Tiere stammen aus dem Solling

Der Luchs-Nachwuchs im Reinhardswald war nur zu Besuch

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Zwei junge Luchse im Reinhardswald: Christoph Vadersen, Revierförster in Gieselwerder, gelang dieses Bild der Jungtiere im Herbst. Inzwischen weiß man, dass der Nachwuchs aus dem Solling kommt.

Es gibt doch keinen Luchs-Nachwuchs aus dem Reinhardswald. Die vier Jungtiere, die kurz vor Weihnachten dort beobachtet wurden, stammen aus dem benachbarten Solling.

Das hat die Auswertung von Bildern aus Fotofallen ergeben, berichtete Dr. Markus Port von der Arbeitsgruppe Naturschutzbiologie der Universität Göttingen auf Anfrage.

Die Mutter der Jungtiere konnte anhand der Bilder identifiziert werden. Sie war schon 2018 mehrfach im Solling beobachtet und fotografiert worden. Inzwischen stellte sich heraus, dass das Tier mit seinem Nachwuchs im Sommer 2019 ebenfalls in seinem heimischen Waldgebiet nördlich der Weser unterwegs war.

Luchse tappten in die Fotofalle 

Im Februar und März 2019 hatten Fotofallen sie dagegen im Reinhardswald dokumentiert. Im Spätherbst wurde sie mehrfach mit ihren Jungtieren wieder in dem größten hessischen Waldgebiet beobachtet und fotografiert. Kurz vor Weihnachten kam dann die offizielle Mitteilung aus dem Umweltministerium, dass es Luchsnachwuchs gebe – der erstmals aus dem Reinhardswald kommen sollte (HNA berichtete).

Diese Nachricht war für die Naturfreunde in der Region wichtig – und kam zu dem Zeitpunkt gänzlich unerwartet. Denn die kleine Luchspopulation, die es zwischen Kaufunger Wald und Schwalm-Eder-Kreis gegeben hatte, war zusammengebrochen. Von einst sechs Tieren, die dort auch Nachwuchs hatten, waren zwei Männchen geblieben, die Felux und Yuki genannt wurden. Auf sie gab es aber schon länger keine Hinweise mehr. Deswegen war die neue Luchs-Familie besonders wichtig. Mit ihr sollte sich die nordhessische Population erholen, so die Erwartung der Beobachter.

Hoffen auf Rückkehr der Katzen

Diese Hoffnung will Markus Port nicht nehmen: Wenn unter den vier Jungtieren ein oder zwei Weibchen sind, könnten sie sich in der Nähe des mütterlichen Reviers niederlassen. Und damit möglicherweise im Reinhardswald, den sie ja inzwischen schon kennengelernt haben. Männliche Luchse (Kuder) streifen weit umher. Luchskatzen dagegen bleiben ihrem Revier – zwischen 100 bis 200 Quadratkilometern groß – zumeist treu.

Die Luchsbeauftragte Petra Walter, auch Revierförsterin in Holzhausen, konnte Haare der Jungtiere sammeln. Die wurden im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie genetisch untersucht. Dabei stellten die Wissenschaftler im Senckenberg-Institut für Naturschutzgenetik in Gelnhausen fest, dass unter den vier Jungtieren mindestens zwei Männchen sind. Anhand der Bilder aus den Fotofallen konnte das Geschlecht der Jungtiere nicht ermittelt werden, ergänzte Markus Port von der Uni Göttingen. Auch die Luchsbeauftragte Petra Walter hofft auf eine Rückkehr der großen Katzen: „Vielleicht kommen die Jungtiere ja zurück in den Reinhardswald. Sie wären uns hier jedenfalls sehr willkommen.“ 

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