"Ich habe nicht nachgedacht, sondern gehandelt."

Er rettete seinem Nachbarn das Leben: Kellermann über das Feuer in Hofgeismar 

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Hier brannte es: Am Dienstagabend war in Hofgeismar Auf dem Mühlenfeld in einer Dachgeschosswohnung ein Feuer ausgebrochen. Als Ursache gab die Polizei Fahrlässigkeit an.

Hofgeismar. Dichter, schwarzer Rauch, Hitze und Flammen schlugen Andreas Kellermann entgegen, als er es endlich schaffte, die Tür seines Nachbarn mit einem Brecheisen aufzuhebeln. 

„Es war alles dunkel, ich konnte nichts sehen“, sagt der 28-Jährige, der bei einem Wohnungsbrand am Dienstagabend einen 49-jährigen Mann vor schweren Verletzungen oder gar dem Tod bewahrt hat.

Er habe nur die Hand seines Nachbarn erkennen können und ihn daran aus der brennenden Wohnung herausgezogen.

Bis der 49-Jährige in Sicherheit war, hatten sich dramatische Szenen in dem Hofgeismarer Mehrfamilienhaus abgespielt. Als Kellermann den Rauchmelder in der Nachbarswohnung Alarm schlagen hörte und dieser auch nach zwei Minuten nicht verstummte, handelte er sofort: „Meine Freundin hat den Notruf abgesetzt und ich habe versucht, die Tür einzutreten.“ Da diese standhielt, holte er ein Brecheisen aus dem Keller und hebelte die Tür auf. Angst, sich selbst zu verletzen, hatte der 28-Jährige nicht. „Ich habe nicht nachgedacht, sondern einfach gehandelt. Auch wenn ich mich selbst in Gefahr gebracht habe – das war es wert.“

Tür aufgebrochen: Mit dieser Brechstange bekam Andreas Kellermann die Tür auf. Er will sein Gesicht nicht zeigen. 

Besonders nahe gegangen seien ihm die Hilferufe seines Nachbarn. Er habe „holt mich hier raus“ und „es brennt“ gerufen. Da der 49-Jährige körperlich stark eingeschränkt ist, konnte er sich nicht selbst aus der Wohnung retten. „Für mich ist es selbstverständlich, in solch einer Situation zu helfen. Jeder Mann sollte so handeln.“

Um sich vor dem giftigen Rauch zu schützen, hat Kellermann, der von Beruf Schweißer ist, bei der Rettungsaktion die Luft angehalten. „Als ich in der Wohnung war, habe ich überhaupt nicht geatmet“, sagt er. Er habe später nur ein leichtes Halskratzen verspürt. Ihm ging es so gut, dass er am selben Abend noch in die Nachtschicht ging.

Auch nach der Rettung verlor er nicht die Nerven und handelte weiter vorbildlich: Da sein Nachbar an Diabetes leide, kümmerte er sich sofort darum, ihn mit Cola zu versorgen. „Ich weiß, dass er zuckerkrank ist und wollte nicht, dass es ihm noch schlechter geht.“

Fest steht, dass das 49-jährige Opfer Glück gehabt hat. Glück mit einem Nachbarn, der trotz eines hohen Risikos für seine eigene Gesundheit alles getan hat, um einem anderen Menschen das Leben zu retten.

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