsprechend sind die Landwirte sensibilisiert. Sollten sie auftreten, zieht man sich am besten zurück und nimmt auch die Maschinen mit, erklärt Möcklinghoff. Bildet sich das Gas, heißt es abwarten: Nach einigen Tagen hat es sich zersetzt. Dann kann weitergearbeitet werden.

Bisher sind im Raum Hofgeismar noch keine Unfälle damit passiert, berichtet die Feuerwehr.

Mais zum Teil auf den Feldern vertrocknet

Die Maisernte, die auf den Abschluss zuläuft, war im Raum Hofgeismar ganz unterschiedlich. Die meisten Bauern erwarten nach der langen Trockenheit deutlich geringere Erträge. Teilweise ist der Mais schon auf den Feldern vertrocknet. Einige Landwirte sind glimpflicher davongekommen. 

Der Ertrag kann schon von Feld zu Feld sehr unterschiedlich sein. Das ist davon abhängig, ob dort eine Vorfrucht angebaut wurde, die Feuchtigkeit aufgenommen hat, und natürlich vom Regen, erklärt Landwirt Elmar Möcklinghoff. Die Niederschlagsmenge kann in diesem Sommer schon von Feld zu Feld ganz unterschiedlich sein. 

Die geringeren Erträgen – egal, ob für Viehfutter oder Biogasanlagen, müssen durch Zukäufe ergänzt werden. Das belastet die Landwirte natürlich zusätzlich.

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