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Materialprobleme verzögern Naturpark-Eröffnung in Hofgeismar

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Von: Thomas Thiele

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Ein Mann und eine Frau stehen in einem langen Innenraum eines alten Hauses. Über ihnen ziehen sich schwere Stahlträger durch den Raum und ein Podest aus Metall.
Im Haus Markt 5 wurden nachträglich eingebaute Zwischenwände entfernt, um die Kaufhalle des 16. Jahrhunderts wieder herzustellen, nun mit Stahl massiv abgestützt. Neu ist auch ein Aufzug (rechts). Bauamtsleiter Dirk Lindemann und die neue Mitarbeiterin Lisa Biedendorf zeigen ein altes Holzbauteil. © Thomas Thiele

Die neue Geschäftsstelle des Naturpark Reinhardswald in Hofgeimar wird erst im Sommer 2023 eröffnet.

Hofgeismar. Die im Januar 2018 begonnene Sanierung des Hauses Markt 5 in Hofgeismar dauert nochmals ein halbes Jahr länger als geplant. Ursprünglich für Ende 2021 geplant, zeigte sich schon 2020, dass die Fertigstellung sich wohl bis Mitte 2022 hinziehen würde, dann wurde das Jahresende 2022 angegeben, nun Mitte 2023. Sie soll Unterkunft bieten für die Touristinformation und Geschäftsstelle des Naturpark Reinhardswald, eine Zweigstelle der Deutschen Märchenstraße und einen Veranstaltungsort.

Probleme der Bauwirtschaft

Dass sich die Fertigstellung verzögert, liegt vor allem an Problemen der Bauwirtschaft, wie Hofgeismars Stadtbauamtsleiter Dirk Lindemann und seine Mitarbeiterin Lisa Biedendorf beim Ortstermin erläuterten.

Putz braucht lange

So wurde der rechtzeitig im Januar bestellte mineralische Wärmedämmputz erst im August geliefert. Da der Putz in drei Schichten mit einer Trocknungszeit von insgesamt drei Monaten aufgebracht wird, konnte der Terminplan nicht eingehalten werden. Das letzte Verputzen kann nun erst im frostfreien Frühjahr 2023 erfolgen.

Ein weiteres Problem gab es bei den technischen Installationen. Nachdem sich auf die erste Ausschreibung für Heizungs-, Sanitär- und Elektroinstallationen Ende 2020 kein Betrieb gemeldet hatte, sprach die Stadt Hofgeismar regionale Unternehmer an. Die Technikgewerke konnten zu angemessenen Konditionen vergeben werden, aber mit erheblichen Terminzugeständnissen.

Drei Fachwerkhäuser stehen mit den Giebeln nebeneinander, das mittlere hat leuchtend rote Balken.
Während die von Passanten oft diskutierte rote Fassade fast fertig ist, wird drinnen noch gearbeitet. © Thomas Thiele

Eine Firma gab auf

Dadurch verzögerten sich auch die weiteren Innenausbauarbeiten. Aufgrund Personalmangels musste die Elektrofirma Mitte 2022 den Auftrag kündigen, als sie ein Drittel der Arbeiten ausgeführt hatte. Nach längerem Suchen konnte der Restauftrag dann im August an eine weitere Firma vergeben werden. Die fehlende Zeit beim Innenausbau konnte nicht nachgeholt werden, doch nachdem personelle Engpässe im Bauamt und im Planungsbüro überwunden sind, seien nun alle wieder voll dabei.

Restarbeiten ab März

Laut Planungsbüro Müntinga und Puy gelten diese Ziele: Bis März 2023 sollen alle temperaturunabhängigen Arbeiten erfolgen, sodass man auf eine kostenintensive Baustellenbeheizung verzichten kann. Dazu gehören die Geländeprofilierung auf der Rückseite, der Abschluss der Stahlarbeiten und Fluchttüren sowie das Verlegen restlicher Leitungen. Ab April können dann Innen- und Außenputz sowie Malerarbeiten abgeschlossen werden, es folgen die Unterböden und Bodenbeläge sowie der Einbau der Innenausstattung wie Türen und Armaturen.

Treppen fehlen noch

Derzeit sieht es an vielen Stellen im Gebäude noch sehr nach Rohbau aus. Decken und Wände sind weitgehend verputzt, doch es gibt, vor allem in der großen Halle, noch große Löcher und beide Treppen fehlen. Die oberen Etagen sind derzeit nur über Gerüste zugänglich.

Kosten verdreifacht

Die Planungen liefen schon 2013, als es noch kein Nutzungskonzept gab. 2014 wurden alte Farbschichten innen untersucht. Zum Hessentag 2015 stellte das Land bei einer Million Euro Gesamtkosten 500.000 Euro Zuschuss in Aussicht. 2017 lag die Schätzung bei zwei Millionen Euro, 2019 schon bei 2,95 Millionen Euro. Aktuell liegt man bei 3,3 Millionen Euro (bei 70 Prozent Zuschuss). Derzeit sind die beiden Geschäftsstellen in der Stadthalle untergebracht, die Tourist-Info neben der Stadtbücherei.

Projekt soll Vorbild sein

Das Land fördert das Projekt als ortsbildprägendes Einzelkulturdenkmal für eine nachhaltige, multifunktionale Nutzung. Bauamtsleiter Lindemann sieht auch, dass sich kaum ein Privatmann so etwas leisten könne. Das Projekt habe Vorbildcharakter und werbe dafür, sich mit Zuschüssen zu beschäftigen. (Thomas Thiele)

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