Mindestlohn: Vereine beklagen Mehr an Bürokratie

Hofgeismar. Ein Jahr nach Einführung des Mindestlohns steht beispielsweise für Reinhard Priem, den Vorsitzenden der 1500 Mitglieder zählenden TSG Hofgeismar, fest: „Wer die Gesetze gemacht hat, hat keine Ahnung wie es in den Sportvereinen aussieht.“

Und dies ist noch eine der freundlicheren Formulierungen, die der Chef des zweitgrößten Vereins im Kreisteil findet.

Auf dem Papier klingt alles einfach: Die Stunden, die ein Arbeitnehmer leistet, müssen aufgelistet werden. Am Gehalt lässt sich dann ablesen, ob die 8,50 Euro Mindestlohn eingehalten wurden.

Bei Vereinen sind aber die Grenzen zwischen Ehrenamt und Bezahlung fließend. Ohne hauptamtliche Verwaltungskräfte kommen große Vereine deshalb auf Dauer vermutlich nicht aus. Die ungezählten Steuervorschriften, die für Vereine gelten, müssen penibel eingehalten werden. „Kleine Dienstwege“, um Vorschriften zu umschiffen, gibt es nicht mehr. „Sie sind illegal“, sagt Priem. Er muss es wissen, schließlich ist er von berufswegen Rechtsanwalt. Um alle Abrechnungen gesetzteskonform zu machen, sei der Verwaltungsaufwand deutlich gestiegen, sagt auch Stellvertreterin Petra Krick. Und um vor dem Finanzamt zu bestehen, lasse man die Steuerabrechnung seit zwei Jahren von einem Büro erarbeiten. Die jährlichen Kosten dafür liegen über 5000 Euro. Priem: „Das fehlt an anderer Stelle.“

Dass es ohne Steuerberater nicht geht, sagt auch Lars Obermann, Schatzmeister der 1600 Mitglieder zählenden TSV Immenhausen. Auch er sieht Mehrarbeit durch den Mindestlohn, aber sie halte sich in Grenzen, solange man bei Übungsleitern noch mit Aufwandsentschädigungen arbeiten könne, die nicht unter den Mindestlohn fallen. Die müsse unter 200 Euro im Monat liegen und sei dann vom Mindestlohn nicht betroffen. (mrß)

Rubriklistenbild: © dpa

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