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Parkraum und Pandemie sind aktuelle Herausforderungen in Hofgeismars Innenstadt

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Von: Thomas Thiele, Daria Neu

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Der ehemalige Schreibwarenladen Tintenklecks (rechts) ist eines der leer stehenden Gebäude. Die Bauweise der alten Häuser ist für neue Pläne eine Herausforderung.
Der ehemalige Schreibwarenladen Tintenklecks (rechts) ist eines der leer stehenden Gebäude. Die Bauweise der alten Häuser ist für neue Pläne eine Herausforderung. © Tanja Temme

Leere Schaufenster und verfallene Gebäude – ein Zustand, den jede Stadt vermeiden will, mit dem aber fast jede umzugehen hat. So ist Leerstand auch für Hofgeismar ein großes Thema.

Hofgeismar – Nette Gassen zum Flanieren, kleine originelle Lädchen zum Stöbern und das eine oder andere Restaurant zum Verweilen – eigentlich hat Hofgeismars Fußgängerzone alles, was eine kleine Stadt braucht. Und trotzdem muss sie sich zahlreichen neuen Herausforderungen stellen, um für ihre Bewohner und Besucher noch attraktiv zu bleiben. Leerstand ist auch in der Dornröschenstadt eines der zentralen Themen. Bürgermeister Torben Busse ist sich sicher: „Um diese Aufgabe zu bewältigen, muss jeder Einzelne mit anpacken.“

Der Trend zum Online-Shopping und die anhaltende Pandemie seien zwei aktuelle Probleme, die die Luft für Hofgeismars Einzelhändler und Gastronomen in der Innenstadt dünn werden ließen. „Wenn die meisten nur noch daheim sitzen und online bestellen, müssen wir uns nicht wundern“, sagt Busse. „Jeden Euro kann man nur einmal ausgeben.“ Der Rathauschef hoffe, dass dies perspektivisch wieder mehr in der Fußgängerzone stattfinden wird. Wo die Menschen das Einkaufen früher als soziale Tätigkeit, als Hobby gesehen hätten, sei es vor allem seit Beginn der Coronakrise eher etwas schnell zu Erledigendes. Schade, findet Busse.

Die Kritik an Hofgeismars Innenstadtleben kenne der Bürgermeister. „Hochgeklappte Bürgersteige“, zu viele leer stehende Gebäude, mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Geschäftstreibenden, das sind nur einige Beispiele. Zum Teil könne er sie auch nachvollziehen. „Aber der Gürtel für die Geschäftsleute ist nun einmal auch sehr eng.“ Strengere Auflagen würden Neueröffnung im Vergleich zu früher extrem erschweren.

Blick in die Fußgängerzone in Hofgeismar: Bürgermeister Torben Busse schätzt die Geschäfte in seiner Heimatstadt. Das Thema Leerstand ist ihm dennoch sehr bewusst.
Blick in die Fußgängerzone in Hofgeismar: Bürgermeister Torben Busse schätzt die Geschäfte in seiner Heimatstadt. Das Thema Leerstand ist ihm dennoch sehr bewusst. © Tanja Temme

Und da sei da noch die größte Herausforderung. Das Anliegen Nummer eins, mit dem sich die Bürger und auch Einzelhändler immer wieder an die Stadt wenden würden. „Wir brauchen mehr Parkmöglichkeiten in der Innenstadt“, betont Busse.

Eine attraktive und belebte Fußgängerzone schaffen

Diesem Thema wolle er selbstverständlich die nötige Bedeutung beimessen, ansonsten seien der Stadt selbst aber bei der Mammutaufgabe, eine attraktive und belebte Fußgängerzone zu schaffen, weitestgehend die Hände gebunden. „Unser Einfluss ist gering.“ Sie könne Anreize schaffen, als Managerin fungieren, Kontakte unter den Einzelhändlern knüpfen. „Aber die Möglichkeiten der Stadt hören dort auf, wo die Liegenschaften in anderen Händen liegen.“

Tipps zu geben und eine Unterstützung zu sein, das sei das A und O. Schließlich gebe es auch attraktive Förderprogramme, mithilfe derer die Händler ihre Vorhaben verwirklichen können. Aber am Ende seien es die Investoren selbst, die die Entscheidungen treffen müssten, wie und unter welchen Umständen sie ihr Geschäftsangebot gestalten.

Lösungsvorschläge, wie die Zusammenarbeit der Gewerbetreibenden in Hofgeismar aber zukünftig besser laufen könne, hat Busse trotzdem: „Sinnvoll wäre zum Beispiel eine Vereinheitlichung von Öffnungszeiten.“ Bring-Dienste nach Hause und ein eigener Onlineauftritt könnten ebenso helfen, in den Köpfen der Hofgeismarer präsent zu bleiben. Eine belebte Innenstadt zu entwickeln, sei nicht mehr auf dieselbe Art und Weise möglich, wie es früher der Fall gewesen wäre, da ist sich Busse sicher.

„Wir müssen uns als Kaufhaus Hofgeismar begreifen“

„Es ist ein Umdenken notwendig.“ Dieses beträfe vor allem die Frage „Wo ist Handel sinnvoll und wo ist es vielleicht besser, in Richtung Wohnraum zu denken?“ Von großer Bedeutung sei außerdem eine enge Vernetzung zwischen den Einzelhändlern und Gastronomen. „Wir müssen uns als Kaufhaus Hofgeismar begreifen“, sagt Busse – das sei ganz wichtig.

„Jede Stadt dieser Größe hat ein Leerstandsproblem“, betont der Bürgermeister zudem. Dass sich die Stadt selbst zu großen Teilen als Investorin einbringe, sei nicht zielführend. Besser sei es, attraktiv für Investoren zu sein, die eigene Projekte auf den Weg bringen wollen.

Laut Busse gibt es in Hofgeismar bereits viele kreative Vorstöße, wie sich die Stadt in der nächsten Zeit verändern könnte. Dazu gehören mehrere Besitzerwechsel am Steinweg, durch die etwas Neues entstehen soll. Außerdem werde sich etwas in der ehemaligen Goldschmiede am Rathaus tun.

Das Apothekenviertel werde durch einen Investor für viel Geld auf Vordermann gebracht. Anstelle des Rossmanns in der Fußgängerzone käme ein neuer Laden. Mit Stillstand hätten diese Bewegungen jedenfalls gar nichts zu tun, findet der Bürgermeister. (Daria Neu, Thomas Thiele)

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