Gefahr auch für Kühe

Mäher töten Tausende Rehkitze: Bauern hoffen auf Drohnentechnik

Stefan Strube

Hofgeismar. In diesen Wochen mähen die Landwirte zum ersten Mal die Wiesen. Tausende Rehkitze sterben dabei wieder einen grausamen Tod.

Die Rehkuh legt die Kitze zum Schutz in das hohe Gras, die Landwirte übersehen die Tiere und überfahren sie mit der Mähmaschine. Einige Rehkitze sterben dabei sofort, andere bleiben mit schweren Verletzungen liegen und müssen schließlich von Jägern erschossen werden. Auch andere Wildtiere sind betroffen.

„Das ist auch in unserer Region ein großes Problem“, bestätigt Stefan Strube vom Regionalbauernverband in Hofgeismar. Besonders bei der ersten Grasernte passiere es immer wieder, dass die Bauern Kitze übersähen und mit den Maschinen töteten. „Leider können wir das aber nicht vollständig verhindern.“ Viele Bauern gingen zwar im Vorfeld die Felder ab, aber „die Flächen sind oftmals so groß, dass die Landwirte das alleine kaum leisten können“.

Auch bei Hessen-Forst in Reinhardshagen ist das Kitz-Sterben jedes Jahr Thema. „Das Konzept sieht vor, dass Jäger vor dem Mähen Pfähle mit Stoffstreifen auf die Felder stecken“, erklärt Wilfried Bettenhausen. Die Pfähle sollen die Wiesen unruhig wirken lassen und die Rehkühe davon abhalten, den Nachwuchs im Gras abzulegen. Das würde in der Praxis auch nach Möglichkeit so gemacht, der Erfolg hänge aber davon ab, wie gut die Zusammenarbeit von Jägern und Bauern funktioniere.

Die Kitze durch Abgehen der Wiesen aufzuspüren sei sehr schwierig. „Die Tiere verstecken sich sofort, wenn sie etwas hören“, sagt Bettenhausen. Deshalb seien auch sogenannte „Wildretter“, die einige Bauern an ihren Mähmaschinen angebracht haben, nur eingeschränkt erfolgreich. „Die Geräte berühren die Wiese kurz vor dem Mähen ein bisschen, um die Kitze zu verscheuchen.“ Viele Tiere würde das aber dazu animieren, sich noch tiefer im Gras zu verstecken. Vorbeugen könne man nur erfolgreich, indem man auf die Rehkühe einwirkt, damit sie die Kitze gar nicht erst im Gras ablegen.

Gefährlich kann das Rehkitz-Sterben auch für Kühe werden. Aus dem gemähten Gras stellen die Bauern Silage als Futtermittel für ihr Vieh her. Werden Teile von getöteten Tieren mit verarbeitet, können hochgefährliche Bakterien entstehen, an denen die Kühe schließlich sterben, wenn sie die verseuchte Silage fressen. „Sieht ein Landwirt, dass ein Rehkitz übermäht wurde, dann verarbeitet er das Gras nicht weiter“, sagt Strube.

Trotzdem könne es vereinzelt vorkommen, dass Fleisch in die Silage gerät. „Die Landwirte bekommen nicht immer mit, wenn ein Kitz im Gras lag. Unser Ziel ist aber, ein sauberes Futter zu produzieren.“

Beim Bauernverband hofft man darauf, dass die Drohnentechnik das Kitz-Sterben in naher Zukunft verhindert. Mancherorts werden bereits Flugdrohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt, um die Tiere vor dem Mähen aufzuspüren.

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