Moderator und Sänger gibt Konzert in Hofgeismar

Reinhold Beckmann: "Nichts macht mich glücklicher, als auf der Bühne zu stehen"

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Kommt als Musiker nach Hofgeismar: Reinhold Beckmann.

Reinhold Beckmann hat die Fußball-Berichterstattung revolutioniert. Nun kommt der Moderator als Sänger nach Hofgeismar. Im Interview erzählt er, warum er nicht den Mut hatte, Musiker zu werden.

Man kennt ihn vor allem als Moderator und Sportkommentator, nach Hofgeismar kommt Reinhold Beckmann aber als Musiker, der sich deutschsprachigem Blues und Folk hingibt. Am Samstag, 27. April, tritt er mit seiner Band ab 19.30 Uhr in der Gustav-Heinemann-Schule auf. Zu seinem umstrittenen Auftritt vor Rechtsextremen bei der Geburtstagsfeier seines Kumpels, dem Journalisten Matthias Matussek, wollte sich Beckmann nicht äußern. 

Herr Beckmann, Sie kommen mit Ihrer Band nach Hofgeismar. Trotzdem hat man irgendwie das Bedürfnis, mit Ihnen nicht nur über Musik, sondern auch über Sport und Politik zu reden.

Können wir gerne machen, Musik wäre mir aber lieber. Aber warum nicht auch andere Themen. Legen Sie mal los.

Ich mische mal: Haben Sie kürzlich das Video mit Leon Goretzka gesehen, der völlig irritiert ist, als er plötzlich Béla Réthy gegenübersteht, den er nur an seiner Stimme erkennt?

Das kann ich mir gut vorstellen, Bélas unverwechselbare Stimme ist einfach sein Markenzeichen, mit dem nicht unbedingt alle sofort ein Gesicht verbinden.

Die Frage kommt deshalb, weil es bei Ihnen ähnlich ist. Wer Sie singen hört, der weiß sofort: Das ist der Beckmann. Können Sie sich selbst gut zuhören?

Ja, absolut. Ich verstehe, was Sie meinen. Als Sportjournalist und in meiner Talksendung war ich für die Zuschauer ganz anders präsent. Aber meine Stimme und ich kennen uns inzwischen schon länger. Ich darf Ihnen verraten, ich mag sie. Ich weiß um Stärken und auch durchaus um die kleinen sympathischen Schwächen. Wenn man sich als Kommentator in eine Sprecherkabine setzt, hat man schon manchmal einen stimmlich schlechten Tag. Aber daran zu arbeiten, das habe ich gelernt.

Hat Ihre Journalistenkarriere Sie da also gut auf die Musikkarriere vorbereitet?

Das kann man eigentlich so nicht sagen. Es sind zwei ganz verschiedene Bereiche. Außerdem habe ich schon immer Musik gemacht – nur nicht öffentlich. Mit 15 Jahren fing es an mit unserer ersten kleinen Band. Extrem schlecht, dilettantisch, aber für uns großartig. Heute würde ich sagen, wir waren ganz unbewusst so was wie die erste Punkband, ohne zu ahnen, was das ist.

Wenigstens ein cooler Name?

Wir hießen Diesel 3, weil wir zu dritt waren. Schmutzig, laut und einfach raus auf die Bühne. Das haben wir uns getraut.

Ihr erstes Album haben Sie erst mit 58 veröffentlicht. Warum hat es so lange gedauert?

Das ist eine Frage, was man sich so zutraut und wie sich der eigene Lebensweg so entwickelt. Nach dem Abitur habe ich über ein Musikstudium nachgedacht und es auch probiert. Damals spielte ich viel klassische Gitarre, bis ich merkte, dass ich mehr ein Kind der Woodstock-Musik bin und wohl auch immer bleiben werde.

Sie haben in einem Interview zum aktuellen Album gesagt, das Gitarrespielen müssten Sie jetzt wieder „üben, üben, üben“.

Ich würde es gar nicht mehr üben nennen. Jetzt nehme ich mir einfach die Freiheit, jeden Tag für mich zu spielen. Damit das funktioniert, habe ich in meinen Leben einiges verändert, weil mir das Musikmachen so wichtig ist. Inzwischen weiß ich, es gibt nichts, was mich glücklicher macht, als live auf der Bühne zu stehen. Ein großartiges Gefühl.

