Zwei Kuhkinder im Training

Marit und Ida Scholle trainieren täglich für Kälbervorführung in Landau

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Ida und Marit Scholle üben derzeit für eine Kälbervorführung bei der Tierschau in Landau. Fast täglich sind die beiden Schwestern mit den Tierkindern auf ihrem Grundstück unterwegs, wo sich fleißig auf die Vorführung vorbereitet wird.

Schöneberg. Jeden Tag wird trainiert: Die zwei Kälbchen Anna-Lena und Fiona vom Hof Scholle in Schöneberg sollen, angeleitet von den Bauernhofkindern Marit und Ida, bei der Tierschau in Landau mitmachen.

Als Anfang Juni ein sehr zutrauliches Kalb zur Welt kam, hatte Christian Scholle die Idee, dieses für die Kreistierschau in Wolfhagen fit zu machen. Er selbst hatte als kleiner Junge bei ähnlichen Veranstaltungen mitgemacht, wollte seinen Kindern diese Erfahrung nun auch ermöglichen. „Leider war die Anmeldung dafür schon durch, dass wir nun für Landau üben“, sagt der Landwirt.

Mit „wir“ meint er die vierjährige Marit, ihre sechsjährige Schwester Ida – für die ebenfalls ein Kalb gefunden wurde – seine Frau Kirsten und sich selbst - die ganze Familie eben, die sich seit mehreren Wochen für die Schau vorbereiten.

Hilfe vom Papa: Christian Scholle hilft seiner Tochter Ida, das Kälbchen über die Wippe zu bringen, eine Aufgabe, die gar nicht so einfach ist.

Was sie genau in Landau erwarten wird, wissen die Mädchen nicht. „Deshalb ist es wichtig, dass die Tiere zutraulich sind“, erklärt Kirsten Scholle. Bevor es losgehen kann, müssen die Mädchen den jungen Kühen erst mal einen Strick um den Hals binden. Dann kann es losgehen in Richtung Wiese, wo geübt wird.

„Komm Anna-Lena, wir gehen rüber“, fordert Kindergartenkind Marit ihre süße Kuh-Gefährtin auf, die auch gerne folgt. Etwas störrischer hingegen ist da schon Fiona, das zwar körperlich größere, dafür aber drei Wochen jüngere Kalb ihrer Schwester.

Die Namen bekamen die Tierkinder von ihren jungen Führerinnen: „Bei Kälbchen, die ein Mädchen sind, muss der erste Buchstabe des Namens so sein wie bei dem ihrer Mama“, erklärt Ida, da diese Flora heiße, hätte sie ihres Fiona genannt, so wie ein Mädchen in ihrer Kindergartengruppe geheißen habe.

Ihre Schwester hingegen entschied sich bei ihrem Schützling für Anna, doch da es schon eine Anna im Stall gibt, musste noch ein Lena hinzu.

Zeit zum Streicheln und Schmusen gehört beim Training dazu, denn nur so werden die Kälbchen zahm. Noch haben Marit und Ida Scholle (von links) ein paar Tage Zeit, sich auf die Vorführung in Landau vorzubereiten.

Fast täglich wird nun mit Fiona und Anna-Lena trainiert – mal im Kreis gehen, mal über eine Wippe oder einfach nur ruhig stehen. „Damit sie lieb sind, geben wir ihnen Leckerlis von unseren Hasen“, verrät Marit. Und weil Kälbchen gewöhnlich gerne an Fingern saugen, lassen die beiden auch das als Belohnung zu. Ein Elternteil ist beim Üben immer dabei, da die jungen Kühe schon rund hundert Kilo auf die Waage bringen und nicht selten mal einen freudigen Sprung machen.

Bis zur Vorführung in Landau wollen die Schwestern die beiden „noch ganz viel streicheln und viel mit ihnen reden“. Außerdem lernen die Kälbchen wie es sich anfühlt, mit einer Bürste schick gemacht zu werden. „Denn bevor es losgeht, werden wir sie waschen und abbürsten“, weiß Ida. Aufgeregt sind sie schon jetzt, denn was sich die Veranstalter so überlegt haben, wird eine Überraschung sein.

Vom Kalb zur Milchkuh

Neun Monate trägt eine Kuh, bis sie ein Kalb gebärt. Ist es ein weibliches Tier, so hat es gute Chancen alt zu werden, braucht man diese doch zur Milchproduktion. Die männlichen hingegen werden schnell ausgesondert, kommen nach ein paar Wochen Mast auf den Schlachthof. Nach nur wenigen Stunden oder Tagen, je nach Landwirt, wird die mütterliche Bindung zwischen Kalb und Kuh unterbrochen. 

Das Kalb wird dann mit billiger Ersatzmilch in der Regel gefüttert. Der Alltag als Milchkuh beginnt mit knapp zwei Jahren, da vorher die körperlichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Keine Milch produziert eine Kuh übrigens in den zwei Monaten vor der Geburt ihres Kalbes, ansonsten gibt sie ihr Leben lang Milch. In der Regel bekommt eine Kuh vier bis fünf Kälber. Nach der ersten Geburt gibt sie rund 15 Kilogramm Milch pro Tag – gegen Ende ihres Lebens können das bis zu 50 Kilogramm pro Tag sein.

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