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Mehr Chancen für Solarstrom im Kreis Kassel: Weniger Ablehnungen auf Baudenkmälern

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Von: Thomas Thiele

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Bei diesem Fachwerkhaus in Wolfhagen-Istha konnte nach vorherigen Gesprächen mit der Denkmalbehörde schon 2019 das Dach umgestaltet werden. Fotovoltaikanlagen konnten auf der schwer einsehbaren Rückseite montiert werden.
Bei diesem Fachwerkhaus in Wolfhagen-Istha konnte nach vorherigen Gesprächen mit der Denkmalbehörde schon 2019 das Dach umgestaltet werden. Fotovoltaikanlagen konnten auf der schwer einsehbaren Rückseite montiert werden. © Thomas Thiele

Seit in Hessen eine neue Richtlinie für Denkmalbehörden klarstellt, dass Solaranlagen auf Denkmälern in der Regel zu genehmigen sind, haben sich die Chancen dafür auch im Kreis Kassel verbessert.

Kreis Kassel – Seit Inkrafttreten im Oktober wurden zehn Fotovoltaik- beziehungsweise Fotothermieanlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung beantragt, davon eine im Altkreis Hofgeismar, acht im Altkreis Kassel und eine im Altkreis Wolfhagen.

Das Interesse scheint bislang nicht gravierend verändert, aber die Chancen zur Umsetzung werden größer. Nach Einschätzung der Kreisverwaltung hat sich die Antragslage seit dem Bekanntwerden der Richtlinie nicht deutlich erhöht, sagt Kreispressesprecher Harald Kühlborn auf Anfrage unserer Zeitung. Lediglich in einem konkreten Fall sei nach vorausgegangener Ablehnung daraufhin ein erneuter Antrag erfolgt, der dann positiv beschieden werden konnte.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn als Oberste Denkmalschutzbehörde hält in der Richtlinie fest, dass allenfalls bei einer erheblichen Beeinträchtigung eines Kulturdenkmals eine Nichtgenehmigung in Frage kommt. Auch dann müssten die Behörden alle Möglichkeiten nutzen, um die Beeinträchtigung zu reduzieren und eine genehmigungsfähige Alternative zu finden.

Mehr Chancen für Solarstrom im Kreis Kassel: Alte Anträge werden nicht neu bewertet

Bereits früher gestellte Anträge, die bestandskräftig abgelehnt wurden, werden nicht neu bewertet, da das entsprechende Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist, erklärt Kühlborn. In diesen Fällen sei laut Kreisverwaltung eine erneute Beantragung notwendig.

Vordrucke vom Amt gibt es nicht

Wer auf seinem denkmalgeschützten Gebäude eine Fotovoltaik- oder Solarthermieanlage bauen will, muss sich zunächst an die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis wenden, die dann im weiteren Verfahren die Fachbehörde (Landesamt für Denkmalpflege Hessen) beteiligt und das notwendige Einvernehmen einholt. Anträge können formlos (etwa per E-Mail) eingereicht werden. Verbindliche Vordrucke, wie etwa im Baugenehmigungsverfahren üblich, gibt es nicht.

Seit Erlass der Richtlinie wurden keine Anlagen komplett abgelehnt. Es wurden lediglich Auflagen formuliert, die eine denkmalverträglichere Einbindung der Module in die Dachflächen gewährleisten sollen, sagt Kühlborn.

Im Fall der Familie aus Lippoldsberg, die auf einem Dach des dortigen Klosterhofes eine PV-Anlage bauen wollte, dafür vor Gericht zog und auch Ministerin Dorn zum Ortstermin empfing (wir berichteten), gab es keinen Erfolg. Kühlborn: „Bedauerlicherweise wurde vor einiger Zeit genau dieser Fall schon eingeklagt, richterlich endentschieden und eine Revision verworfen. Somit sind wir aufgrund der Bindungswirkung des bestehenden Verwaltungsgerichtsurteils gehindert – auch nach Rechtsauffassung des Landesamtes – jetzt eine Genehmigung zu erteilen.“ (Thomas Thiele)

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