Bereuen Sie dann, sich nicht früher so der Musik gewidmet zu haben?

Ja, das bereue ich sehr. Obwohl mich immer wieder mal Leute auf die Bühne eingeladen haben. Ich habe mit Texas Lightning gespielt, mehrmals mit Barbara Schöneberger. Aber so eigene Sachen zu schreiben und aufzuführen, da fehlte mir zunächst der Anstoß und das Vertrauen in mich selbst. Die Initialzündung war dann ein Duett mit Ina Müller in ihrer Sendung, nachdem ihre Musiker auf mich zukamen und gesagt haben: „Reinhold! Du bist eigentlich Musiker, lass es uns versuchen.“ Und nach ein bisschen rumprobieren, hat mich das angefixt.

Als Journalist kennen Sie das Texten ja auf eine ganz andere Art. Wie arbeiten Sie da?

Liedtexte schreiben kann man schon üben, das ist ein Handwerk. Das hätte ich auch nicht gedacht. Kreativität ist aber nicht berechenbar, es gibt Tage, da passiert bei mir nichts. Doch ich kann mich darauf verlassen, dass auch immer wieder gute Tage kommen. Manchmal schießt einem einfach ein Thema oder ein Satz in den Kopf. Beim Song „Bremen“ hatte ich anfangs nur die Zeile „Du hast meinen Käfer vollgekotzt“. Um den Satz wollte ich dann unbedingt eine Liebesgeschichte bauen, die in meiner Jugend spielt.

Können Sie sich dafür leicht öffnen?

Ich traue mich immer mehr und merke, dass es Spaß macht. Auf dem letzten Album sind schon viele biografische Momente zu finden, deutlich mehr als auf meiner ersten Platte.

Sie beobachten den Alltag, bekommen über ihre Dokumentationen viel aus dem Politikgeschehen mit. Vermissen Sie manchmal ihre Talkshow? 

Zum Glück habe ich die Möglichkeit, für meine Dokus die Parteien in Berlin zu beobachten. Da habe ich zum Beispiel Christian Lindner begleitet. Jetzt versuche ich das aktuelle Phänomen zu verstehen, wie die Grünen und Robert Habeck gesellschaftlich wahrgenommen werden. Aber es gibt Tage, da denk ich an die besondere Faszination zurück, die Talks mit bestimmten Gästen ausstrahlen können. Das ist ein Grund, warum ich im Sommer mit dem NDR ein neues Talkshow-Format ausprobiere, bei dem zwei Gäste aufeinandertreffen, die sich sonst im Alltag nicht begegnen würden.

Können Sie vorstellen, kritische Themen und Erlebnisse in ihrer Musik zu verarbeiten? 

Man kann jedes gesellschaftliche Thema in Musik verarbeiten. So haben wir auf der letzten CD das Schicksal von Flüchtlingen aufgenommen, die den lebensgefährlichen Weg nach Europa über das Mittelmeer suchen. Es kommt darauf an, wie man seine Erfahrungen in poetischen Geschichten erzählt. Konstantin Weckers letzte Platte heißt „Poesie und Widerstand“. Und da kann ich nur sagen: So ist es, so kann man es machen.

Zur Person

Reinhold Beckmann absolvierte nach seinem Abitur zunächst eine Lehre zum Radio-, Fernseh- und Videotechniker, bevor er in Köln Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studierte. Als freier Journalist wurde der heute 63-Jährige für den Sport entdeckt und moderierte in den 90er-Jahren die von ihm entwickelten Sendungen „ran“ und „ranissimo“. Später führte er auch durch die Sportschau und seine eigene Talksendung. Als Musiker veröffentlichte der Bundesverdienstkreuzträger bislang zwei Alben mit seiner Band: „Bei allem sowieso vielleicht“ und „Freispiel“. Der Vater zweier erwachsener Kinder lebt in Hamburg.

Tickets

Karten für das Konzert in Hofgeismar gibt es für 28 Euro (zzgl. Gebühr) bei allen HNA-Geschäftsstellen, in der Tourist-Info sowie unter www.Kulturforum-Hofgeismar.reservix.de

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